Interview

Drei Fragen an: Maike Blankenstein

Maike Blankenstein (Foto: Kavat)
Maike Blankenstein (Foto: Kavat)

Schweden verfolgt im Gegensatz zum Rest von Europa einen differenzierten Umgang mit dem Corona-Virus. schuhkurier fragt bei Kavat nach, wie sich die Situation auf das schwedische Schuhunternehmen auswirkt. Drei Fragen an: Maike Blankenstein.

Frau Blankenstein, welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Arbeit von Karat in Schweden und in Deutschland?

In Deutschland merken wir eine große Verunsicherung, zum Teil große Existenzängste bei unseren Partnern. Die Unsicherheit, wie sich die Krise weiterentwickelt ist groß. Das äußert sich in dem Wunsch, bereits bestellte, zum Teil versandfertige, Ware zu stornieren oder Zahlungsfristen zu verlängern. Eine ähnliche Tendenz und wirtschaftliche Unsicherheit macht sich auch in Schweden bemerkbar, auch wenn der Shutdown hier noch nicht veranlasst wurde. Wir arbeiten daran, unseren Kunden gute Lösungen zu bieten, möchten aber auch noch einmal betonen, dass die Wertschöpfungskette bei uns nicht aufhört. Wir haben großes Verständnis für die Herausforderungen, mit denen Händler aktuell zu kämpfen haben, möchten aber auch ansprechen, dass Stornierungen nicht die Lösung sein können. Der Trickle-Down-Effekt ist immens und wird dadurch das ganze System in den Grundfesten erschüttern – was es letztendlich schwieriger macht, nach dem Ende der Krise (und das wird kommen!) zu agieren. Wir hoffen sehr, dass der Staat und das Finanzwesen gute und vor allem schnelle finanzielle Lösungen anbietet/ bestehende Hilfen dementsprechend optimiert, um den Cashflow sicherzustellen.
 

Erwartet Kavat Produktionsausfälle oder Verzögerungen?

Noch ist es zu früh, das zu sagen. Wir arbeiten hart daran, die Produktion der kommenden Herbst/ Winter-Kollektion planmäßig durchzuführen, trotz immenser Herausforderungen. Natürlich gibt es Lieferengpässe, insbesondere was Rohstoffe aus Italien betrifft. Daneben führen die diversen Grenzschließungen zu Problemen im Sourcing. Unsere Fabrik in Bosnien hat aktuell den gewohnten Betriebsurlaub zwischen den Kollektionen, wann und ob die Produktion für Herbst/ Winter (planmäßig nächste Woche) starten kann, hängt von den kommenden Entwicklungen sowie den Entscheidungen der bosnischen Behörden ab. Wir sind aber weiterhin optimistisch und haben aktuell noch Material genug, um anderthalb bis zwei Monate normal weiter produzieren zu können.

 

Was wird sich durch Corona für die Branche langfristig ändern und wo sieht Kavat sich dabei?

Wir sind überzeugt, dass Corona die Branche langfristig auf den Kopf stellen wird. Zum einen werden nicht alle Marken und Händler diese Krise überstehen, das ändert bereits einiges und hat selbstverständlich großen Einfluss darauf, wie und wo wir zukünftig unsere Schuhe verkaufen. Abgesehen von den gravierenden negativen Auswirkungen, sehen wir aber auch viele Chancen in der aktuellen Krise, unter anderem eine Rückbesinnung auf Werte wie Liebe, Gesundheit, Einfachheit und Tradition. Einen Wandel weg vom Irrsinn der Fast Fashion, von immer mehr und immer neuer, hin zu Qualität, Beständigkeit und Umweltfreundlichkeit. Menschen beginnen wieder, sich Gedanken um soziale Themen zu machen, bewusster zu konsumieren. Dies sind Werte und Gewohnheiten, die wir bei Kavat seit Jahrzehnten leben. Entsprechend sind wir optimistisch und sehen in dieser Krise auch die Möglichkeit, eine nachhaltigere und sozialere Welt und insbesondere Wirtschaft zu schaffen.

Laura Klesper / 26.03.2020 - 15:00 Uhr

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