Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Durchhalten

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Eine Normalisierung des Einkaufsverhaltens ist vorerst nicht zu erwarten. Sie – wir alle – dürfen trotzdem den Mut nicht verlieren.

Meine Tochter wollte dieser Tage einen Hosenanzug kaufen. Nichts Besonderes. Blazer und Hose in schlichter Optik, für das Praktikum beim Rechtsanwalt. In der Düsseldorfer City war kaum was los, viele Geschäfte waren zu. Der schwedische Vertikale hatte eine Teilöffnung vollzogen. Die gesamte obere Etage war gesperrt und der gewohnte Irrgarten aus Kleiderständern und Regalen im Erdgeschoss in eine Einbahnstraße umgewandelt worden. Beim Betreten des Geschäfts bekam jeder Kunde eine Tasche für die Einkäufe überreicht, wodurch die Zahl der Menschen im Geschäft im Blick behalten werden sollte. Zwei Umkleidekabinen standen zur Verfügung. Das reichte auch, denn es war kaum jemand im Laden. An den Kassen dienten niedrige Warenpräsenter als Abstandshalter, der obligatorische Spuckschutz – was für ein schönes deutsches Wort! – trennte Verkaufspersonal und Kunden. Meine Tochter war froh, dass sie mit einem passenden Anzug schnell wieder draußen war. Shoppingerlebnis? Fehlanzeige. Noch was Schönes entdecken? Kein Bedarf. Da konnte auch die derzeit laufende plakative Werbung des Vertikalen nichts erreichen.

Vielen Menschen geht es derzeit so: Man geht nur in die Stadt, wenn man wirklich etwas braucht. Stichwort Bedarfskäufe. Mode und auch Schuhe, das zeichnet sich ab, gehören überwiegend nicht zu den Produkten, die ganz oben auf der Agenda stehen. Was benötigt man schon, wenn man die meiste Zeit daheim verbringt, Gehaltseinbußen hinnehmen muss und keine Dienstreisen geplant sind? Da gehen doch die Kleidungsstücke, die man schon im Schrank hat. Hinzu kommt: Wenn man dann doch etwas kaufen will, muss man vorher im Internet recherchieren, ob das anvisierte Geschäft überhaupt geöffnet ist. Das ist unbequem. Das nervt.

Die jüngsten Entscheidungen mehrerer Landesregierungen setzen die 800 qm-Regelung für Verkaufsflächen außer Kraft. Jetzt können vielerorts nicht nur kleine Geschäfte und Teilflächen, sondern alle Läden wieder öffnen. Es ist davon auszugehen, dass der derzeit bestehende Flickenteppich zeitnah durch einheitliche Regelungen abgelöst wird. Auch ist zu erwarten, dass Restaurants in absehbarer Zeit wieder öffnen dürfen. Das ist eine gute Entwicklung, ein Lichtstreif am Horizont.

Aber: Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen bleiben. Und die Verunsicherung der Menschen auch. Eine Normalisierung des Einkaufsverhaltens ist vorerst nicht zu erwarten. Das wirkt sich vor allem auf unsere Branchen aus. Der jüngst zu beobachtende Run auf Gartencenter und Möbelmärkte wird in Schuh- und Modegeschäften auf sich warten lassen. Sie – wir alle – dürfen trotzdem den Mut nicht verlieren. Viele positive Impulse dafür möchten wir Ihnen mit dieser Ausgabe an die Hand geben.

Halten Sie durch!

Helge Neumann / 05.05.2020 - 09:30 Uhr

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