Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Am Ende

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

In Düsseldorf, an der Ecke Schadowstraße/Wehrhahn in der Innenstadt, werden sich Stadtplaner und Immobilienbesitzer demnächst wohl etwas einfallen lassen müssen. Hier stehen gleich drei Häuser des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof auf der Streichliste.

Zwei einander gegenüberliegende Warenhäuser, Karstadt und Kaufhof, dürften, Stand heute, über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Und einen Steinwurf entfernt soll auch Karstadt Sports seine Tore schließen. 

Das wird eine Lücke in diesen Teil der City reißen. Es wird Kundenströme und Frequenzen verändern. Im schlimmsten Fall wird es zu hässlichen Leerständen kommen, und der umliegende Einzelhandel wird es durch diese Entwicklungen nicht leichter haben.

Wenn man ehrlich ist, gehört zur Geschichte auch, dass schon in den zurückliegenden Jahren keine Scharen von Verbrauchern mehr in dieser Gegend unterwegs waren. Die beiden Kaufhäuser waren keine Publikumsmagneten mehr. Wenn man mal reinschaute, dann, weil man aus anderen Gründen in der Ecke war. Oder um die gut sortiere Kurzwarenabteilung von Karstadt zu besuchen, weil es das Segment in dieser Auswahl sonst nirgends mehr in Düsseldorf gibt. Die Kunden haben also längst abgestimmt. Die Entscheidung der Verantwortlichen, diese Häuser in absehbarer Zeit zu schließen, ist aus dieser Perspektive folgerichtig. 

So wie in Düsseldorf verhält es sich mit vielen Städten. Wenn die 62 Standorte von Karstadt und Kaufhof, die auf der vergangene Woche veröffentlichten Streichliste stehen, tatsächlich geschlossen werden, wird das Wunden in Innenstädten schlagen. Vielfach waren die Häuser über Jahrzehnte der Anker am Platz und der Hauptgrund, warum man in die Stadt ging. 

Der E-Commerce-Pionier Stephan Schambach (u.a. Intershop Online) betont im Podcast „Die Stunde Null“: „Die Karstadts dieser Welt, die sind einfach am Ende. Dieses Modell gibt es in zehn Jahren nicht mehr.“ Er begründet das einerseits mit dem Internet und andererseits mit der zunehmenden Zahl markeneigener Stores. Dazwischen, so die Schlussfolgerung, werde der Multimarken-Handel, zu dessen flächenmäßig größten Vertretern Karstadt, Kaufhof & Konsorten gehören, zerrieben und irrelevant. 

Was das für die Fußgängerzonen bedeute, wurde Schambach im Podcast gefragt. Diese würden vielfältiger und wertiger, es würden dort neue Konzepte entstehen, so die Antwort. 

Dass Handel Wandel ist, zeigt sich derzeit in einer nie gekannten Schärfe und Geschwindigkeit. Bis an den 62 betroffenen Standorten von Karstadt und Kaufhof neue, wertige Fußgängerzonen entstanden sind, wird ein langer Weg zu gehen sein. Das wird viel Kraft, Kreativität und kluge Konzepte erfordern – und Geld. Und es wird hoffentlich von Erfolg gekrönt sein.

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Laura Klesper / 24.06.2020 - 09:55 Uhr

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