Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Corona.

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Als wäre nicht alles schon schwierig genug: Ein Virus wird unsere Branche verändern. Und zwar massiv.

„Wir haben ohnehin schon Pest und Cholera – jetzt kommt auch noch Corona dazu“, seufzte der Geschäftsführer eines Unternehmens kürzlich im Gespräch mit unserer Redaktion. Das trifft die Situation auf den Punkt.

Jedes Unternehmen, ob Händler oder Hersteller, Dienstleister oder Berater, wird, wenn dies nicht bereits geschehen ist, in den kommenden Wochen und Monaten mit Corona zu tun haben. Schon jetzt läuft kaum noch etwas rund. Messen wie die ILM in Offenbach und zuletzt die Gallery Shoes mussten Absagen von Ausstellern und einen erheblichen Besucherrückgang verkraften. Essenz und Moda made in Italy finden gar nicht erst statt. Weitere Veranstaltungen stehen auf dem Prüfstand, während die Zahl der Infizierten steigt und das öffentliche Leben Stück für Stück zum Erliegen kommt.

Das spürt jeder Händler. In den Quarantäne-Gebieten, wo die Menschen vielleicht noch Nudeln und Toilettenpapier kaufen, dürften Schuhe kaum ganz oben auf der Agenda stehen. Wer hat jetzt Lust auf neue Mode, wenn er eine Inkubationszeit überstehen muss? Und auch andernorts, in den Touristenhotspots wie München, Hamburg und Berlin und jeder anderen Stadt gehen die Frequenzen auf breiter Front zurück. Es fehlen die Gäste aus dem Ausland. Und auch die Einheimischen mögen nicht shoppen dieser Tage. Behördliche Anordnungen wie die Untersagung von größeren Ansammlungen werden diesen Effekt noch zusätzlich verstärken.

Auch wenn vielerorts panisch, fast hysterisch reagiert wird, muss doch konstatiert werden, dass die Vernunft zur Vorsicht mahnt. Es muss verhindert werden, dass die Ausbreitung des Virus – welche ohnehin nicht aufzuhalten ist – wenigstens verlangsamt wird. Es geht darum, Zeit zu gewinnen. Aber viele Unternehmen in unserer Branche haben diese Zeit nicht. Mehrere Monate mit drastischen Umsatzeinbußen – das dürfte das Ende für Händler und Lieferanten sein. Wer hat nach den Jahren des Strukturwandels noch das Polster, um eine längere Durststrecke ohne größere Blessuren durchzustehen? Wenn jetzt Verbundgruppen pragmatische Lösungen präsentieren, etwa indem Saisonlinien verlängert werden, so sind das positive Zeichen. Aber wahrscheinlich nicht genug. 

Die Bundesregierung mahnte im Umgang mit Corona Solidarität an. Solidarität, das wäre auch in unserer Branche das Gebot der Stunde und sollte nicht als „naiv“ verlacht werden. Jetzt, wo wirklich alle in einem Boot sitzen, muss ENDLICH gemeinsam gerudert werden. Konsumpsychologen gehen davon aus, dass die derzeitige Kaufzurückhaltung nach überstandener Corona-Krise ins Gegenteil umschlägt. Bis dahin kann es nur heißen: zusammen durchhalten!

Laura Klesper / 13.03.2020 - 08:59 Uhr

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