Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Auf Sicht

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

20 bis 30%. Das ist die Größenordnung, um die viele Händler ihr Ordervolumen für F/S 2021 kürzen wollen. Das ist nachvollziehbar. 

Zu wenig Ware ist in der laufenden Saison abgeflossen – trotz Sale. Und viel zu wenig ist absehbar, wie sich die kommenden Monate und das nächste Jahr entwickeln werden. Kommt eine zweite Welle? Sind wir gar schon mittendrin? Muss – wenn auch nur lokal – ein erneuter Lockdown gefürchtet werden? Kommt ein Impfstoff? Oder haben die Experten recht, die solche Erwartungen vehement dämpfen?

Es ist Vorsicht geboten und ohnehin schwer genug, in diesen Zeiten die Zügel fest in der Hand zu halten. Experimente verbieten sich in einer derart unklaren Situation, in der es, seien wir ehrlich, um die Zukunft  eines jeden Marktteilnehmers geht.

In die Überlegungen zur Order für F/S 2021 muss vor allem der Verbraucher einbezogen werden. Und auch hier ist vieles unklar. Wie werden sich die Menschen im weiteren Verlauf der Pandemie verhalten? Bricht sich nach vielen Monaten im Ausnahmezustand die ungezügelte Kauflust Bahn? Wohl kaum.

Es deutet sich vielmehr an, dass Menschen beim Konsum vorsichtig bleiben werden. Dass sie ihr Geld zusammenhalten müssen und es bewusster ausgeben wollen. Das würde bedeuten, dass beim Kauf von Mode und Schuhen die Bedarfsdeckung noch stärker in den Fokus rückt. Und möglicherweise darüber hinaus auch der Wunsch, ein gutes, besonderes, langlebiges, vielleicht nachhaltiges und individuelles Produkt zu kaufen. „Einfach mal so irgendwas“ shoppen, weil es sich gerade gut anfühlt, das dürfte vorerst der Vergangenheit angehören. Die Prioritäten vieler Menschen haben sich verändert. Ihr Blick auf die Mode auch.

Mit Sorge reagiert verständlicherweise die Industrie auf die im Raum stehenden Orderrückgänge. Wenn der Handel jetzt Zurückhaltung übt, dürfte das im nächsten Jahr für viele Lieferanten zum Problem werden.

Bei aller nachvollziehbaren und vernünftigen Vorsicht sollte jetzt sehr genau abgewogen werden, wo bei der Order gekürzt wird. Denn wer jetzt ausschließlich auf Nummer sicher setzt oder allzu pauschal kürzt, könnte im nächsten Sommer mit einem zu uniformen Sortiment dastehen.

Der Stadtforscher Thomas Krüger warnte vor Kurzem im Spiegel vor einer Verödung der Innenstädte: „Alles ist gleichförmig, überall dasselbe Angebot. Warum sollten die Menschen da noch hingehen?“ Das ist ein Thema für Stadtplaner, betrifft aber auch jeden einzelnen Händler. Es gilt, mit besonderen Produkten und Marken zu überzeugen, eine Haltung zum Ausdruck zu bringen und die Nischen zu identifizieren, in denen sich Kunden „zu Hause“ fühlen. Von allem irgendwas, das dürfte – das muss – endgültig der Vergangenheit angehören.

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Petra Steinke / 06.08.2020 - 08:49 Uhr

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