Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Lockdown Light

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Montag, 9. November. Eine Woche Lockdown Light liegt hinter uns. Der Handelsverband Deutschland veröffentlicht eine ernüchternde Zwischenbilanz. 

Von „massivem Rückgang der Kundenzahlen und deutlich sinkenden Umsätzen“ ist die Rede. Bis zu 40% weniger Menschen seien in den Geschäften unterwegs. Um rund ein Drittel lägen die Umsätze unter dem Vorjahr. Vor allem der Bekleidungs- und Schuhhandel sei betroffen. Es gehe um „die Existenz eines großen Teils der Kernbranchen unserer Innenstädte“, so der HDE.

Am gleichen Tag äußert sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund zum Lockdown Light und betont, die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen zeigten sichtbar Wirkung. „Die Innenstädte sind leerer, die Zahl der Menschen im Homeoffice hat wieder zugenommen, und auch die Auslastung von Bussen und Bahnen geht erkennbar zurück“, so Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer der Organisation, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Nun sei zu hoffen, dass in einigen Tagen ein Rückgang der Infektionszahlen sichtbar sei und man die Pandemie wieder in den Griff bekomme.

Und noch eine Information wird am 9. November veröffentlicht: Der Sender NTV berichtet unter der Überschrift „Statt in die Kneipe gehen jetzt alle shoppen“ von dichtem Gedränge auf der Berliner Friedrichstraße und andernorts. Statt gespenstischer Leere wie im März herrsche jetzt in Einkaufsstraßen und Malls „Trubel wie eh und je“. Wer möglicherweise alle drei Meldungen gelesen hat, dürfte sich zu Beginn dieser Woche erstaunt die Augen gerieben haben. Dass man die Lage unterschiedlich interpretiert, ist dabei noch nachvollziehbar. Leere Innenstädte bedeuten Sorge für den Handel – aber eben auch weniger Infektionsgeschehen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigen sich viele Händler allerdings vom NTV-Bericht überrascht. „Schön wär’s“, so ein Unternehmer aus der Hauptstadt. Zwar waren einige Einkaufsstraßen bei schönstem Herbstwetter Anfang November nicht so schlecht frequentiert wie befürchtet. Das hat aber deutliche Umsatzrückgänge nicht verhindern können. Zwischen -15 und -50% liegen viele Händler unter Vorjahr. Wobei sich Fachmärkte auf der grünen Wiese besser schlagen als City-Geschäfte.

Immerhin: Die Conversion Rate ist vergleichsweise gut. Wer in die Stadt geht, hat meist eine konkrete Idee und kauft dann auch. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Der gemütliche Stadtbummel, bei dem man sich inspirieren lässt, findet nicht statt. Sicherlich auch, weil die Gastronomie geschlossen ist, die hier ein wichtiges Element darstellt. Umso wichtiger ist es, trotzdem mit den Kunden im Kontakt zu bleiben, alle  Kanäle zu nutzen und auf Öffnungszeiten und Hygienekonzepte aufmerksam zu machen. Damit der Lockdown light nicht zum „Lockdown heavy“ wird. 

 

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Laura Klesper / 12.11.2020 - 09:29 Uhr

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