Italienischer Schuhhersteller

Elena Terrin: „Wir sind dankbar für die große Solidarität“

Unternehmerin Elena Terrin (Foto: Donna Carolina)
Unternehmerin Elena Terrin (Foto: Donna Carolina)

Der Schuhhersteller Donna Carolina kämpft mit der problematischen Situation in Italien und Europa. Firmenchefin Elena Terrin will optimistisch bleiben. Ein Interview. 

schuhkurier: Frau Terrin, wie geht es Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Mitarbeitern?

Elena Terrin: Wir sind alle gesund. Dafür bin ich sehr dankbar. Die Situation ist sehr kompliziert in Italien. Alles hat sich verändert. Die Stimmung in unseren Städten ist gespenstisch.

 

Der Shutdown inklusive Schließung nahezu aller Produktion soll bis zum 3. April aufrechterhalten bleiben. Halten Sie das für realistisch?

Ich glaube nicht, dass sich die Situation am 3. April deutlich entspannen wird. Vielmehr fürchte ich, das Ganze wird länger dauern. Die Schulen in Italien sind bereits seit sechs Wochen geschlossen. Das war anfangs auch nur für zwei Wochen vorgesehen.  

 

Warum ist Italien so stark von der Corona-Pandemie betroffen?

Das hat sicherlich viele Gründe und es wird intensiv darüber diskutiert. Ich denke, es liegt an mangelnden Investitionen in das italienische Gesundheitssystem, vielleicht auch daran, dass die Behörden sehr spät reagiert haben.

 

Wie gehen Sie mit der Situation um, dass in Italien derzeit keine Schuhproduktion möglich ist?

Wir hatten glücklicherweise Zeit, uns auf diese Situation vorzubereiten, und sind gut organisiert. Alle Mitarbeiter im administrativen Bereich arbeiten von zuhause, auch die Modellabteilung. Das funktioniert mit CAD sehr gut. Einmal pro Woche organisieren wir eine Konferenz, um uns über alle aktuellen Themen abzustimmen. Die Produktion in Italien ruht. Aber wir haben auch Produktion in Osteuropa, über die wir vieles auffangen können und wo für H/W gefertigt wird. Ein Problem sind natürlich die Materialien und Komponenten. Wir haben zwar frühzeitig alles bestellt, aber dann im Zuge der Krise nicht alles geliefert bekommen. Vorerst haben wir ausreichend Material, aber irgendwann sind wir auch hier am Limit. Und keiner weiß derzeit, wie lange die Situation noch anhalten wird.

 

Nach Italien sind weitere Länder in Europa von der Krise betroffen. Inwieweit hat das die Situation für Ihr Unternehmen verändert?

Das lässt sich gut an einem Beispiel festmachen: Unsere Sommerware ist seit zwei Wochen fertig und befindet sich in einem Lager in Bozen. Nur sind ja jetzt die Geschäfte z.B. in Deutschland geschlossen. Wir bekommen die Ware also nicht aus dem Lager heraus.

 

Wie nehmen Sie die Stimmung bei Ihren Kunden und Geschäftspartnern wahr?

Ich muss sagen, ich erlebe viel Solidarität. Als die Corona-Krise in Italien ihren Lauf nahm, haben sich viele Kunden bei mir gemeldet und sehr positiv reagiert. Es gab viel Verständnis und Unterstützung – und kaum Stornos. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Dass jetzt die Läden auch in anderen Ländern geschlossen sind, ist natürlich eine zusätzliche Verschärfung der Situation. Ich bin umso mehr dankbar für jede bezahlte Rechnung und jeden nicht stornierten Auftrag. Wir werden uns für jede Solidarität revanchieren. Ich hoffe, dass wir diese Situation gemeinsam meistern und sich alles bald wieder normalisiert. 

Petra Steinke / 26.03.2020 - 11:57 Uhr

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