Corona-Krise

HDE und ZIA entwickeln Miet-Verhaltenskodex

Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft (ZIA) haben gemeinsam einen Verhaltenskodex für Mietfragen in der Coronakrise erarbeitet. Zuletzt hatte es immer wieder Kritik aus dem Handel am Verhalten der Vermieter gegeben.

Eine Vielzahl an Einzelhandelsunternehmen sind durch die Corona-Schließungen und die dadurch wegbleibenden Umsätze unmittelbar in Gefahr geraten. Viele Vermieter hielten auch in der Zeit der Schließungen an den vertraglich vereinbarten Mieten fest. HDE und ZIA haben nun gemeinsam Handlungsempfehlungen erarbeitet, um eine angemessene und außergerichtliche Risikoverteilung bei Mietverträgen zu gewährleisten. HDE und ZIA betonen, dass ein uneingeschränktes Festhalten an den vereinbarten Mietverträgen angesichts der bestehenden Ausnahmesituation unangemessen wäre und den Vertragsparteien nicht zugemutet werden könne.

Zur Herbeiführung einer angemessenen Risikoverteilung, die gleichermaßen die mietvertragsbezogene Leistungsfähigkeit von Mietern und Vermietern berücksichtigen soll, ist insbesondere die Reduzierung des Mietzinses in Betracht zu ziehen. Die Höhe der angemessenen Reduzierung ist aber im Einzelfall und abhängig von der individuellen Vertragsgestaltung und dem Umfang der staatlichen Restriktionen zu ermitteln. Beide Seiten haben ein Interesse an der Standortsicherung. Daher sollte insbesondere auch über die Verlängerung der Laufzeit des Mietvertrages gesprochen werden. Für die Gespräche zwischen den Vertragsparteien sollte aber bei den staatlich verfügten Betriebsschließungen für den Regelfall eine Mietreduzierung um 50% als Richtschnur für den Schließungszeitraum und ein geringerer Wert für die folgenden drei Monate dienen.

HDE-Präsident Josef Sanktjohanser zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Der Verhaltenskodex, mit dem sich die Immobilienwirtschaft und der Einzelhandel auf eine Handlungsempfehlung mit dem Ziel einer angemessenen Risikoverteilung und damit einer Mietreduzierung von im Regelfall 50% in den gewerblichen  Mietverhältnissen einigen konnten, ist von großem Wert. Der alternative Klageweg wäre ein wenig geeignetes Mittel, um die besondere Situation im Einzelhandel und in der Immobilienwirtschaft zu sichern. Handel und Immobilienwirtschaft haben ein gemeinsames Interesse an zukunftsfähigen Innenstädten. Bis zu einer gerichtlichen Klärung würden diese voraussichtlich veröden und die Attraktivität der Gewerbeimmobilien empfindlich leiden.

ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner erklärte: „Handel und Immobilienwirtschaft sind eine Schicksalsgemeinschaft. Wir haben beide ein Interesse daran, vorhandene Rechtsunsicherheiten kurzfristig, einvernehmlich und außergerichtlich zu beseitigen. Wir wollen Mieter und Vermieter auffordern, aufeinander zuzugehen. Wichtig ist aber auch, dass wir jetzt alles tun, um dem Handel und damit auch den Eigentümern von Handelsimmobilien wieder zu neuem Schwung zu verhelfen. Daher sind uns verkaufsfördernde Maßnahmen wie eine weitere Flexibilisierung der Öffnungszeiten wichtig.“ Es gehe darum die Funktionsfähigkeit unserer Innenstädte und Kommunen unbedingt zu erhalten. „Ein partnerschaftlicher Umgang der beteiligten Akteure ist hierfür essenziell“, so Mattner weiter. 

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Laura Klesper / 03.06.2020 - 15:11 Uhr

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