Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Alles anders

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Dass wir noch nicht über den Berg sind, zeigen die erschreckenden Zahlen in einigen unserer Nachbarländer. Wir können nur hoffen und alles dafür tun, dass es nicht noch schlimmer kommt. 

Es ist September, das Jahresende schon in Sicht, und wenn man zurückblickt, möchte man am liebsten glauben, das bislang Erlebte sei möglicherweise doch nur ein böser Traum gewesen. Unsere Branche hat bewegte Wochen und Monate hinter sich. Wir haben emotionale Höhen und Tiefen durchlebt, große Verzweiflung und kleines Glück. Und wir waren und sind aufgefordert, uns an eine neue Normalität zu gewöhnen. Das ist manchmal einfach, vielleicht sogar angenehm, und manchmal ist es brutal schwer. 

Gelernt haben wir, dass online vieles machbar ist. Aber auch, dass es nichts schöneres gibt als die persönliche Begegnung. Menschen, die man lange kennt, in einer Messeumgebung zu treffen, das tut gut, lenkt von den Sorgen ab, ist eine Basis für neue Ideen und zeigt, dass wir alle in einem Boot sitzen.

Umso erschütternder ist es daher, dass die Micam in Mailand vergangenes Wochenende nur ein Schatten ihrer selbst war. Keine 500 Aussteller, nur ein Bruchteil der sonst begrüßten internationalen Besucher. Wer da war, hielt sich auf einem der Messestände auf, um zu arbeiten. Die Stimmung war nicht überall schlecht. Aber die Gänge waren erschreckend leer. Die Veranstalter haben zweifellos aus der Situation das Beste gemacht und an der Idee einer Messe festgehalten. Dem ist Anerkennung zu zollen. Das Beste ist in Corona-Zeiten manchmal nur wenig. Trotzdem gilt das Signal: Es muss weitergehen.

In München hoffen die Organisatoren der Essenz derweil auf ihre Messe. Das ausgefeilte Hygienekonzept soll Ausstellern Besuchern maximale Sicherheit geben – und ja, auch ein Stück ersehnte Normalität widerspiegeln. Aber nicht alles hat man in der Hand. Vieles hängt von Fallzahl-Entwicklungen, Reisebeschränkungen, neuen Verordnungen ab. Das ist vielleicht die härteste Erkenntnis der Corona-Krise: Dass es Situationen gibt, in denen alle gezwungen sind, auf Sicht zu fahren. Dass niemand die pauschale Lösung in der Tasche hat und zugleich jeder betroffen ist. 

Dass wir noch nicht über den Berg sind, zeigen die erschreckenden Zahlen in einigen unserer Nachbarländer. Erneute Lockdowns oder zumindest deutliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens bringen dort den gerade erst einigermaßen angesprungenen Konsummotor erneut zum Stottern. Wir können nur hoffen und alles dafür tun, dass es nicht noch schlimmer kommt. Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen, um so gut wie möglich Normalität zu leben. Normalität in Pandemiezeiten eben. 

Alles ist anders. Und das wird für lange Zeit so bleiben. „Ich entscheide mich jeden Morgen neu, diesen Tag so gut wie möglich zu nutzen“, erklärte mir vor Kurzem eine Bekannte, die ein kleines Unternehmen führt. „Jeder Tag ist ein weiterer Schritt. Irgendwann ist das Schlimmste überstanden. Dahin zu kommen, ist mein Ziel.“

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Helge Neumann / 25.09.2020 - 09:14 Uhr

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