Schuhhersteller aus Franken

Finn Comfort will auf Nachhaltigkeit setzen

Finn Comfort-Modelle in sommerlichen Farben (Foto: Finn Comfort)
Finn Comfort-Modelle in sommerlichen Farben (Foto: Finn Comfort)

Der fränkische Schuhhersteller Finn Comfort will sich stärker in Richtung Nachhaltigkeit orientieren. schuhkurier sprach mit Geschäftsführer Ralph Wolter.

Herr Wolter, Nachhaltigkeit ist ein Thema von großer Bedeutung, gerade auch in der Schuhbranche. Glauben Sie, dass die Corona-Krise hier einen Einfluss
hat und dass sich künftig noch mehr Menschen für nachhaltige Produkte interessieren?

Ralph Wolter: Die Covid-19-Pandemie weckt sicherlich bei vielen Konsumenten das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit und Gesundheit, was das Verbraucherverhalten voraussichtlich dauerhaft verändern wird. Nachhaltige strukturelle Verschiebungen werden in unserer Branche nicht auszuschließen sein.

 

Ist das Sourcing, was nachhaltige Komponenten betrifft, derzeit schwieriger als sonst?

Weltweite Lieferketten befinden sich im Ausnahmezustand, was die Beschaffung nicht nur nachhaltiger Produkte negativ beeinflusst. Da Finn Comfort jedoch einen hohen Anteil seiner Materialien aus Deutschland oder dem benachbarten Ausland bezieht und in Deutschland produziert, sind wir nicht so sehr davon betroffen.

 

Inwieweit kann Nachhaltigkeit auch einschränkend sein, z.B. bei der Gestaltung von Modellen, bei modischen Themen?

Da Italien besonders stark von der Pandemie betroffen ist und über Wochen die Lieferkette unterbrochen wurde, kann eine Störung der Produktion und Logistik auch bei uns nicht ausgeschlossen werden. Die nächsten Wochen werden Klarheit bringen, wenn alle Fabrikanten wieder ihre Arbeit aufgenommen haben und die Logistik wieder einwandfrei funktioniert. Wir sind sehr optimistisch, dass es uns gelingen wird, die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen. Finn Comfort hat schon sehr früh entsprechende Vorkehrungen getroffen. Unser größtes Augenmerk lag auf der Sicherstellung der Lieferkette und wir haben die Materialbevorratungen erhöht, um weiter produzieren zu können und um die Versorgung des Handels mit Schuhen zu gewährleisten.

 

In der Nachhaltigkeits-Diskussion war zuletzt oft die Rede davon, dass Menschen zwar Nachhaltigkeit wollen, aber nicht unbedingt bereit sind, dafür auch den angemessenen Preis zu bezahlen. Wie sehen Sie das?

Die Gesellschaft wird nach Corona eine andere sein und sich oft in einem Interessenkonflikt befinden. Die Kaufbereitschaft für nachhaltig produzierte Schuhe könnte sinken, da bei vielen Verbrauchern ein großer Nachholbedarf für andere Dinge besteht.

 

Ist Nachhaltigkeit ein Thema für bestimmte Generationen?

Die Klimakrise wird eines der drängendsten Probleme der nächsten Jahre sein. Immer mehr junge Menschen versuchen deshalb, nachhaltiger zu leben, sich vegan zu ernähren. Sie wissen jetzt schon, dass sie nicht mehr so leben können wie ihre Eltern und Großeltern.

 

Welche Rolle spielen vegane Materialien für Finn Comfort? Gehört z.B. veganes Leder für Sie zum Thema Nachhaltigkeit?

Traditionell handelt es sich bei Leder um ein Abfallprodukt der Milch- und Fleischindustrie. Es stellt sich doch die berechtigte Frage, ob dieses Produkt nicht nachhaltiger ist als z.B. vegane Kunststoffe aus Erdöl, die nicht verrotten oder abbaubar sind, die Meere verschmutzen und schädlich für das Tierreich sind. Nicht zuletzt können kleine Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik, und umweltschädliche Stoffe, die im Plastik enthalten sind oder da-rin angereichert werden, über die Fische auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Leder kann nach unserer Meinung durchaus als nachhaltiges Material bezeichnet werden, da hier die Verwertung von sowieso Vorhandenem zum Tragen kommt.
Unsere Kunden fragen das Thema zur Zeit noch nicht besonders stark nach. Andere Materialien werden oft nicht so gut beurteilt wie Leder. Finn Comfort verfolgt die weitere Entwicklung und wird im Sinne der Umwelt, der Kunden und der kommenden Generationen handeln.  

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Petra Steinke / 26.05.2020 - 09:49 Uhr

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