Branchengespräch in Frankfurt

HDS/L: „Wir sind weiterhin zuversichtlich“

Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) (Grafik: HDS/L)
Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) (Grafik: HDS/L)

Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) lud Akteure aus Industrie, Handel und dem Messe-Business nach Frankfurt ein, um aktuelle Themen der Branche zu diskutieren. Von Brexit über Covid-19 bis hin Emotionalisierung im Handel und Markenbildung reichte der Gesprächsbogen.

Zu den Teilnehmern des Gesprächs, das am 11. Februar in der Frankfurter Innenstadt stattfand, gehörten Carl-August Seibel (Seibel-Gruppe, HDS/L), Manfred Junkert (HDS/L), Georg Picard (Picard Lederwaren, BLE), Fritz Terbuyken (ANWR), Ulrike Kähler (Gallery Shoes) und Andreas Tepest (Deichmann, CADS).

Auf die Frage, wo derzeit die größten Herausforderungen für die Branche liegen, schilderte der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel die aktuelle „Gefühlslage“ der Schuhhersteller: Wachsender Onlinehandel, umfangreiche Sale-Aktionen, eine insgesamt nachlassende Frequenz und nicht zuletzt ein quasi ausgefallener Winter 2019/20 setzten den Unternehmen derzeit erheblich zu. Auch gehe der Händlerschwund weiter, der klassische Absatzkanal für die Industrie sei erheblich unter Druck. Gleichwohl gab sich Seibel kämpferisch: „Das alles kann uns aber nicht schocken, wir sind weiterhin zuversichtlich.“
Aus Sicht eines Lederwarenherstellers erklärte Georg Picard, dass der Dezember 2019 – der für die Schuhbranche schon sprichwörtlich ins Wasser gefallen war – für die Lederwarenhändler noch sehr gut gelaufen sei. Auch in dieser Branche stelle man aber eine Volumenverschiebung in den Onlinebereich fest, ergänzt um andere Konzepte wie Livestream-Selling oder TV-Selling. Hier seien völlig neue Vertriebswege entstanden, so Picard.

Der Brexit, nun vollzogen, beschäftigt den Industrieverband HDS/L wahrscheinlich in den kommenden Monaten. Denn: „Nachdem wir uns seit drei Jahren mit dem Thema befassen, haben wir nun zwar Gewissheit, wissen aber immer noch nicht viel mehr“, erklärte Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Man erwarte eine Verlängerung der Übergangsfrist bis Ende 2021 und hoffe auf ein Abkommen mit Großbritannien. Aber selbst bei einer solchen Verlängerung sei das Zeitfenster, um ein solches zu erreichen, sehr klein. „Großbritannien ist ein wichtiger Absatzmarkt für die Unternehmen der Schuhbranche. Wenn keine Regelungen geschaffen werden, kann das gravierende Auswirkungen haben“, so Junkert.

Gute Nachrichten seien indes von einem anderen Markt zu vermelden: Der HDS/L-Hauptgeschäftsführer bewertete das Freihandelsabkommen, dass die EU unlängst mit Japan abgeschlossen hat, als Chance auch für die Schuhbranche. Wenig Entspannung gebe es wiederum im Handelskonflikt mit den USA, erklärte Manfred Junkert. Zwar werde der Konflikt vorrangig zwischen den USA und China ausgetragen – jedoch seien deutsche Unternehmen, die in China produzieren, indirekt ebenfalls von Strafzöllen betroffen.

Das neue Corona-Virus, von der WHO nun offiziell unter dem Namen „Covid-19“ geführt, trifft die Schuhbranche ebenfalls erheblich. In einigen betroffenen Regionen seien Produktionsbetriebe auch für deutsche Industrie- und Handelsunternehmen immer noch geschlossen. Das betreffe auch die Zulieferindustrie, erklärte Andreas Tepest von Deichmann. „Wer seinen Beschaffungskanal nicht im Griff hat, wird Probleme bekommen, auch noch mit Blick auf die F/S-Saison“, ergänzte Fritz Terbuyken (ANWR). Da mit Produktionseinschränkungen bis mindestens Anfang März gerechnet wird, sind Alternativen kaum kurzfristig zu aktivieren. Die Produktionskapazitäten in Europa seien limitiert, und selbst wenn anderswo als in China produziert würde, kämen viele Schuh-Komponenten dennoch aus China – und seien nicht oder nur eingeschränkt verfügbar, so Andreas Tepest. Auch seien viele Transportwege noch nicht vollständig nutzbar. Es sei damit zu rechnen, dass man Auswirkungen der Virus-Epidemie noch bis in den Herbst hinein spüren werde.

Einig zeigten sich alle Teilnehmer des Gesprächs in der Frage, dass die Branche mehr Emotionalisierung und modische Innovation brauche. Es sei wünschenswert, dass sich Händler und Einkäufer auf Messen wie der Gallery Shoes auch jenseits der gewohnten Fabrikate umsehen, erklärte Igedo-Geschäftsführerin Ulrike Kähler. Oft seien Einkäufer und Konsumenten sehr weit voneinander entfernt. Der Handel, ergänzte Fritz Terbuyken (ANWR), habe eine „Gatekeeper“-Funktion und könne Trends aufgreifen – oder sie ignorieren. Er wünsche sich mehr Mut, um neue Themen früh aufzugreifen und sie auch kraftvoll am Point of Sale umzusetzen, so Terbuyken.
Unstrittig sei indes, so der ANWR-Vorstand, dass eine hohe Servicequalität erheblich zum Erfolg beiträgt.

Weitere Informationen zur Gesprächsrunde lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 8.

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Petra Steinke / 11.02.2020 - 23:52 Uhr

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