Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Chancen

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Diese Branche hat im Angesicht der Corona-Pandemie eine historische Chance, sich neu aufzustellen. Jeder Akteur sollte diese ernsthaft nutzen.

Beispiel 1: Am 8. April meldete sich SABU-Geschäftsführer Stephan Krug mit einem ambitionierten Vorhaben zu Wort: Man müsse angesichts des enormen Warendrucks die Abverkaufszeit für die Ware der F/S-Saison um mindestens sechs Wochen nach hinten verlängern. Entsprechend müssten sich die Messen positionieren und auch die Winterware folgerichtig später geliefert werden. Das würde bedeuten: kein Sale schon im Juni bei möglicherweise 30 Grad, um die immer noch aktuelle Ware zu verschleudern. Und ein Start in die H/W Saison, wenn man den Herbst tatsächlich schon erahnen kann. Das macht auch ohne Corona Sinn, denn in den zurückliegenden Jahren hat sich die Branche immer wieder selbst überholt. Mit entsprechenden Folgen: Sale-Aktionen zu einem Zeitpunkt, der jeder Sinnhaftigkeit entbehrt. Und bei der Order ein weitgehender Blindflug, einfach weil sie zu früh erfolgen muss und Erkenntnisse aus dem Verkauf fehlen. Kurz nach der Forderung Krugs kam aus Detmold ein positives Signal. Als Teil eines millionenschweren Maßnahmenpakets hatte die Wortmann-Gruppe angekündigt, bei einer neuen Saisontaktung mitziehen zu wollen. CEO Jens Beining erklärte im Interview mit schuhkurier, er spreche schon seit Jahren davon, „dass man den ganzen Rhythmus um zwei Monate nach hinten verschieben müsste.“ Wortmann könne ein solches Konzept sofort umsetzen. Vorausgesetzt, alle anderen ziehen mit. Wird dies tatsächlich geschehen?


Beispiel 2: Am 31. März forderte der Vorstandsvorsitzende der Ara Shoes AG, Patrick Röseler, unter anderem ein Rabattverbot für den Einzelhandel für mindestens eine Saison, um einen drohenden Preisverhau nach Ende des Shut-Downs möglichst zu verhindern. Auch Stephan Krug mahnte in seinem Offenen Brief an die Branche an, die Zeit der Preisreduzierungen nach dem Shut-Down um einen Monat nach hinten zu verschieben und Ware maßvoll zu reduzieren. Wenig später betonte der Speyerer Händler Peter Bödeker, eine politisch verordnete reduzierungsfreie Zeit könne eine Möglichkeit sein, um das Verramschen aktueller Ware zu verhindern – zum Wohle aller. Wird es zu einem solchen Commitment kommen? Die Antworten deuten sich bereits an: Erste Lieferanten haben schon Anfang April Winterware geliefert – trotz verordneter Ladenschließung bei ihren Kunden. Und Rabatte sind längst Realität: 20% Rabatt beim ersten Kauf im neuen Onlineshop, 10% auf alles hier, 25% auf alles da. Und der „50% auf alles Re-Start-Rabatt“ dürfte auch nur eine Frage der Zeit sein. Diese Branche hat im Angesicht der Corona-Pandemie eine historische Chance, sich neu aufzustellen. Mit neuem, „gesundem“ Saisonrhythmus und einem maßvollen Umgang mit Preisaktionen. Jeder Akteur sollte diese Chance ernsthaft nutzen. Denn sie wird nicht wieder kommen. 

Laura Klesper / 17.04.2020 - 09:23 Uhr

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