Kommentar von Helge Neumann

Kommentar: Austausch

Helge Neumann (Foto: Redaktion)
Helge Neumann (Foto: Redaktion)

Was wäre wenn? Wenn es Corona nicht geben würde? Wenn die vergangenen Monate in gewohnten Bahnen verlaufen wären? Wenn eine globale Pandemie unser Leben nicht komplett auf den Kopf gestellt hätte?

Ja, was dann? In unserem Falle wären wir vor knapp zwei Wochen zunächst an den Gardasee gereist, um auf der Expo Riva Schuh Tuchfühlung mit der Branche aufzunehmen, den neuesten Gerüchten nachzugehen und um einen ersten Überblick über die neuen Kollektionen für Frühjahr/Sommer zu gewinnen. Alles verarbeitet, würde dann in Kürze die Reise nach Berlin anstehen, wo die deutsche Modebranche seit zwei Jahrzehnten die neue Saison einläutet. Bisschen Business, bisschen Party. Diesmal zwar ohne Panorama, aber Premium, Seek und Neonyt hätten sicherlich auch als Trio ausreichend Neues zu bieten. Hätte, wäre, wenn. Oder, um es mit Lothar Matthäus zu sagen: „Wäre, wäre – Fahrradkette.“

In dieser Saison ist alles anders. Das zeigt das Beispiel Sprint Order. Angesichts der Verwerfungen in unserer Branche haben ANWR und SABU unkompliziert zusammengefunden, um gemeinsam ein digitales Order-Tool zu entwickeln. Ohne langwierige Abstimmungsprozesse, das große Ganze im Blick. Seit wenigen Wochen ist die Plattform, über die alle Vor- und Nachorderprozesse digital ausgeführt werden können, live. Ausdrücklich betonen Stephan Krug und Tobias Eichmeier im Gespräch mit schuhkurier, dass Sprint Order physische Messen nicht ersetzen soll. Es geht den Verantwortlichen in Mainhausen und Heilbronn vielmehr um ein ergänzendes digitales Angebot, das die Effizienz im Orderprozess steigern soll. „Messen bleiben für die Schuhcommunity als Branchentreff und hochrelevanter Informationsaustausch ein wichtiger Bestandteil“, sagt Tobias Eichmeier. Und das völlig zu Recht.

Die Corona-Krise hat unter anderem dazu geführt, dass viele Prozesse, die sich über Jahrzehnte verfestigt haben, hinterfragt werden. Und in der Tat sollte sich in der Branche vieles ändern, das gebietet bereits der zunehmende Wunsch vieler Kunden nach mehr Nachhaltigkeit. Aber: Das „Modell Messen“ gehört nicht dazu. Ohne Innovationen kann der modische Schuhhandel nicht erfolgreich sein. Kleine, feine Labels und spannende Newcomer sind das Salz in der Suppe. Das gilt ganz besonders mit Blick auf die Saison Frühjahr/Sommer 2021, in der trotz knapper Einkaufsbudgets mehr denn je frische Impulse gesetzt werden müssen. Per Mausklick lassen sich diese jedoch nur schwerlich entdecken. Wir brauchen Plattformen der Begegnung und des Austauschs. Trotz Corona.

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Laura Klesper / 30.06.2020 - 09:14 Uhr

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