Corona-Krise in der Schweiz

Dieter Spiess: „Ein Zusammenstehen ist spürbar“

Dieter Spiess, Ehrenpräsident schuhschweiz. (Foto: Fotolabor Spiess AG Liestal)
Dieter Spiess, Ehrenpräsident schuhschweiz. (Foto: Fotolabor Spiess AG Liestal)

Dieter Spiess, Ehrenpräsident des Verbands „Schuhschweiz“ erlebt eine Branche im Krisenmodus. Aber er ist davon überzeugt, dass die derzeitige Situation auch viele Chancen bietet. Ein Interview.

schuhkurier: Herr Spiess, was bedeutet die Corona-Krise für die Schuhhändler in der Schweiz?


Dieter Spiess: Grundsätzlich denselben Schicksalsschlag wie für alle Schuhhändler. Mit dem 16. März 2020, als schweizweit der Notstand ausgerufen wurde und die Schuh- und Textilgeschäfte alle Verkaufspunkte schließen mussten, war es, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Frühjahrsware steht in den Geschäften, Saisoneröffnungen mussten abgesagt werden, Verkaufspersonal ist arbeitslos, wenn auch weiterhin angestellt, und Mietzinse können teilweise gestundet werden. Jetzt stehen wir in der dritten Woche. Es wird uns allen bewusst, wie groß der Schaden sein wird. Obwohl die Eidgenossenschschaft über die jeweiligen Hausbanken den Unternehmungen mit zinslosen Darlehen unter die Arme greift, darf nur von momentaner Schadensbegrenzung gesprochen werden. Diese Darlehen müssen innerhalb von fünf bis sieben Jahren zurückbezahlt werden.
Auch wenn allseits gehofft wird, dass ab Ende April eine gewisse Normalität zurückkehrt: Die Schuhhändler können ihre Saisonware kaum zu normalen Preisen absetzen. 2020 wird ein sehr schwieriges Jahr, auch für den Schuhhandel. Es wird erwartet, dass die Konsumentenstimmung ebenfalls auf einem Tiefpunkt angelangt ist. Nach dem April 2020 wird es für uns alle nicht mehr sein wie vor der Pandemie. Es werden weitere Schuhgeschäfte aus dem Markt scheiden.

 

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der Industrie derzeit?


Die Industrie zeigt sich mit ganz wenigen Ausnahmen von ihrer besten Seite: Verlängerung der Zahlungstermine, Lieferstopp und große Gesprächsbereitschaft. Ein Zusammenstehen ist spürbar.

 

Wo liegen Chancen trotz der derzeit hochproblematischen Situation?


Wenn in dieser „kriegsähnlichen“ Situation die Wirtschaftsplayer näher zusammenrücken und sich gegenseitig wieder besser respektieren, dann bieten sich aus dieser Krise auch wieder Chancen. Die verschiedenen Absatzkanäle bekommen wieder mehr Bedeutung. Der aus meiner Sicht zugenommene Protektionismus von verschiedenen Sportschuhherstellern wird hoffentlich korrigiert. Es ist zu hoffen, dass auch der Konsument die aktuelle Situation nicht gleich wieder vergisst, sondern in Zukunft beim stationären Schuhhandel seine Einkäufe wieder vermehrt tätigt, damit dieser überleben kann.

 

Wie wird Corona die Schuhbranche verändern?

 

Auch nach Corona schwingt dieser „Schock“ bei allen Menschen weiter mit. Das wird auch innerhalb der Schuhbranche nicht anders sein. Niemand weiß genau, wie sich Corona auf die kurzfristige Arbeitslosigkeit und das Wirtschaftswachstum auswirken wird.
Europa kommt in eine Bestätigungsphase. Die Schuhbranche wird sich die Produktionsstandorte überlegen müssen. Man wird versuchen, die Abhängigkeit von anderen Kontinenten zu reduzieren.

 
Petra Steinke / 06.04.2020 - 11:15 Uhr

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