Messe am Gardasee

Expo Riva Schuh veranstaltet Live Talk mit Schuhexperten

Digitale Diskussionsrunde der Expo Riva Schuh am 22. Juli 2020 (v.l.n.r.): Claudio Alessi/Bata, Joao Maia/Appicaps, Leticia Sperb Masselli/Abicalcados. (Screenshot: Redaktion)
Digitale Diskussionsrunde der Expo Riva Schuh am 22. Juli 2020 (v.l.n.r.): Claudio Alessi/Bata, Joao Maia/Appicaps, Leticia Sperb Masselli/Abicalcados. (Screenshot: Redaktion)

Den Auftakt zu einer Reihe von digitalen Events bildete am 22. Juli der Live Talk „The Covid Storm: from difficulties to relaunch“. Internationale Vertreter der Schuhbranche nahmen an der Diskussionsrunde teil.

Am Anfang kamen Zahlen. Joao Maia, Geschäftsführer des portugiesischen Schuhhersteller-Verbandes Apiccaps, schilderte die Entwicklung der internationalen Schuhbranche. So seien die Preise für Schuhe in den letzten zehn Jahren um 23% gestiegen, vor allem auch für Produkte aus China, unter anderem durch steigende Lohnkosten. Dies habe zu einem Rückgang der chinesischen Schuhproduktion um etwa 10% im Zeitraum von zehn Jahren geführt. Leder ist nach wie vor ein wichtiges Material in der Schuhproduktion, laut Apiccaps jedoch von rückläufiger Bedeutung. Der Anteil von textilen Materialien nimmt in der Schuhproduktion dagegen zu.

Laut Apiccaps ist der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Schuhbranche enorm. So seien die Schuhverkäufe in Europa in den zurückliegenden Monaten um 27% eingebrochen, in Nordamerika um 22% und in Asien um 20%. Weltweit sanken die Verkäufe um 22,5%. Auch auf die Prozesse in der Schuhindustrie hat die Krise enormen Einfluss. So planen 42% der von Apiccaps befragten Unternehmen der Branche, ihre Supply Chain aufgrund der Krise zu diversifizieren. 39% geben an, die Supply Chain verkürzen zu wollen. Nur 19% gehen davon aus, dass sich in diesem Bereich nichts ändern wird. In eindrucksvollen Grafiken zeigte Joao Maia.

Li Yuzhong, Geschäftsführer von CLIA (Chinese Leather Industry Association), erklärte, man habe durch die Krise erhebliche Einbußen erlitten. So sei die Schuhproduktion im Februar um durchschnittlich 50% zurückgegangen. Einige kleinere Unternehmen hätten bis zu -80% hinnehmen müssen. Derzeit habe man wieder 70% des Vor-Corona-Niveaus erreicht, so Yuzhong. Auch aus Indien kommen positive Signale. Man sei sehr zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft deutlich und schnell erholen werde, so Aqeel Ahmed Panaruna, Geschäftsführer des CLE (Council for Leather Exports) aus Indien. Man habe zwar erheblich unter Stornierungen von Aufträgen gelitten; allein im Mai/Juni seien die Kapazitäten nur zu 60% im Vergleich zum Vorjahr ausgeschöpft worden. Es sei in Indien aber gelungen, mit Teil-Lockdowns die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern – das Schuhbusiness werde „zurückkehren“, so Panaruna.

Leticia Sperb Masselli, Geschäftsführerin des brasilianischen „Footwear Project“, erklärte, dass vor allem der März für die Branche herausfordernd gewesen sei. Bereits im Juni aber seien positive Signale sichtbar. Brasilien könne die Krise dazu nutzen, sich als Alternative für das Sourcing zu positionieren, so Sperb Masselli.

Auch die Handelsseite kam in der Diskussionsrunde zu Wort. So erklärte Claudio Alessi, Präsident von Bata Europe, wie das Unternehmen den Lockdown erlebte. Während stationär nichts mehr ging, habe sich der E-Commerce-Sektor gut entwickelt. Aktuell sei man noch nicht auf Vorjahresniveau; das Business aber kehre zurück. Nach wie vor besonders betroffen seien Metropolen, die traditionell stark von Touristen frequentiert werden. Auch große Einkaufscenter sowie Kommunen und Stadtteile mit viel Bürofläche seien nach wie vor problematisch.

Für den SABU skizzierte Stephan Krug, wie die Verbundgruppe die Krise auch als Chance sehen will: Eine gute Lösung sei ein neuer Saisonrhythmus, der sich dem tatsächlichen Jahreszeitenverlauf annähere. So könnten Sale-Phasen verkürzt und der Ertrag aller Branchenteilnehmer verbessert werden, so Krug. 

Die Expo Riva Schuh plant weitere digitale Talks: Am 29. September soll der Einzelhandel im Fokus stehen; am 10. November soll es um Zukunftskonzepte der Industrie gehen. 

 
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Petra Steinke / 23.07.2020 - 09:15 Uhr

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