Rückgang beim ZR-Volumen

ANWR Schuh präsentiert Zahlen des ersten Halbjahres 2020

Das Geschäftsführungsteam der ANWR Schuh: Heike Discher und Tobias Eichmeier (Foto: ANWR)
Das Geschäftsführungsteam der ANWR Schuh: Heike Discher und Tobias Eichmeier (Foto: ANWR)

Weniger Umsatz für den Fachhandel, weniger ZR-Umsatz für die Verbundgruppe. Die Geschäftsführung der ANWR Schuh zieht Corona-Halbjahresbilanz – und will ihre Händler mit vielen Maßnahmen vor den Auswirkungen der Pandemie schützen.

Anders als gewohnt, präsentierten die beiden ANWR Schuh-Geschäftsführer Heike Discher und Tobias Eichmeier die aktuellen Zahlen nicht im Rahmen der Messe auf dem Campus Mainhausen, sondern am 18. September in Form einer digitalen Pressekonferenz.

Die Umsatzentwickung im Schuhfachhandel steht erwartungsgemäß  im Zeichen der Corona-Kiste. Im ersten Halbjahr 2019 war noch eine Umsatzsteigerung in Höhe von 1,8% erreicht worden; im August 2019 lag der Umsatz aufgelaufen bei +2,1%. Ein Jahr später stellte sich die Welt völlig anders dar: Im Zeitraum von Januar bis Juni 2020 lag der Umsatz um -24,3% unter Vorjahr. Im August lag das Minus aufgelaufen noch bei -18,4%.


Multichannel-Händler erfolgreicher als rein stationäre
 

Händler mit Multichannel-Ansatz schlugen sich dabei besser als ihre rein stationären Kollegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Januar bis August mussten die rein stationären Händler ein Minus von 20,2% hinnehmen, während Händler mit Onlinehandel „immerhin“ -15,8% erreichten. ANWR Schuh-Geschäftsführerin Heike Discher warnte jedoch davor, aus Sorge vor sinkenden Umsätzen den Onlinehandel als Allheilmitel zu betrachten und Ware „wie wild“ über alle Kanäle anzubieten. Wichtig sei die richtige Rohertragsmarge. Man müsse individuell entscheiden, welche Artikel online angeboten werden sollten und welche nicht. Retouren und der Aufwand, den der Versand von Schuhen mit sich bringe, müssten eingerechnet werden. Zugleich habe sich, so Tobias Eichmeier, das ANWR-Tool Qualibet, über das der Verkauf von Schuhen auf schuhe.de und anderen Plattformen gesteuert werden kann, gerade in der Lockdown-Phase als sehr vorteilhaft erwiesen.

Unterschiede in der Performance gibt es bei vielen Händlern auch bedingt durch ihre Standorte. Während manche Unternehmen, die beispielsweise gut erreichbar seien und über ausreichend Parkplätze verfügten, durchaus zufrieden seien, täten sich andere Händler, etwa in Innenstadt- und Centerlagen, deutlich schwerer, erklärte Heike Discher. Gut entwickele sich zurzeit das Nahversorgungskonzept mit konsumigen Preislagen „Quick Schuh“. Dessen Teilnehmerzahl sei weitgehend unverändert geblieben.

Aktuelle Mitgliederzahlen kommuniziert die ANWR Schuh/Garant Deutschland derzeit nicht. Man habe zwar mehr Mitglieder als im Vorjahreszeitraum verloren, so Heike Discher, jedoch seien die Zahlen derzeit „noch zufriedenstellend“. Sorge bereiteten der Geschäftsführung jedoch die kommenden Wochen und Monate. Diese wolle man abwarten und erst Anfang 2021 die dann aktuelle Mitgliederzahl veröffentlichen.

Das ZR-Volumen der ANWR Schuh/Garant Deutschland  lag um 18,1% unter dem Vorjahreszeitraum: Im ersten Halbjahr 2019 hatten beide Gruppen 474 Mio. Euro Zentralregulierungsvolumen erreicht. Im ersten Halbjahr 2020 waren es 388 Mio. Euro. Auch aktuell – Mitte September, liege man noch bei -18,2%, so Discher.

Im Hinblick auf ihren Ertrag geht die ANWR Schuh von -20% aus. Man habe durch Kurzarbeit, weniger Reisen und Web-Seminare einige Kosten reduzieren können, so Heike Discher.
 

Messen „erfolgreich und effizient“
 

Zur Order Spring, die vom 7. bis zum 10. September als erste ANWR-Messe nach der Corona-Pause ihre Pforten geöffnet hatte, ziehen die Verantwortlichen der ANWR ein positives Fazit. 1.000 Fachbesucher habe man an drei Messetagen begrüßen dürfen. Die Stimmung sei gut gewesen; die Corona-bedingten Auflagen seien ohne Probleme umgesetzt worden und man habe durch eine vorherige Terminvergabe sehr effizient arbeiten können. Man habe ein „sehr sicheres Messekonzept“ umsetzen können, betonte Tobias Eichmeier. Gerade die organisatorische Struktur habe sich als hilfreich erwiesen. Warteschlangen seien durch die Terminvergabe vermieden worden, „viele Händler haben ihr Programm viel schneller abgearbeitet als sonst“, so Discher. Man überlege, an einem solchen Konzept auch in Zukunft festzuhalten. Viele Händler und Lieferanten seien überdies froh gewesen, einander wieder persönlich begegnen zu können, erklärten die beiden Geschäftsführer.

Empfohlen wird seitens ANWR aktuell eine Reduzierung des Ordervolumens um 30%. Dabei kommt es nach den Worten Dischers darauf an, die richtigen Schuhe zu ordern. Es dürften nicht nur Durchläufer in den Geschäften präsentiert werden. 70 bis 80% Vororder und der Rest als In-Season-Order seien eine gute Kombination. Es sei wichtig, auch in der Saison noch Trendthemen zu ergänzen.

Bei den Warenprogrammen sei es gelungen, bei nahezu allen Lieferanten die Mindestabnahmemengen zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Dadurch sollen Händler die Möglichkeit bekommen, auch mit geringerem finanziellen Risiko neue Impulse ins Sortiment aufzunehmen.

Für die nächste ANWR Messe, die Order Summer, die am 6. und 7. Oktober in Mainhauen stattfinden wird, sind nach Auffassung der Geschäftsführung „beste Voraussetzungen“ geschaffen worden.

Weitere Termine für die Order sind der 2. und 3. März 2021 (Order Autumn) sowie der 17. und 18. März (Order Winter). Damit rückt die ANWR Schuh mit ihren Messen um ca. zwei Wochen nach hinten und näher an den Verkaufszeitraum.

 

Vertikale Konzepte und Exklusivmarken „mit Potenzial“
 

Auf Erfolge blickt die ANWR Schuh beim Großhandelsgeschäft zurück. Mit den Sportmarken Adidas, Puma, Nike und Reebok bestehe eine gute Kooperation; als Exklusivmarke werde zudem Longo angeboten. Mehr als 100 Points of Sale haben aktuell das vertikale Modul Sneakerwand mit angesagten Sportmarken installiert. Man sehe „eine sehr gute Entwicklung“ bei diesem Thema und zudem Potenzial, ähnliche Kooperationen auch mit anderen Marken – jenseits des Sportsegments – zu realisieren, betonte Tobias Eichmeier.

Deutlich ausgebaut und den Corona-Bedingungen angepasst hat die ANWR Schuh ihr Beratungsangebot. Viele Händler hätten zurzeit großes Interesse an Themen wie Liquidität und Finanzierung. Im November startet daher eine Offensive mit Web-Seminaren für das Jahr 2021. Beratungsschwerpunkte im November und Dezember sollen im Bereich Digitalisierung liegen. Dann wird unter anderem der Frage nachgegangen, wie bei niedrigen Frequenzen eine Erhöhung der Conversionrate erreicht werden kann.

Auch im Hinblick auf Marketing für den Handel hat die ANWR Schuh Neuerungen umgesetzt. Dazu gehört #local Shoe love, das gemeinsam mit einer Händlerin entwickelt worden sei und unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ Bewusstsein für den stationären Schuhfachhandel vor Ort schaffen soll. Die Mission sei eine „spürbare Kehrtwende“ im Bewusstsein und Kaufverhalten der Verbraucher und damit eine steigende Wertschätzung des lokalen Schuhfachhandels. 1.531 Personen haben das Projekt aktuell auf Facebook abonniert.

Das im März vorgestellte Konzept „Comfort und Trendschuh“ habe in den zurückliegenden Monaten zunächst auf Eis gelegen. Man halte aber an dem Vorhaben fest, dieses auf Wellness ausgerichtete Konzept umzusetzen. Etwa 20 Händler seien als Teilnehmer nach wie vor dabei. Es bestehe Interesse, das Konzept weiter zu puschen, so Heike Discher.

Hinsichtlich der Sonntagsöffnungen, die derzeit auch in der Schuhbranche diskutiert werden, sieht die ANWR Schuh keine pauschale Lösung. Man dürfe Sonntagsöffnungen nicht übers Knie brechen, so Heike Discher. Es komme darauf an, wie das konkrete Konzept für ein solches Vorhaben aussieht. Hohe Personalkosten an einem Sonntag, der dann nur mäßige Frequenz bringt, dürften nicht riskiert werden. Vielmehr müsse im Einzelfall entschieden werden. Grundsätzlich aber sei feststellbar, dass der Samstag an Bedeutung eingebüßt habe. „Viele Menschen wollen vielleicht die zu volle Innenstadt, die sie am Samstag erwarten, meiden“, so Tobias Eichmeier. Dafür werde aktuell mehr an anderen Wochentagen gekauft. Es sei vorstellbar, dass sich das Einkaufsverhalten nachhaltig ändert. „Mehr Menschen in Home Offices, möglicherweise andere Arbeitszeiten – wie sich dies auf das Shoppingverhalten auswirkt, müssen wir abwarten“, so Eichmeier.

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Petra Steinke / 18.09.2020 - 12:24 Uhr

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