Von Dewitz kämpft für Lieferkettengesetz

Grüner Knopf feiert ersten Geburtstag

Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller anlässlich des ersten Geburtstags des „Grüner Knopf“-Siegels. (Foto: Vaude)
Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller anlässlich des ersten Geburtstags des „Grüner Knopf“-Siegels. (Foto: Vaude)

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat anlässlich des ersten Jahrestags des staatlichen Siegels „Grüner Knopf“ den Outdoor-Ausrüster Vaude besucht.

Ein Jahr ist es her, dass der Grüne Knopf als staatliches Siegel für fair und ökologisch nachhaltig produzierte Textilien eingeführt wurde. Seitdem soll dieses Siegel Konsumenten Orientierung bieten, um verantwortungsbewusst einzukaufen. 

„Mittlerweile beteiligen sich 52 Unternehmen, also fast doppelt so viele wie beim Start vor einem Jahr“, berichtete Bundesentwicklungsminister Gerd Müller anlässlich seines Besuchs bei Vaude. Um diesen Erfolg zu feiern, gab es eine Geburtstagstorte im Grünen-Knopf-Design, die von Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz und Gerd Müller gemeinsam angeschnitten wurde. „Wir sind stolz darauf, dass wir zum Start dabei waren und 90 Prozent unserer aktuellen Bekleidung den Grünen Knopf erhalten“, berichtete Antje von Dewitz.

„Ich freue mich sehr, dass Vaude sich mit so viel Herzblut für den Grünen Knopf engagiert. Als Gründungsmitglied des Textilbündnisses war Vaude von Anfang an dabei. Seit einem Jahr tragen die meisten Vaude Produkte den Grünen Knopf. Vaude zeigt, dass es möglich ist, in der Textilindustrie fair, ökologisch und wirtschaftlich zu produzieren und dass es der richtige Weg ist. Davon wollen wir noch viele weitere Unternehmen überzeugen“, so Müller.

Insgesamt müssen für den Grünen Knopf 46 Kriterien erfüllt werden. Neben sozialen und ökologischen Produktkriterien werden auch hohe Anforderungen an die Unternehmen gestellt, das nachweisen müssen, das sie ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht in der Lieferkette nachkommen. 

Obwohl die Krise zu einem Rückgang des Textilkonsums geführt hat, seien im ersten Halbjahr 2020 gut 50 Millionen Artikel mit dem Grünen Knopf verkauft worden. Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Gfk kennen 20 Prozent der Bevölkerung den Grünen Knopf ein Jahr nach der Einführung – da sei ein im Vergleich zu anderen Nachhaltigkeitssiegeln sehr guter Wert. Davon hielten ihn 70 Prozent für vertrauenswürdig. Und nahezu alle Befragten befürworten ein staatliches Siegel zur Überprüfung sozialer und ökologischer Standards (96%). „Der Grüne Knopf ist auf dem besten Wege zu einer Erfolgsgeschichte“, lautet das Fazit der GfK in seiner aktuellen Studie.

 

Müller: „Wir brauchen grundlegenden Wandel“

 

„Die Textil- und Modebranche hat erheblich unter den Auswirkungen der Corona-Krise gelitten. Die Krise hat deutlich gezeigt: Wir brauchen einen grundlegenden Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung. Dies haben auch viele Unternehmen erkannt“, erklärt Minister Müller weiter. „Der Grüne Knopf ist mehr als ein Textilsiegel – er ist unser Zeichen für Verantwortung in der Textil-Lieferkette. Ich bin mir sicher: Gegenüber ihren Kunden und Aktionären werden Unternehmen zunehmend Rechenschaft über ihre Lieferketten ablegen müssen: Kennt das Unternehmen seine Lieferkette, kennt es die Risiken, schafft es Abhilfe, achtet es die Menschenrechte? Genau diese Fragen müssen die Unternehmen auch beim Grünen Knopf beantworten.“ 

 

Gemeinsam für ein Lieferkettengesetz

 

Antje von Dewitz und Gerd Müller kämpfen daher gemeinsam für ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen generell dazu verpflichtet, ihrer Verantwortung in der gesamten globalen Lieferkette nachzukommen. „Es kann nicht sein, dass die Kosten und Risiken einfach ausgelagert werden und uns hier nichts mehr angehen. Der Grüne Knopf zeigt, dass sich unternehmerische Sorgfalt entlang der Lieferkette unabhängig prüfen lässt“, bekräftigt Müller. „Momentan sind Unternehmen, die freiwillig Verantwortung übernehmen, im Wettbewerb benachteiligt. Denn sie haben höhere Kosten und auch mehr Risiken. Durch ein Lieferkettengesetz würden wir notwendige Mindeststandards setzen, die von allen Unternehmen gleichermaßen getragen werden“, fordert Antje von Dewitz.

Weite Teile der Wirtschaft, u.a. die Außenhandelsvereinigung ded Deutschen Einzelhandels (AVE) bewerten das geplante Gesetzvorhaben dagegen kritisch.

 

Grüner Knopf wird weiterentwickelt

 

In der Einführungsphase deckt der Grüne Knopf die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ (Konfektionierung) sowie „Bleichen und Färben“ (Nassprozesse) ab. In den nächsten Jahren soll das Siegel weiterentwickelt und weitere Produktionsstufen berücksichtigen, mit dem Ziel: Schutz von Mensch und Umwelt in der gesamten Lieferkette.

Bereits seit seinem Launch im September 2019 ist der Grüne Knopf ein internationales Siegel. Er entspricht EU- und WTO-Recht, die Prüfungen finden auf Grundlage harmonisierter internationaler Normen statt. Unternehmen aus dem Ausland können den Grünen Knopf ebenfalls beantragen. Um die Markenrechte des Siegels in der Europäischen Union besser zu schützen, wurde beim Europäischen Patentamt die Eintragung als europäische Gewährleistungsmarke beantragt.
 

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Tobias Kurtz / 18.09.2020 - 13:00 Uhr

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