Interview

Drei Fragen an: Thomas und Marlies Hüser

Mitarbeiterin Helga Kötting präsentiert ein Schuhmodell per Videochat. (Foto: Schuhhaus Hölscher)
Mitarbeiterin Helga Kötting präsentiert ein Schuhmodell per Videochat. (Foto: Schuhhaus Hölscher)

Nach der Schließung kam die Schockstarre. Zwei Tage später war für Thomas und Marlies Hüser (Schuhhaus Hölscher) klar: nur mit Innovationen überstehen wir die kommenden Wochen. Eine Retrospektive mit Ausblick in die Zukunft.

Herr und Frau Hüser, was war Ihre erste Reaktion auf die Geschäftsschließungen?

Wir sind ehrlicherweise für zwei Tage in eine Schockstarre gefallen. Im Dezember hatten wir uns noch scherzhaft darüber unterhalten, dass – sollte das Virus nach Europa kommen – wir mitten in der Saison getroffen wären. Und so ist es dann gekommen. Nach dem ersten Schock sind wir aber schnell aktiv geworden, haben uns mit unseren Mitarbeitern abgestimmt. Da ging es dann um eine rasche Ideenfindung, wie wir die Kunden mit der Ware versorgen können. Immerhin besteht nun im Frühjahr ein Bedarf an Schuhen für Kinder. Eine der schnellsten Neuerungen war, dass wir uns alle zusammen via Videochat miteinander austauschen. Das hätte vor Corona Ewigkeiten in der Einführung gebraucht. Nun hatten wir es nach einem Tag. Unser Team hat zunächst Überstunden abgebaut, aber inzwischen haben wir eine große Nachfrage, so dass ein paar wenige Mitarbeiter wieder ins Geschäft kommen.

 

Wie gehen Sie mit der Situation nun um?

Wir haben unseren Service ausgebaut. Unser Webshop war schon immer unser Schaufenster für Kunden, die nicht persönlich vorbeikommen können. Dazu haben wir unser tatsächliches Schaufenster mit Nummern ausgestattet, so das Kunden uns die Nummer zum Schuh nennen und wir dann weitere Schritte veranlassen können. Außerdem bedienen wir unsere Kunden inzwischen per Videochat. Dazu gehen wir mit den Kunden am Telefon durch den Laden, zeigen die Ware, erklären die einzelnen Modelle. Auch helfen wir unseren Kunden dabei, die richtige Größe zu ermitteln. Die Kunden geben die Länge der Kinderfüße in Zentimeter durch und wir berechnen die Größe und beachten die Größenunterschiede der Marken. Wir machen das in zwei Teams, die streng voneinander getrennt sind, um einer Ansteckung vorzubeugen. Das wäre ein Horrorszenario: Wir dürfen wieder öffnen, befinden uns aber alle in Quarantäne. Insgesamt haben wir in den letzten Wochen eine starke Solidarität und Rückbesinnung auf den Einzelhandel gespürt. Wir hoffen natürlich, dass das auch nach Corona anhält. Aber auch unter Kollegen ist der Zusammenhalt spürbar stärker geworden. Wir stehen nun in Kontakt mit vielen anderen Schuhhändlern und dieser Austausch ist sehr viel wert.

 

Welche Perspektiven ergeben sich da für die Zukunft?

Wir sind momentan noch unschlüssig, welche unserer Neuerungen mit in die Zeit „danach“ genommen werden. Es geht ja darum, dass es auch sinnvoll sein muss. Die Videoberatung könnte beispielsweise dazu genutzt werden, zukünftig auch Eltern anzusprechen, die etwas weiter weg wohnen. Auch bei unserem Lieferservice werden wir überlegen, ob man ihn nicht beibehalten kann. Insgesamt sind wir aber zuversichtlich, dass die Menschen nach Corona Lust haben, sich etwas zu gönnen und somit das Geschäft wieder ordentlich anläuft. Vorstellbar wäre, zunächst festgelegte Termine zu veranstalten, um den Kontakt schrittweise hochzufahren. Wir sind uns aber sicher, dass wir die Krise meistern und das Positive daraus in unser zukünftiges Handeln mitnehmen können.

 
Laura Klesper / 02.04.2020 - 14:19 Uhr

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