Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Ehrliche Produkte

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Mitte Januar machte Larry Fink von sich reden. Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock schrieb einen Brandbrief an die Chefs internationaler Konzerne. Tenor: Sie sollten sich mehr um den Klimaschutz bemühen.

In den zurückliegenden Jahren hat Fink immer wieder Appelle an internationale Topmanager gerichtet. Sie sollten einen größeren Beitrag für die Gesellschaft leisten, sie sollten langfristiger denken und planen. Und jetzt sollen sie also die Herausforderungen der globalen Erwärmung ganz oben auf ihre Agenda setzen. Das Bewusstsein der Bürger für dieses Thema ändere sich derzeit rasant, so der Manager in seinem Schreiben. „Ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen.“ So hätten Klimaschutz-Initiativen eine enorme Wucht entwickelt; immer mehr Akteure würden sich ihnen anschließen. Zugleich seien Anleger gezwungen, ihre zentralen Annahmen zur modernen Finanzwirtschaft zu überdenken. Denn Klimarisiken würden sich gleichermaßen auf die Umwelt wie auch auf die globale Finanzwirtschaft auswirken. Kurzum: Man komme an dem Thema nicht mehr vorbei. Fink, dessen Vater ein Schuhgeschäft führte und der auch selbst in diesem Unternehmen gearbeitet – also Schuhe verkauft – hatte, schloss sein Schreiben mit einer klaren Ansage: Man sei zunehmend geneigt, Vorständen und Aufsichtsräten die Zustimmung zu verweigern, wenn ihre Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit keine ausreichen- den Fortschritte machten.

Auch in unserer Branche hat das Thema Klima- und Umweltschutz deutlich an Bedeutung gewonnen. Kaum ein Unternehmen, das sich nicht mit den konkreten Aufgaben beschäftigt, die daraus erwachsen – auch ohne Ansagen von Finanzinvestoren. Anzeige Wobei immer der Spagat zu bewältigen ist, dass Hersteller wie Händler auf Konsum angewiesen sind – und dass zugleich der Verzicht auf jenen Konsum die wohl klimafreundlichste Maßnahme wäre. An diesem Punkt kollidieren ökologische und ökonomische Ansprüche.

Ziel aller Akteure muss es also sein, den Konsum anzukurbeln, ihn vital zu halten und zugleich alles dafür zu tun, dass nicht „auf Teufel komm raus“ Ware gekauft und im schlimmsten Fall danach einfach weggeworfen wird. Vielmehr muss erreicht werden, dass Geld für Schuhe mit Bedacht ausgegeben wird und dass die Durchschnittspreise steigen. Darüber hinaus kann der Anspruch nur sein, ehrliche und möglichst hoch- wertige Produkte anzubieten und – wo immer machbar – nachhaltig zu handeln. Es gibt inzwischen sehr kluge Ansätze in unserem Business, vom recycelten PET bis hin zum Reparatur-Service, um getragene Schuhe als Second Hand-Produkte zu verkaufen. Das sind, um mit Larry Fink zu sprechen, durch- aus wertvolle Beiträge für Gesellschaft und Umwelt. Vielleicht geht sogar noch etwas mehr.

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Mara Mechmann / 12.02.2020 - 11:18 Uhr

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