Re-Start nach Corona

Handel startet verhalten

Düsseldorf (Foto: Redaktion)
Düsseldorf (Foto: Redaktion)

Die Geschäftsöffnungen haben nicht für den großen Andrang gesorgt. Einen Tag nach dem Verkaufsstart ziehen Händler und Handelsverband eine erste Bilanz.

„Es gab keinen großen Run, die Kunden haben sehr besonnen agiert.” So fasst HDE-Geschäftsführer Stefan Genth den ersten Verkaufstag nach den Corona-bedingten Geschäftsschließungen im Interview mit dem TV-Sender Phoenix zusammen. Seit dem 20. April dürfen Geschäfte bis 800 qm wieder öffnen. Ein Ansturm auf die Innenstädte sei am ersten Tag jedoch ausgeblieben. So hätten viele Kunden zwar die Möglichkeit genutzt, in den Innenstädten zu flanieren, aber auf die Verkäufe habe es sich nicht niedergeschlagen. Auch von Händlerseite bestätigt sich der maue Start in die Zeit nach dem Shut-Down. Michael Ratter aus Ulm mahnte in der ZDF-Nachrichtensendung „Heute”: „Wir haben vier Wochen Hochsaison verloren, das sind cirka 30% des Umsatzes.” Er befürchte zudem, den verlorenen Umsatz nicht wieder aufholen zu können. Auch in anderen Städten blieb der erwartete Umsatz aus. Ein anonymer Händler berichtete schuhkurier, er habe in seinem Monomarkenstore bis 14 Uhr nur rund 59,95 Euro eingenommen. Ein anderer sprach von 500 Euro bis zum Nachmittag, bei einem normalen durchschnittlichen Umsatz von 7.000 Euro an Montagen.

Schuhhändler Ingo Hänel zeigte sich überrascht von der Nachfrage der Kunden: „Es kommen durchaus Leute. Es ist nicht ’tote Hose‘. Und es fokussiert sich nicht so speziell auf Kinderschuhe, wie ich das erwartet hätte. Es kommen sogar auch ältere Leute. Das Publikum ist sehr gemischt. Und alles läuft sehr geordnet ab.“ Auch Jens Große-Kreul aus Gladbeck zeigte sich zufrieden: „Die vergangenen Wochen waren für uns die Hölle. Schlimmer ging es nicht. Daher waren wir sehr froh, dass wir gestern wieder öffnen konnten – natürlich unter Beachtung hoher Sicherheitsstandards. Wir hatten gut zu tun, aber es war auch nicht zu voll. Die Kunden sind froh, dass mit der Wiedereröffnung der Geschäfte ein Stück Normalität zurück ist. Jeder hat dabei Verständnis für Maßnahmen wie den Spuckschutz an der Kasse oder die Handdesinfektion am Eingang. Gestern hat eigentlich alles reibungslos geklappt.“ Der Berliner Händler Timo Leinweber fasste die Situation dagegen so zusammen: „Je größer die Stadt, desto schlechter die Umsätze.“ 

Der Merziger Händler Erich Lang berichtet von einem positiven Montag. Vor allem seien Kinderschuhe gefragt gewesen. „Das Bedienen war einfacher als als befürchtet, weil die Kunden selbst auf Abstand achten und bei den Kinderschuhen mit Hand anlegen. Leider trägt nur ein Teil der Kunden eine Mundschutzmaske, so dass man beim Bedienen kein so sicheres Gefühl hat.“ Die Nachfrage sei am ersten Tag der Geschäftsöffnungen gut gewesen, wobei die Fraquenz in der Stadt gering war, so der Händler weiter. Kinderschuhe waren gefragt und auch aufgeschobene Verkäufe erledigt. „Insgesamt kann man feststellen, dass die Kunden froh sind, dass die Geschäfte wieder geöffnet haben. Auch möchte man die Händler vor Ort unterstützen.“

Laura Klesper / 21.04.2020 - 10:40 Uhr

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