Corona-Krise

Friedrich Werdich: „Wir brauchen Liquidität“

Friedrich Werdich (Foto: Werdich)
Friedrich Werdich (Foto: Werdich)

Der mittelständische Handel finde in der Politik zu wenig Beachtung, sagt Friedrich Werdich im schuhkurier-Interview. Der Werdich-Geschäftsführer fordert einen Mietfonds.

Wie ist die Situation aktuell in Ihrem Unternehmen? Können Sie durch den Onlineshop zumindest einen Teil der fehlenden Umsätze kompensieren oder ist auch online die Nachfrage eingebrochen?

Vorab, wir unterstützen und begrüßen alle Maßnahmen, die dem Erhalt von Menschenleben dienen. Der sehr kurzfristige „Shutdown“ in Baden-Württemberg hat uns aber sehr getroffen. In unseren bayerischen Filialen konnten wir uns zumindest mit etwas Vorlauf auf die behördliche Schließung vorbereiten. Momentan sehen wir online ein normales Bestellvolumen. Es steht außer Frage, dass diese Umsätze in keinster Weise die ausbleibenden Filialumsätze kompensieren können.

Wie bewerten Sie die angekündigten Hilfsmaßnahmen des Staates? Vertrauen Sie darauf, dass die Gelder bei den Unternehmen ankommen?

Das Kurzarbeitergeld ist eine gute Errungenschaft, um unsere Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Unsere Mitarbeiter sind das entscheidende Unterscheidungskriterium vor den Kunden. Leider findet der mittelständische Handel unseres Erachtens zu wenig Beachtung in der Politik. Was wir momentan sehen, sind schnelle, gutgemeinte Darlehen der KFW oder Landesbanken, die aber irgendwann vollständig zurückgeführt werden müssen. Helfen würde uns ein Mietfond, der zumindest einen Teil der laufenden Mietausgaben kompensieren würde.

Was ist für Ihr Unternehmen aktuell das Wichtigste?

Die Krise trifft den modischen Fachhandel zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Der hohe saisonale Wareneingang bedingt bereits einen hohen Liquiditätsabfluss. Der parallel hierzu eingetretene Totalausfall der Einnahmen stellt uns alle auf die Probe. Momentan geht es darum, die Liquidität langfristig sicherzustellen.

Wird es zu einem Händlersterben kommen?

Wir befürchten ja. Das kann sich niemand von uns wünschen. Die Vielfalt an „buntem“ Handel hat unseren Städten und insbesondere der Aufenthaltsqualität gut getan. Uniforme Straßenzüge laden heute niemanden mehr zum Verweilen und Shoppen ein. Unserer Gesellschaft würde ein großes Stück Kulturgut verloren gehen.

Helge Neumann / 26.03.2020 - 11:20 Uhr

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