Interview zur Corona-Krise

Günter Althaus: „Noch sind wir mittendrin“

Günter Althaus (Foto: emchoch2)
Günter Althaus (Foto: emchoch2)

Es sei keine Schwarzmalerei, der Realität ins Auge zu schauen, sagt Günter Althaus. schuhkurier sprach mit dem Branchenexperten über die neue Normalität, den Willen zum Überleben und Krisenbewältigung.

Die Umsatzentwicklung im Schuhhandel ist weiterhin deutlich negativ. Muss sich der Handel dauerhaft an diese Zahlen als Teil der „neuen Normalität“ gewöhnen? Oder sehen Sie mittelfristig eine Verbesserung der Lage?

Günter Althaus: Auch Krisen haben ein Verfallsdatum. Und danach wird es wieder aufwärts gehen. Und wie in jeder Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Noch ist es aber viel zu früh, noch sind wir mitten in der Krise. Auch wenn die Nachfrage langsam steigt, die Kosten sind zu hoch, um normale Umsatzrenditen zu erzielen. Noch kämpfen viele mittelständische Einzelhändler mit der Bewältigung der Liquiditätsengpässe und blicken dabei mit großer Sorge auf den drohenden
Abschreibungsbedarf am Jahresende. 
Nur wenige Unternehmer haben schon den Abstand gewonnen, um zurückzublicken und die Erfahrungen aus der Krise zu verarbeiten. Die Mehrzahl der Unternehmer nehmen gerade schmerzlich zur Kenntnis, dass die Finanzierung von Verlusten durch Kredite in der Regel keine nachhaltige Problemlösung darstellt.

 

Befürchten Sie weiterhin eine Insolvenzwelle zum Jahresende? Oder waren ähnliche Prognosen doch eher
Schwarzmalerei?

Es ist keine Schwarzmalerei, wenn man der Realität in die Augen schaut. Eine weitere Insolvenzwelle wird am Jahresende kommen, weil im Rahmen der Bilanzerstellung die Bestände bewertet und Abschreibungen vorgenommen werden müssen. Der Abschreibungsbedarf wird sehr viele mittelständische Einzelhändler an die Grenze ihrer Belastbarkeit führen bzw. sogar überfordern. Auch wenn ich mich wiederhole: Die Entscheidung, Verluste durch KfW-Kredite zu finanzieren, war ein schwerer handwerklicher Konstruktionsfehler. Der mittelständische Einzelhandel braucht dringend ein breitangelegtes Re-Kapitalisierungsprogramm für Eigenmittel. 

 

Die Corona-Krise zehrt an der Substanz des Schuhhandels – wie schätzen Sie die Widerstandsfähigkeit der Branche ein? 

Widerstandsfähigkeit, oder neudeutsch Resilienz, entsteht aus Substanz, Wille und Fähigkeiten. Die Substanz (Kredit-
linien, Eigenkapital) der mittelständischen Einzelhändler ist weitestgehend aufgebraucht, es wurden gigantische Summen an Eigenkapital vernichtet. Bestraft wurden insbesondere die Mittelständler, die in den letzten Jahren Gewinnthesaurierung betrieben und für eine gute Eigenkapitalausstattung gesorgt haben. 
Der Wille zum Überleben ist ungebrochen, aber schwer belastet. Gerade in Unternehmen, die von zwei Generationen geführt werden, kommen jetzt die Fragen nach Schuld und Verantwortung hoch. Waren die unternehmerischen Entscheidungen der vergangenen Jahre richtig? Haben wir uns z.B. mit der Politik der Gewinnthesaurierung oder mit der Entscheidung, private finanzielle Reserven in eigengenutzte Geschäftsgebäude zu investieren, selbst geschadet? Von diesen Fragen gilt es sich jedoch schnell zu lösen, um den Blick nach vorne richten zu können. 
Und Krisenbewältigung bedarf besonderer Fähigkeiten, die in den allermeisten mittelständischen Unternehmen nicht ausgeprägt sind. Mangelndes Wissen um die Möglichkeiten der Restrukturierungsgestaltung und mangelnde
Erfahrung, insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich, im Umgang mit Krisen, lösen existenzbedrohliche Fehlentscheidungen und Fehlverhalten aus. 
 

Das vollständige Interview mit Günter Althaus lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von schuhkurier, als ePaper- oder Print-Version. 

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Petra Steinke / 06.08.2020 - 08:08 Uhr

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