Einzelhandel

BTE, BDSE und BLE plädieren für Saisonverschiebung

Modegeschäfte leiden massiv unter der Corona-Krise. (Foto:  Clark Street Mercantile/ Unsplash)
Modegeschäfte leiden massiv unter der Corona-Krise. (Foto: Clark Street Mercantile/ Unsplash)

BTE, BDSE und BLE wollen die F/S-Saison 2020 nach hinten verlegen. Der Wiedereinführung eines späteren Schlussverkaufs geben die Handelsverbände kaum Chancen.

Der Shutdown im stationären Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel wird nach Ansicht der Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) frühestens Ende April gelockert. Damit fehle der gesamten Fashionbranche ein Verkaufszeitraum von wahrscheinlich sechs bis acht Wochen, zumindest was das stationäre Business betrifft, so die drei Handelsverbände in einer gemeinsamen Mitteilung.

In der Mode- und Schuhbranche kursierten derzeit unterschiedliche Vorschläge, die Frühjahr/Sommer-Saison um rund sechs Wochen nach hinten zu verschieben. Dazu müssten z.B. die Lieferungen von Herbstware später erfolgen, so dass mehr Zeit für den Verkauf von Sommerware im Einzelhandel besteht. Die in diesem Zusammenhang oftmals geforderte, befristete Wiedereinführung eines gesetzlich vorgegebenen (späten) Schlussverkaufs ist nach Überzeugung der Handelsverbände politisch nicht durchsetzbar. Auch Appelle an die Branche, sich mit Preisaktionen zurückzuhalten, dürften die Solidarität unter den Handelsunternehmen und den direkt verkaufenden Markenlieferanten überstrapazieren, da sich etliche Unternehmen nach dem Ende des Shutdowns Liquidität verschaffen müssen. Allerdings sollte jeder Textil-, Schuh- und Lederwarenhändler mit Bedacht die Prioritäten zwischen Liquidität und Rentabilität abwägen.

Viele Marktteilnehmer kommen bei ihren Überlegungen zur Exit-Strategie aktuell zu der Erkenntnis, dass ein differenziertes Vorgehen zielführend ist. Detailentscheidungen müssen auch davon abhängig gemacht werden, zu welchem Zeitpunkt die Geschäfte wieder öffnen dürfen.

 

BTE, BDSE und BLE plädieren daher für Folgendes:

 
  • Die Verkaufssaison Frühjahr/Sommer (F/S) strecken und verlängern. Dazu gehört auch, Wareneingangstermine für Herbst/Winter (H/W) in Abstimmung mit den Lieferanten nach hinten zu schieben.
  • Damit müssen auch die bisher bereits geplanten Marketingmaßnahmen für H/W zeitlich angepasst werden.
  • Den Rotstift für F/S sehr gezielt und differenziert einsetzen. Wer heute Gutscheine für den Einkauf nach Wiedereröffnung verkauft, hat für spätere Kundenfrequenz gesorgt und vermutlich weniger Druck, dann größere Rabatte gewähren zu müssen.
  • Insbesondere bei Verträgen mit Rücksendeoptionen genau prüfen, welche Ware aktuell noch verkäuflich ist und welche nicht. Nur unkurante Ware rechtzeitig retournieren, aber hochaktuelle Ware schnell in den Verkauf nehmen. In jedem Fall mit den Lieferanten über „Warenspülungen“ sprechen.
  • Wenig modische F/S-Artikel gegebenfalls einlagern und zu einem späteren Zeitpunkt (2021) wieder in den Verkauf geben. Dies muss im Bereich der Damenmode sicher vorsichtiger erfolgen als bei Herrenbekleidung.
 

Der Schlüssel für ein vernünftiges saisonales Prozedere liege auch bei den Lieferanten und deren Unterstützung ihrer Handelspartner. Allerdings sind die Geschäftsmodelle und Lieferrhythmen der Markenanbieter sehr unterschiedlich und bedürfen daher einer differenzierten Betrachtung.

Laut einem aktuellen Analyse- und Thesenpapier des BTE-Kompetenz-Partners Hachmeister + Partner ist das derzeit größte Problem die saisonal nicht mehr aktuelle und damit kaum mehr verkäufliche Ware aus den frühen Lieferterminen. Diese Ware sollte ausgetauscht werden gegen aktuelle Ware oder adäquat vermarktet werden.

Mit dem Zeitpunkt der Wiedereröffnung brauche der Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel aktuelle Ware, die konkurrenzfähig ist mit den Angeboten der Onliner und vertikalen Filialisten. Jeder Händler benötige dazu individuelle Leitlinien pro Lieferant/Geschäftsmodell (z.B. vertikale Monatslieferanten, Ready-to-Wear Lieferanten, klassische Vororderlieferanten, Lieferanten mit kompetenten NOS/ seasonal NOS-Angeboten), die allerdings von den Modehäusern, Schuhgeschäften und Lederwarenhändlern selbst erarbeitet und umgesetzt werden müssen. Bei diesen Lieferantengesprächen müsse die Kernfrage geklärt werden, wie der behördlich verursachte Schaden partnerschaftlich in Grenzen gehalten werden kann.

Die Verbände weisen darauf hin, dass die Markenhersteller nur überleben würden, wenn auch die vielen kleinen und mittelgroßen Einzelhandelsunternehmen überleben. Aber auch der inhabergeführte Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel benötige umgekehrt ein vielfältiges und leistungsfähiges Markenangebot, um sich im Wettbewerb weiterhin behaupten zu können. Hachmeister + Partner arbeitet in Abstimmung mit BTE, BDSE und BLE sowie vielen Modehäusern und Lieferanten daran, Impulse für eine partnerschaftliche Lösung zu erarbeiten.
 

Tobias Kurtz / 09.04.2020 - 11:34 Uhr

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