Mieten in der Corona-Krise

„Dem Handel hilft eine Umsatzmiete“

Europa Passage Hamburg (Foto: ECE)
Europa Passage Hamburg (Foto: ECE)

Auch nach dem Shutdown fehlt Schuhhändlern der Umsatz. Zugleich sind Mieten einer der größten Kostenfaktoren. Wo liegen Lösungen? schuhkurier fragte nach.

Donnerstag, 14. Mai, 16 Uhr: Im Alexa-Einkaufszentrum, das zu den besser frequentierten Centern in Berlin gehört, herrscht gähnende Leere. Kein Mensch da. In den geöffneten Läden wartet das Personal, die Ware liegt bereit. Nur will niemand hin, keiner will bummeln, geschweige denn kaufen. Das Problem ist bekannt: Corona brachte dem Handel den Shutdown und damit einhergehend Null-Umsätze. Neben Kurzarbeit und Staatshilfen wurde die Mietstundung als Mittel der Wahl herangezogen, um für Liquidität zu sorgen und die Belastung der Unternehmen zu mildern. Große Hoffnung lag auf dem Restart. Doch seit bundesweit die Läden branchenübergreifend wieder öffnen durften, ist Ernüchterung eingekehrt. Vor allem größere Einkaufsstraßen und Center bleiben leer. Es will keine Kauflust aufkommen. Verbraucher setzen andere Prioritäten, investieren in ihr Zuhause und den Garten, halten das Geld zusammen und tun sich schwer mit dem Shoppen mit Maske. Da nützen auch Rufe nach einer Sonntagsöffnung wenig. Wer von Montag bis Samstag nicht in die Stadt gehen mag, der will wohl auch am Sonntag nicht. Auf die Frage des „Zeit“-Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo, ob es eine gute Idee wäre, Geschäfte jetzt auch sonntags zu öffnen, um Schlangen zu vermeiden, antworteten mehr als 75% der befragten Leser mit „Nein“.
 

„Mieten nicht mehr auf der Agenda“
 

Wer als Händler angesichts der verheerenden Situation im Markt Glück hat, liegt bei 50% Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten liegen darunter, einige bei -80%. „In unserem Filialportfolio haben wir die ganze Bandbreite“, sagte kürzlich ein Händler gegenüber schuhkurier. „An manchen Standorten +20%, an anderen -90%.“ Und trotzdem bleiben die Personalkosten – und die Mieten. „Ich habe den Eindruck, dass das Thema Mieten derzeit weniger auf der Agenda ist“, erklärt Unternehmer Karim Choukair gegenüber schuhkurier. „Dabei ist dieser Faktor doch eine enorme, ja, fast unzumutbare Belastung gerade für den Handel.“


Verbundgruppen: Frequenzen stimmen nicht mit Mieten überein

Die Verbundgruppen der Schuhbranche haben ihre Mitglieder im Hinblick auf die Mieten schon seit Beginn der Krise beraten. „Wir haben unsere Mitglieder schon vor Wochen für dieses Thema sensibilisiert und ihnen geraten, mit den Vermietern frühzeitig in Neuverhandlung der Mietkosten einzusteigen“, erklärt Heike Discher, Geschäftsführerin der ANWR Schuh GmbH. „Bei diesen Gesprächen können die Händler auf unsere aktive Unterstützung zurückgreifen. Viele Händler, so hören wir, machen positive Erfahrungen bei diesen Gesprächen. Dies gilt insbesondere für Vermieter, die persönlich bekannt sind. Institutionelle Vermieter hingegen zeigen sich weniger nachgiebig. Die Frequenzen werden in diesem Jahr sicher nicht mit den dafür vereinbarten Mieten übereinstimmen und so schneiden sich unnachgiebige Vermieter langfristig wohl eher ins eigene Fleisch. Schlange stehen Mietinteressenten in dieser Zeit eher weniger.“

Stephan Krug, Geschäftsführer der SABU Schuh & Marketing GmbH, sieht Mieten ebenfalls als Herausforderung an – nicht nur für die Mieter. „Mieten sind ein sehr zwiespältiges Thema und wie eigentlich immer, kommen wir hier nur zu einer guten Lösung, wenn beide Seiten partnerschaftlich agieren (wollen)“, so Krug. „Eine Mietstundung hilft nur bedingt, denn die Miete muss ja zu einem späteren Zeitpunkt nachgezahlt werden. Die generelle Situation im Handel erleichtert aber momentan zumindest teilweise das grundsätzliche Nachverhandeln mit den Vermietern.“ Es gebe zum Teil große Unterschiede zwischen den Vermietern. „Gute Chancen hat der Mieter, dessen Vermieter selbst vor Ort ansässig ist oder auch selbst als Händler tätig ist oder war. Schwer tun sich zum großen Teil Mieter von Objekten, hinter welchen institutionelle Investoren stehen.“

Aus Sicht von Krug gibt es durchaus eine Lösung für das Mietproblem: „Zum einen und idealerweise eine Umstellung von Festmiete auf Umsatzmiete oder eine Kombination aus Fest- und Umsatzmiete für einen festgelegten Zeitraum oder auch permanent. Dies könnte eventuell durch eine vorzeitige Verlängerung des bestehenden Mietvertrags kompensiert werden. Zum anderen durch den Erlass- oder Teilerlass der bislang gestundeten Mieten.“

Dass die Corona-Krise auch für Vermieter ein Problem ist, macht ein aktueller Bericht des Immobilien-Newsletters Thomas Daily deutlich: Demnach erhielt die Deutsche Euroshop, die in zahlreiche Shoppingcenter investiert hat, unter anderem das Phoenix-Center in Hamburg und das Main-Thaunus-Center in Sulzbach, zuletzt nur ein Drittel ihrer Mieten. Der Shoppingcenter-Investor erwarte „langwierige Verhandlungen über Stundungen, Kosteneinsparungen und Öffnungszeiten“. Zugleich entfallen laut dem Unternehmen nur etwa 4,6% der Gesamtmiete auf Händler, die seit Beginn der Krise Insolvenz angemeldet haben. Die Frequenz liege in den Centern sei nach den Lockerungen bei etwa 50%. Es sei ein positiver Trend erkennbar.

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Petra Steinke / 15.05.2020 - 09:05 Uhr

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