Konsum in der Corona-Krise

„Fashion hat es schwer“

Sebastian Buggert (Foto: Rheingold Institut)
Sebastian Buggert (Foto: Rheingold Institut)

Wie entwickelt sich der Konsum? Wie nachhaltig ist „Shop local“? Fragen an Sebastian Buggert, Geschäftsführer des Rheingold-Institut in Köln.

Die aktuellen Aussagen zum Konsumverhalten nach der Corona-Krise sind sehr unterschiedlich. Was erwarten Sie?

Die Corona-Krise beeinflusst den Konsum auf zwei Ebenen. Zum einen sind die Menschen mit einer unberechenbaren Gefahr konfrontiert, was die Einkaufstimmung belastet. Unbeschwertes Shoppen, was online theoretisch möglich wäre, fällt aktuell schwer. Zum anderen setzt bei vielen angesichts der existenziellen Bedrohung ein Rückzug in den privaten Kreis und eine Besinnung auf das persönlich Wesentliche ein. In unseren Interviews hören wir aktuell häufig, dass die Menschen nun spüren, was ihnen wichtig ist oder bewahren wollen. Der Wunsch nach Veränderung, sich neu zu erfinden oder neu auszustatten ist dann nicht top of mind.

Sollten größere Anschaffungen vor dem Hintergrund der Krise zurückgestellt werden, könnte dies positiv für den Mode- und Schuhhandel sein, oder?

Fashion hat es aktuell grundsätzlich schwer, weil die Menschen wenig außenorientiert unterwegs sind, faktisch und emotional. Zudem sind die Kollektionen und die Kommunikation noch auf die Zeit vor Corona ausgerichtet und treffen daher nur bedingt die Bedürfnisse der Kunden heute.

Erwarten Sie durch die aktuelle Situation eine dauerhafte Stärkung des Onlinehandels?

Der Online-Handel wird dadurch gestärkt, dass sich nun noch mehr Verbraucher mit der Option des Online-Handels vertraut machen und diese dann auch nach dem Lockdown nutzen werden. Das Bedürfnis nach analogen Einkaufserlebnissen wird sicherlich weiterbestehen, aber ob und inwieweit die Menschen in den stationären Handel zurückkehren werden, hängt von der weiteren Entwicklung der Krise und der Frage ab, wie sehr sozialer Kontakt in Zukunft als Bedrohung bewertet wird.

Es gibt derzeit viele „Shop local" Aktionen, um den Handel vor Ort zu stärken - handelt es sich dabei um einen nachhaltigen Trend?

Shop local macht aktuell Sinn und passt gut zum Trend der Besinnung. Es ist allerdings die Frage wie und inwieweit sich das auf den Mode- und Schuhhandel auswirken wird.

Wie lange wird der Coronavirus den Einzelhandel in Deutschland prägen?

Corona wird weitreichende Folgen haben, langfristig, unsere Kultur, unsere Einstellungen und Wertsetzungen verändern. Wenn sich die Besinnung auf Wesentliches, auf weniger statt mehr oder alles fortführt, hat auch der Einzelhandel Chancen, neu zu punkten. Qualität, Nähe, Vertrauenswürdigkeit, Transparenz sind Werte, die der Einzelhandel gut besetzen kann. Wir rücken alle näher zusammen, der Handel könnte enger mit regionalen Produzenten und vielleicht auch seinen Kunden kollaborieren. Der Handel als Interessensgemeinschaft wäre eine interessante Vision.

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Helge Neumann / 06.05.2020 - 09:45 Uhr

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