Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Lebenszeichen

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Im März war die Gallery Shoes die letzte übergreifende Branchenmesse vor dem Lockdown gewesen. Im August/September war sie die erste danach.

Die Gallery in Düsseldorf, zuletzt als Kombination von Schuhen und Mode organisiert, markierte vor wenigen Tagen den Start in eine neue Normalität: eine „physische“ Messe in Zeiten der Pandemie. Viel war im Vorfeld über Messen und andere Veranstaltungen in unserer Branche debattiert worden. Zahlreiche Events hatten gar nicht erst stattfinden können.  Wo möglich, wurden digitale Alternativen installiert. Inwieweit man als Messeveranstalter das Wagnis einer „klassischen“ Veranstaltung eingehen kann und ob man als Aussteller und Besucher dabei sein sollte  – diese Fragen waren Thema vieler Dialoge und Gesprächsrunden in den zurückliegenden Wochen. 

Für die Organisatoren der Igedo Company stand im Sommer fest: Sie würden es versuchen wollen. Mit einem detailliert ausgearbeiteten Hygiene- und Sicherheitskonzept. Unter Einhaltung aller Auflagen. Mit kreativen Lösungen für alle Teilnehmer und Besucher. Und mit einer großen Portion Mut und Risikobereitschaft. Mit gemischten Gefühlen waren Aussteller und Händler nach Düsseldorf gereist. Wer aber erst einmal da war, für den überwogen die positiven Eindrücke: Es funktionierte tatsächlich, eine Messe abzuhalten – mit Maskenpflicht, akribischen Eingangskontrollen, breiteren Gängen und umfangreichen Reinigungs- und Hygienemaßnahmen. Und die Messe war nicht einfach nur Orderplattform, sondern auch ein von Zuversicht geprägtes Event.

Das lag vor allem daran, dass viele Menschen sich nach Monaten in Düsseldorf zum ersten Mal wiedersahen. Schuhe anfassen und Modetrends diskutieren, einander in die Augen schauen ohne einen Bildschirm dazwischen – endlich war das wieder möglich. Über das eine oder andere private Thema plaudern, sich gemeinsam darüber freuen, dass die akute Krisenzeit überstanden ist, und Ideen für die kommenden Monate entwickeln – das tat allen Anwesenden gut. Nicht zuletzt auch, weil sie sich in Düsseldorf sicher fühlen konnten.

Dass man an die jüngste Gallery Fashion & Shoes nicht die Maßstäbe der Vor-Corona-Zeit anlegen darf, dürfte jedem klar sein. Ja, es waren weniger Aussteller und weniger Besucher vor Ort. Es wäre unfair, das den Organisatoren vorzuwerfen. Denn was da August/Anfang September stattfand, war trotzdem ermutigend. „Die Branche lebt“, resümierte der Bochumer Schuhhändler Frank Beckmann. Dafür war die Gallery ein sicheres Indiz. Die Krise ist noch nicht überstanden. Wir stehen vor weiteren tiefen Einschnitten und Veränderungen. Gemeinsam kämpft es sich leichter. Und dafür braucht es mehr als Webinare und digitale Workshops. Dafür braucht es „physische“ Messen.

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Laura Klesper / 10.09.2020 - 09:25 Uhr

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