Lederwarenhandel

BLE sorgt sich um „zahlreiche“ Lederwarengeschäfte

Axel Augustin (Foto: Redaktion)
Axel Augustin (Foto: Redaktion)

Die Lederwarengeschäfte leiden besonders stark unter der Corona-Pandemie. Dieses Fazit zieht der BLE nach den ersten acht Monaten 2020.

Die ILM ist bekanntlich abgesagt worden – und damit auch die traditionelle Pressekonferenz im Vorfeld der Lederwarenmesse. Axel Augustin, Geschäftsführer des BLE Handelsverband Lederwaren, fasst in diesem Rahmen üblicherweise die Entwicklungen im Lederwarenhandel zusammen. Nicht überraschend: Dieses Mal hätte er den Medienvertretern vor allem schlechte Nachrichten überbracht.

Während andere Branchen nach Ende des Lockdowns die verlorenen Umsätze oftmals wieder aufholen konnten oder sogar von Corona profitieren, bleibt der Lederwarenhandel weiterhin deutlich unter den Vorjahreszahlen, heißt es in der BLE-Mitteilung. Nach den aktuell vorgelegten Daten des Statistischen Bundesamtes fiel der Umsatz des „stationären Einzelhandels mit vorwiegend Lederwaren“ im ersten Halbjahr gegenüber 2019 um 25,3 Prozent. Schlechter ist die Entwicklung nur in Bekleidungs- und Schuhhäusern mit einem Umsatzminus in Höhe von 30,5 Prozent bzw. 30,1 Prozent. „Auch in diesen Geschäften werden bekanntlich im Randsortiment oft Handtaschen, Rucksäcke, Kleinlederwaren oder sogar Koffer verkauft“, konstatiert Axel Augustin.

Besonders mau sieht im Bereich Reisegepäck aus. Mit Wegfall bzw. Stornierung von Urlaubs- und Geschäftsreisen sei das Geschäft mit Koffern und Reisetaschen praktisch zum Erliegen gekommen. „In den letzten Wochen hat der Umsatz in diesem Segment zwar wieder leicht angezogen, liegt aber immer noch deutlich unter dem Niveau der letzten Jahre“, weiß Augustin.

Die anderen Artikelbereiche der Lederwarengeschäfte seien deutlich glimpflicher davongekommen. Die Konsumenten hätten Handtaschen und Kleinlederwaren nach Ende des Shutdowns halbwegs ordentlich nachgefragt. Im Freizeitbereich habe es mitunter sogar Zuwächse gegeben. Und der Businessbereich habe davon profitiert, dass manche Kunden sich im Homeoffice mit neuen Rucksäcken oder Laptoptaschen ausgestattet haben. „Stabil lief zudem das Geschäft mit Schulartikeln“, so Augustin weiter.

 

Onlinehandel verzeichnet Plus

 

Deutlich besser als der stationäre Lederwarenhandel habe der Onlinehandel abgeschnitten. Separate Zahlen für Lederwaren liegen zwar nicht vor, doch hat der „Versand- und Internethandel mit vorwiegend Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren“ laut Statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr einen Umsatzzuwachs in Höhe von 10,2 Prozent erzielt. Das liege auch daran, dass Mode-, Schuh- und Lederwarengeschäfte im März/April ihre Türen schließen mussten, während der Onlinehandel weiterhin Taschen, Hosen oder Sneaker verkaufen durfte. „Die Schere zwischen stationärem und Online-Handel ist durch diese politische Entscheidung weiter auseinander gegangen, was viele Lederwarenhändler sehr verärgert hat“, berichtet der BLE-Geschäftsführer.

 

Forderung an die Politik

 

Nicht zuletzt wegen dieser Ungleichbehandlung sorgt sich der BLE um das Überleben zahlreicher Lederwarengeschäfte. Etliche Unternehmen stünden auf der Kippe, weil die Kosten – von Mieten über Gehälter bis zur Bezahlung der Ware – in vielen Fällen nicht oder nicht ausreichend angepasst werden konnten. „Corona hat das Eigenkapital und damit auch die Altersversorgung vieler mittelständischer Lederwarenhändler massiv angegriffen oder sogar aufgezehrt“, warnt Augustin. „Die Politik muss noch mehr tun, um mittelständische Händler zu unterstützen und damit lebenswerte Innenstädte und lokale Arbeitsplätze zu sichern.“

Wie viele Lederwarengeschäfte als Folge der Corona-Pandemie aufgeben werden, kann der BLE nicht prognostizieren. Gemäß der letzten Umsatzsteuerstatistik waren 2018 insgesamt 1.241 Unternehmen im stationären Lederwarenfachhandel tätig, die zusammen einen Nettoumsatz von mehr als einer Milliarde Euro (brutto ca. 1,2 Mrd. Euro) erzielten. Gegenüber 2017 ging die Zahl der Unternehmen im Lederwareneinzelhandel 2018 um 65 bzw. 5,0 Prozent zurück.

Nach BLE-Berechnungen wurden im letzten Jahr Taschen, Koffer, Schulranzen und Kleinlederwaren im Wert von rund 2,7 Mrd. Euro an die Kunden abgegeben. Diese Zahl umfasst alle Vertriebswege – vom Fachgeschäft über den Online-Handel bis zu den Lebensmitteldiscountern.

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Tobias Kurtz / 01.09.2020 - 12:31 Uhr

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