Kommentar von Helge Neumann

Kommentar: Anstrengung

Helge Neumann (Foto: Redaktion)
Helge Neumann (Foto: Redaktion)

Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen jungen Müttern und Vätern von heute und vorherigen Generationen: Erstere sind in Sneakern aufgewachsen.

Mit Macht hat diese Entwicklung in den zurückliegenden Saisons auch ein Segment unserer Branche erreicht, das sich jahrelang „in Sicherheit“ wähnte. Kinderschuhhändler und -hersteller verwiesen in Gesprächen oftmals gerne auf die offiziellen Geburtenzahlen, aus denen sich doch eindeutig ablesen lasse, wie viele Schuhe künftig verkauft werden könnten. Diese Aussagen dienten in erster Linie der eigenen Beruhigung. Vermittelten sie doch den Eindruck, dass Eltern gar keine andere Wahl hätten, als zu den bewährten Fabrikaten zu greifen. Der tatsächlichen Entwicklung entsprachen sie jedoch nicht. Ein klarer Fall von denkste! Die sichere Bank von einst ist Geschichte. 

Die Zeiten haben sich massiv geändert. Und tun es weiterhin. Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen jungen Müttern und Vätern von heute und vorherigen Generationen: Erstere sind in Sneakern aufgewachsen. Insbesondere die Marken Nike und Adidas spielten eine wichtige Rolle in ihrer modischen und kulturellen Sozialisation. Wer selber jahrelang bevorzugt bei Foot Locker & Co eingekauft hat, für den ist der Weg in die Kinderschuhabteilung des nächstgelegenen Fachgeschäfts durchaus weit. Das spiegelt sich auch in den aktuellen Rankings wider, die das European-Clearing-Center regelmäßig und exklusiv für schuhkurier erstellt. Die Verschiebungen im Kinderschuhsegment lassen sich hier Schwarz auf Weiß ablesen. Zwar geben Ricosta und Superfit weiterhin den Ton an. Insbesondere bei den Großkinderschuhen gewinnen Nike und Adidas jedoch konstant Marktanteile hinzu. In der aktuellen Herbst/Winter-Saison, die in diesen Tagen eher schleppend zu Ende geht, belegen die beiden Sport-Giganten bereits die Plätze drei und vier. 

Besonders bedauerlich erscheint die Situation angesichts der Tatsache, dass der Kinderschuhsektor mit dem WMS-System grundsätzlich über ein starkes Tool verfügt. Die Chancen, die das System zur Sensibilisierung für die Bedeutung von gut gemachten Kinderschuhen bietet, werden jedoch nicht voll ausgeschöpft. Insbesondere im Hinblick auf das Marketing liegt vieles brach. Auf Social Media ist WMS quasi unsichtbar. Dabei ist es höchste Zeit, hier aktiver zu werden, schließlich ist Instagram für viele junge Menschen Inspirations- und Informationsquelle Nummer eins.  

Eine entsprechende Kampagne aber kostet Geld. Geld, das die Industrie bislang lieber in eigene Aktivitäten investiert. 

Die Digitalisierung sorgt für nie da gewesene Herausforderungen. Es ist daher an der Zeit für eine nie da gewesene Anstrengung von allen Beteiligten – gemeinsam.

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Laura Klesper / 05.02.2020 - 09:11 Uhr

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