Warenhauskonzern

Galeria Karstadt Kaufhof beantragt Schutzschirmverfahren

Galeria Karstadt Kaufhof (Foto: Redaktion)
Galeria Karstadt Kaufhof (Foto: Redaktion)

Die Corona-Krise setzt dem Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof massiv zu. Jetzt will das Unternehmen mit Hilfe eines Schutzschirmverfahrens sein Überleben sichern.

Dem Antrag des Unternehmens auf Einleitung eines Verfahrens, das sich auch auf die Tochtergesellschaft Karstadt Sports bezieht, sei vom Amtsgericht Essen stattgegeben worden, teilt das Unternehmen mit.
Die bestehende Geschäftsführung soll im Rahmen des Schutzschirmverfahrens die Kontrolle behalten. Sie wird dabei durch den Restrukturierungsexperten Arndt Geiwitz als Generalbevollmächtigtem unterstützt. Als Sachwalter soll Dr. Frank Kebekus eingesetzt werden.
Miguel Müllenbach, CFO von Galeria Karstadt Kaufhof, erklärt: „Das Schutzschirmverfahren ist der richtige Schritt in die Zukunft. Aus Verantwortung für das Unternehmen, seine Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und auch für die deutschen Innenstädte.“ Ziel des Prozesses sei die Nutzung bestehender rechtlicher Möglichkeiten, um die behördlich angeordneten Filialschließungen und die damit verbundenen hohen Umsatzausfälle ohne massive Neuverschuldung zu bewältigen.

„Die harten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für den innerstädtischen Non-Food-Handel und die langwierige Umsetzung staatlicher Hilfe über die Hausbank haben diesen Schritt notwendig gemacht“, betont das Unternehmen, das bundesweit mehr als 28 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Pro Woche verliert der Konzern nach eigenen Angaben mehr als 80 Mio. Euro seit Beginn der staatlich angeordneten Ladenschließungen. Bis Ende April würde sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren.
Mit Beginn des Shutdown hatte man sich um staatliche Hilfsgelder bemüht. Die Einigung mit den Banken erwies sich jedoch als schwierig. Finanzvorstand Miguel Müllenbach klagt in der Mitteilung des Unternehmens über einen bürokratischen und zeitaufwändigen Prozess. Der Gesellschafter Signa in den letzten Monaten bereits mehr als 500 Mio. Euro investiert. Zusätzlich hat Signa in dieser Woche noch einmal weitere 140 Mio. Euro überwiesen. Zusätzliche Beträge in dreistelliger Millionenhöhe sind zugesagt. 

Zuletzt war bekannt geworden, dass das Unternehmen seinen Vermietern fällige Mietzahlungen streichen wolle. Es bleibe „keine andere Wahl“, schrieb der Konzern am 20. März an seine Vermieter. Von April bis zunächst Juni werde die Miete nicht mehr gezahlt; man behalte sich zudem vor, die schon gezahlte März-Miete und vorausgezahlte Nebenkosten mindestens zur Hälfte zurückzufordern.

 

„Das Unternehmen war de facto schuldenfrei“


Miguel Müllenbach: „Die Sanierung und Zusammenführung der Warenhäuser von Galeria Karstadt Kaufhof war vor dieser Krise auf einem sehr guten Weg. Wir haben uns dieser historischen Aufgabe gestellt und sehr hart daran gearbeitet, dem Warenhaus in der deutschen Innenstadt eine langfristige Zukunft zu geben. Digitalisierung, moderne Logistik, Cross-Channel, neue Sortimentsformate – auf vielen Feldern haben wir in wenigen Monaten enorme Fortschritte erzielt. Unser Unternehmen war durch die Beiträge unseres Gesellschafters de facto schuldenfrei, die eingeleiteten Maßnahmen zeigten Wirkung. Das Unternehmen hatte sich durch den Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof zukunftsfähig neu konstituiert. Für das laufende Geschäftsjahr rechneten wir wieder mit einem Ebitda von mehr als 100 Mio. Euro. Nun tun wir unter dem Schutzschirm alles dafür, dass wir diesen Weg weitergehen können. Das werden wir auch schaffen!“

 
Petra Steinke / 01.04.2020 - 17:04 Uhr

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