1. Halbjahr 2020

BDSE: „Dramatischer Umsatzeinbruch“

BDSE-Präsidentin Brigitte Wischnewski (Foto:Redaktion)
BDSE-Präsidentin Brigitte Wischnewski (Foto:Redaktion)

Im Rahmen der Gallery Fashion + Shoes schilderte die BDSE-Präsidentin Brigitte Wischnewski die Auswirkungen der Corona-Krise für den deutschen Schuhhandel.

In den üblicherweise besonders umsatz- und ertragsstarken Monaten März und April brachen die Umsätze im Schuhhandel mit einem Minus von 55 bzw. 70% laut Wischnewski „dramatisch“ ein. Während der ersten sieben Monate dieses Jahres habe der stationäre Schuhfachhandel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 1,2 Mrd. Euro Umsatz verloren. Es sei unzweifelhaft, so Wischnewski weiter, dass in und durch den Shutdown der Schuheinzelhandel wie kaum eine andere Branche durch die Coronakrise gelitten habe. Neben den Bekleidungsgeschäften seien die Schuhhäuser jene Handelsunternehmen, deren Umsätze von der staatlich verordneten Ladenschließung am stärksten betroffen waren.  
Nachdem die Geschäfte wieder öffnen durften, blieben laut BDSE die Mai- und Juni-Umsätze zwischen 15 und 20% unter Vorjahr. Aufgelaufen im ersten Halbjahr betrug das Minus rund 30% (2,5 statt 3,6 Mrd. Euro).

Je nach Standort, Sortiment und Kundenzielgruppe sei die Entwicklung der Unternehmen in den letzten Wochen und Monaten sehr unterschiedlich gewesen, auch in Abhängigkeit von Bundesland, Betriebstyp und Sortimentsstruktur. „Während die einen mittlerweile fast ihre Vorkrisen-Umsätze wieder erreichen, müssen viele andere nach wie vor erhebliche zweistellige Verluste verkraften. Selten war die Spannweite der Umsatzentwicklung so groß wie derzeit“, erklärte die BDSE-Präsidentin. Besonders schwer taten sich demnach die großen Verkaufsflächen in teuren Frequenzlagen. Kleine Verkaufseinheiten in nicht ganz so großen Städten schlugen sich deutlich besser als solche in den großen Shopping-Metropolen, wo es an einer engen Kundenbindung fehlte, die üblichen internationalen Touristenbesucher ausblieben und es am gewohnten Einkaufsflair mit attraktiver Gastronomie, Kunst und Kultur mangelte.

 

Digitalisierung vorangetrieben


Insbesondere viele kleine und mittelgroße Schuhgeschäfte haben sich, so die BDSE-Präsidentin, in der Zeit des Shutdowns neue digitale Kommunikationskanäle zu ihren Kunden erschlossen oder ihre digitalen Tools ausgebaut. Auch der Onlinehandel habe von den Schließungen des stationären Handels profitiert. Sowohl Pure Player als auch Onlinekanäle stationärer Händler generierten deutliche Umsatzsteigerungen. Das Wachstum dieses Kanals hält laut Wischnewski nach wie vor an, wenngleich verlorene Ladenumsätze durch dieses Segment kaum ausgeglichen werden konnten.
Die mittlerweile wieder etwas aufgehellte Konsumstimmung habe sich zudem noch nicht nachhaltig auf den Schuhhandel niedergeschlagen, so Wischnewski. „Maskenpflicht, die Angst vor Ansteckung und so manche Sorge um die eigene Einkommensentwicklung und Sicherheit des Arbeitsplatzes wirken als Shopping-Bremse.“ Im internationalen Konsumentenvergleich der Studie ’Covid-19 Consumer Outlook‘ von Simon-Kucher & Partners zeige sich, dass deutsche Verbraucher besonders verunsichert sind und ihre Investitionen für Anschaffungen aller Art reduzieren.

Bedarfskäufe würden im Schuhhandel zwar getätigt, bei Lust- und Impulskäufen hielten sich die Verbraucher noch zurück. Kinderschuhe waren nach der Wiedereröffnung besonders gefragt, aber auch Sportschuhe und Sneaker liefen schnell wieder an. Anlass- und Business-Schuhe, Pumps und Slings taten sich dagegen schwer.

 

Staatliche Hilfsmaßnahmen greifen nicht
 

Aus Sicht von Brigitte Wischnewski ist der stationäre Schuhhandel Leidtragender des Shutdowns, auch wegen der Modeabhängigkeit und Vorfinanzierung weiter Teile seiner Sortimente. Die staatlichen Förderprogramme in Form von Liquiditäts- und Überbrückungshilfen landeten nur teilweise dort, wo sie dringend benötigt wurden. Viele Schuhhäuser seien aufgrund der Förderkriterien durchs Raster gefallen. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte und der Kinderbonus hätten die Nachfrage im Schuhhandel nicht angekurbelt. „Das war allerdings auch nicht zu erwarten, da der Umsatzsteuereffekt angesichts der üblichen Preisnachlässe gegen Ende einer Verkaufssaison von 20, 30 oder mehr Prozent keinen Kunden wirklich zum Kauf motiviert“, so Wischnewski.

 

Herausforderndes zweites Halbjahr erwartet


Die Verkäufe im Juli verliefen laut der Händlerin im Großen und Ganzen durchaus ermutigend. Die Unternehmen des stationären Schuheinzelhandels lagen beim Umsatz nach ersten Erhebungen im Durchschnitt rund 10% unter dem Vorjahreswert, wobei nach wie vor große Unterschiede in der Umsatzentwicklung zwischen den Unternehmen festzustellen seien. Während viele umsatzstarke Schuhhändler, insbesondere in den größeren Städten und Metropolen, noch immer deutlich zweistellig unter dem Vorjahresmonat blieben, liege eine Reihe von kleineren Schuhfachgeschäften mittlerweile „nur noch“ im einstelligen Minus-Bereich oder habe vereinzelt sogar den Vorjahresumsatz erzielt. Gleichwohl sei mit einer herausfordernden Herbst-/Winter-Saison für den Schuhhandel zu rechnen. Die Maskenpflicht, und damit ein wesentlicher Hemmfaktor für ein angenehmes Shopping-Erlebnis, dürfte dem Einzelhandel noch in der nächsten Saison das Leben schwer machen.


Der BDSE geht davon aus, dass sich die Erholung des Schuheinzelhandels – sofern es zu keiner zweiten Corona-Welle mit wieder verschärften behördlichen Auflagen kommt – weiter fortsetzt. Das bis dato aufgelaufene Umsatzminus werde sich im Laufe des zweiten Halbjahres allerdings nur teilweise abbauen lassen. „Die Kerbe, die der Lockdown geschlagen hat, sitzt zu tief“, so die BDSE-Präsidentin. Für den stationären Schuheinzelhandel rechnet der BDSE daher im Gesamtjahr 2020 mit einem Umsatzminus von 20 bis 25%.

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Petra Steinke / 31.08.2020 - 11:19 Uhr

Weitere Nachrichten