Interview

Drei Fragen an: Ralph Leibbrand

Susi und Ralph Leibbrand leiten das Fachgeschäft Leder Horn in Landau. (Foto: LederHorn / Robach)
Susi und Ralph Leibbrand leiten das Fachgeschäft Leder Horn in Landau. (Foto: LederHorn / Robach)

Die Lederwarenhändler Susi und Ralph Leibbrand betreiben neben ihrem Stammhaus Leder Horn in Landau neun Filialen zwischen Karlsruhe und Wiesbaden. Wie empfinden sie die aktuelle Situation?

Die Liquidität ist die größte Herausforderung für alle Händler. Bei vielen drängt vor allem die Zeit. Wie kommt Ihr aktuell zurecht? Habt Ihr einen Kredit beantragt? Und wenn ja, wann soll das Geld fließen?

Ralph Leibbrand: Auch für uns ist die Liquidität eine große Herausforderung. Die Grenze für die Soforthilfe liegt in Rheinland-Pfalz bei 30 Mitarbeitern. Wir haben aber in Vollzeitstellen gerechnet 39 Mitarbeiter. Wir haben also einfach zu viel Personal. Das Land Rheinland-Pfalz bestraft uns somit für den Fleiß der Vergangenheit. Das muss man sich durchaus auf der Zunge zergehen lassen. Ich fände es daher fair, wenn sich der Staat an den Sozialabgaben beteiligt bzw. diese übernimmt, weil deren Höhe von der Anzahl (auf Vollzeit umgerechnet) der Mitarbeiter abhängt. Und keiner will, dass Arbeitsplätze verloren gehen.

Wir haben noch keinen Kredit beantragt. Die Bank erwartet neben der 90%igen Staatsgarantie eine gesamtschuldnerische Bürgschaft. Das wird in der Öffentlichkeit oft nicht gesehen. Die Staatsgarantie bedeutet nur, dass die Bank überhaupt in Erwägung zieht, uns einen Kredit zu geben. Denn keine Bank verleiht Geld an einen Kunden, dessen Geschäftsmodell auf absehbare Zeit nichts erwirtschaftet.

Am 18. März stellten wir einen Antrag auf Kurzarbeit. Noch haben wir aber nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten.

Über unsere Zukunft entscheidet daher die Situation zum nächsten Monatswechsel am 1. Mai.
 

 

Was erhofft bzw. erwartet Ihr in der aktuellen Situation von Euren Lieferanten?

Leibbrand: Die Möglichkeit, Vororderaufträge zu kürzen und die noch kommende modische Ware um 30% zu rabattieren. Es muss allen klar sein, dass es beim Öffnen der Geschäfte zu einer Rabattschlacht und zu einem deutlichen Umsatzeinbruch kommen wird. Das können wir nicht alleine schultern.

In diesem Zusammenhang lernen wir gerade aber auch wieder die Bedeutung unseres Einkaufverbandes Assima zu schätzen! Das bezieht sich sowohl auf den Informationsfluss zu den Lieferanten wie die betriebswirtschaftliche Unterstützung.

 

Die Geschäfte sind zu. Wie versucht Ihr mit euren Kunden in Kontakt zu bleiben? 

Leibbrand: Mit den Spaziergängern kommunizieren wir über das Schaufenster. Es wird alle 14 Tage neu dekoriert, der Warendruck ist etwas höher, und es hängen für die „Unterstützer“ Schilder an den Fenstern, wie sie mit uns Kontakt aufnehmen können. Ebenfalls kommunizieren wir über unsere Homepage und Facebook mit den Kunden. Gerade vor Ostern möchten viele noch die Schulranzenwünsche der Kinder erfüllen. Wir bieten den Versand wie auch die kontaktlose Lieferung an. In vielen Städten gibt es neu geschaffene lokale Plattformen, welche wir alle nutzen.
 

Tobias Kurtz / 02.04.2020 - 15:10 Uhr

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