Corona-Pandemie in der Schweiz

Hansjörg Egli: „Ein Lob für die Lieferanten“

Hansjörg Egli, Geschäftsführer Zusa (Foto: Zusa)
Hansjörg Egli, Geschäftsführer Zusa (Foto: Zusa)

Auch in der Schweiz wurden einschneidende Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beschlossen. Wie geht es dem Schuhhandel dort? Fragen an Hansjörg Egli von der Verbundgruppe Zusa.

schuhkurier: Herr Egli, wie erleben Sie die aktuelle Corona-Krise?


Hansjörg Egli: Niemand war sich wohl zum Zeitpunkt der Micam im Februar bewusst, was für Auswirkungen Tage und Wochen später das Corona-Virus auf die Welt haben würde.
Am Freitag, den 13. März, hat der Schweizer Bundesrat entschieden, sämtliche Schulen zu schließen. Bereits nach diesen sehr einschneidenden Maßnahmen wurde spekuliert, dass es bald soweit sein würde, dass auch die Geschäfte (außer Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen) geschlossen werden, was dann auch am Abend des 16. März beschlossen wurde. In den darauffolgenden zwei Wochen hat der Bundesrat praktisch täglich mittels Medienmitteilungen die Bevölkerung orientiert und Verordnungen erlassen, um die Verbreitung des Covid-19 Virus einzudämmen. Die Anzahl der Erkrankten steigt leider immer noch und der Peak ist noch nicht erreicht. Der Bundesrat lässt seitdem keine Möglichkeit aus und bittet die Bevölkerung täglich darum, wenn immer möglich zu Hause zu bleiben. Grundsätzlich muss man sagen, dass sich ein Großteil der Bevölkerung an die Verordnungen hält.

 

Wie stellt sich die Situation konkret in der Schweiz dar?


Der Bundesrat hat am 16. März 2020 die Situation in der Schweiz zum Schutz der Bevölkerung verschärft und die Schweiz als „außerordentliche Lage“ gemäß Epidemiengesetz eingestuft. Alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe werden bis am 19. April 2020 geschlossen bleiben.
Mit dieser außerordentlichen Lage erhält der Bundesrat die Kompetenz, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um auf die Notlage sofort reagieren zu können. Heute sind wir an einem Punkt, wo wir uns an das Social Distancing halten müssen und Versammlungsverbote ab fünf Personen gelten. Wo immer möglich, wird darauf aufmerksam gemacht, dass ältere Leute ab 65 Jahre und kranke Menschen unbedingt zu Hause bleiben sollen. Eine Ausgangssperre, wie das in Nachbarländern schon seit Tagen der Fall ist, wurde uns noch nicht auferlegt. Der Bundesrat hat dies aber auch noch nicht ausgeschlossen.

 

Wie erhalten die Händler Hilfen?


Der Bundesrat hat reagiert und zwar extrem schnell! Es wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket in der Höhe von über 40 Mrd. Franken zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Ziel der auf verschiedene Zielgruppen ausgerichteten Maßnahmen ist, Entlassungen zu vermeiden, die Beschäftigung zu erhalten, Löhne zu sichern und Selbständige aufzufangen. So konnten die betroffenen Unternehmen Kurzarbeit beantragen. Was normalerweise einige Tage dauert, wurde innerhalb von drei Tagen durch die Kantonalen Amtsstellen der Arbeitslosenversicherungen behandelt und bewilligt. Zudem stützt der Bund Unternehmen mit Überbrückungskrediten. Am letzten Donnerstag erhielten Unternehmer die Möglichkeit, mittels einem einseitigen Formular bei ihrer Hausbank einen Überbrückungskredit in der Höhe von 10% des Jahresumsatzes zu beantragen, zinslos, gebührenfrei und mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Diese Gelder waren binnen einer Stunde auf den Konten der Unternehmer. Der Bund bürgt für diese Kredite zu 100%.

 

Was unternimmt die Zusa konkret?


Natürlich ist auch die Zusa gefordert. Mittels internen Mitteilungen geben wir den Mitgliedern Empfehlungen und wir halten sie auf dem Laufenden, welche Anstrengungen wir für sie in Angriff nehmen werden.
In erster Linie haben wir mit den Lieferanten über Möglichkeiten gesprochen, wie unseren Mitgliedern kurzfristig geholfen werden kann. Hier muss ich praktisch allen Lieferanten ein Lob aussprechen, denn mit Valutaverlängerungen und Lieferstopps ist die finanzielle Entlastung der Zusa-Mitglieder in dieser schwierigen Zeit sehr gut erfolgt. Zudem haben wir unseren verschiedenen Anspruchsgruppen unterschiedliche Zahlungsziele und weitere Unterstützung angeboten. Wichtige Hinweise aus unserer Sicht wie Kurzarbeit anmelden, Vorlagen für Anfragen zum Mieterlass bzw. Stundung, Aufschübe der Akontozahlungen bei den sozialen Einrichtungen, Hinweise über kurzfristig umsetzbare Onlineshops und generelle Empfehlungen werden von den Mitgliedern sehr geschätzt. Ich darf sagen, wir sind derzeit noch viel näher an unseren Mitgliedern als zuvor.

 

Wie wird sich die Krise perspektivisch entwickeln? Wann rechnen Sie mit einem Ende?


Aktuell steigt die Zahl an erkrankten Menschen sowie die Anzahl der Toten täglich an. Eine Abflachung der Kurve ist leider noch nicht in Sicht. Die Experten gehen davon aus, dass der Peak Ende April erreicht sei. Das stimmt natürlich sehr nachdenklich. Unsere Maßnahmen zielen aktuell alle auf den 19. April hin. Wir wollen ab dem 20. April endlich wieder das machen, was uns glücklich macht, nämlich unsere tollen Schuhe an unsere wunderbaren Kunden verkaufen!
Uns ist bewusst, dass es wahrscheinlich nicht mehr so sein wird, wie es einmal war.

 
Petra Steinke / 31.03.2020 - 12:00 Uhr

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