Textilhandel

BTE widerspricht Sachverständigenrat

Axel Augustin (Foto: Redaktion)
Axel Augustin (Foto: Redaktion)

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung rechnet mit einem Umsatzminus von 30% bei Bekleidung bis Mitte Mai 2020. Der BTE Handelsverband Textil widerspricht vehement.

Laut einer Mitteilung des BTE geht der Sachverständigenrat der Bundesregierung in seinem wahrscheinlichsten Basisszenario davon aus, dass die Gesamt-Nachfrage nach Bekleidung im Zeitraum Mitte März bis Mitte Mai 2020 aufgrund der Geschäftsschließungen um 30% sinkt. Begründet werde dies mit dem hohen Online-Anteil und der nach wie vor geöffneten Lebensmittelgeschäfte, die ebenfalls Bekleidungsartikel verkaufen.

„Dieses Szenario ist nach allen bekannten Marktdaten der Branche unhaltbar“, so der BTE. Nach Berechnungen des Verbandes liegt der Marktanteil des gesamten Onlinehandels für Bekleidung bei maximal 30%. In dieser Zahl enthalten sind auch die Online-Umsätze von vorwiegend stationären Modegeschäften. Weitere rund 10% entfallen auf Einzelhandelsgeschäfte, die geöffnet bleiben dürfen und als Randsortiment Bekleidung führen. Dazu gehören etwa der Lebensmittelhandel und SB-Warenhäuser. Dagegen ist der Umsatz aller geschlossener Modegeschäfte und Warenhäuser (ohne deren Online-Umsatz) auf Null gesunken. „60% des Marktes erzielen damit aktuell gar keinen Umsatz“, rechnet BTE-Sprecher Axel Augustin.

 

BTE: Online-Umsätze rückläufig

 

Auch die Annahme, dass die Kundennachfrage aktuell stärker zu den Onlineshops wandert, sei nicht nachvollziehbar. Nach Recherchen des BTE seien derzeit auch die Online-Umsätze mit Bekleidung rückläufig. So rechnet z.B. Zalando aktuell mit einem Umsatzrückgang aufgrund der Coronakrise. „Wir gehen daher aktuell davon aus, dass die Gesamt-Nachfrage nach Bekleidung während des Shutdowns um 60 bis 70% sinkt!“, schätzt Augustin.

Diese dramatischen Einbrüche sind aus mehreren Gründen nachvollziehbar. „Wer jetzt im Homeoffice arbeitet oder sogar in Kurzarbeit ist, denkt kaum über Modekäufe nach – auch nicht im Internet,“ weiß der BTE-Sprecher. Aktuell und perspektivisch fehlen zudem die üblichen Kaufanlässe. Dazu gehören Familientreffen zu Ostern, der Osterurlaub oder der Tanz in den Mai. Dies trifft gleichermaßen auch den Schuh- und Lederwarenhandel. „Es ist auch nicht zu erwarten, dass die nun unterbleibenden Käufe nach dem Ende des Shutdowns in größerem Maße aufgeholt werden, da sehr viele Verbraucher dann weniger Geld zur Verfügung haben werden“.

Die aktuellen Schließungen seien für den stationären Modehandel auch deshalb existenzbedrohend, weil sie in eine Phase fallen, in der es normalerweise keine größeren Rabattaktionen gibt. Aber selbst das scheine sich durch den wachsenden Liquiditätsdruck und immer voller werdender Warenlager derzeit zu ändern, wie die Preisaktionen der letzten Tage im Onlinehandel zeigten. „Die aktuellen Hilfen der Politik für den gesamten stationären Fashionhandel müssen daher dringend ausgebaut werden!“, fordert BTE-Sprecher Augustin.
 

Tobias Kurtz / 02.04.2020 - 13:06 Uhr

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