Kommentar von Helge Neumann

Kommentar: Minusgeschäft

Helge Neumann (Foto: Redaktion)
Helge Neumann (Foto: Redaktion)

Mit der nun beschlossenen Verlängerung des Lockdowns haben sich alle Hoffnungen des Handels auf einen Schlussspurt zum Jahresende in Luft aufgelöst. 

Die Hängepartie der vergangenen Wochen ist vorbei. Jetzt ist sie da, die Gewissheit. Die Ministerpräsidenten der Länder haben sich auf eine Verlängerung des Teil-Lockdowns bis kurz vor Weihnachten geeinigt. So soll es gelingen, die Anzahl der Neuinfektionen nicht nur zu stabilisieren, sondern sie vielmehr wieder auf ein deutlich niedrigeres Niveau zu senken. Für den stationären Handel bedeutet das: Weihnachtsgeschäft adé. 

In den vergangenen Wochen hat sich bereits deutlich gezeigt, welche Auswirkung das Schließen von Gastronomie, Hotels und vielen Freizeiteinrichtungen in Verbindung mit einer deutlichen Warnung, Menschenansammlungen zu meiden, auf das Konsumverhalten der Deutschen hat. Die Menschen bleiben wie gewünscht zu Hause. Und kaufen bevorzugt online – in diesen Tagen noch zusätzlich befeuert durch Black Friday oder Cyber Week-Aktionen. Die Frequenz in den Innenstädten ist massiv zurückgegangen, der Handelsverband berichtet von rund 40% weniger Besuchern in den Einkaufsstraßen. Entsprechend negativ entwickeln sich auch die Umsätze. So meldet die ERIX-Marktdatenbank für die zweite November-Dekade ein Minus in Höhe von 42%. Und das zum zweiten Mal in Folge. Anfang November waren die Einnahmen des Schuhhandels nämlich schon mal um 42% eingebrochen. 

Mit der nun beschlossenen Verlängerung des Lockdowns haben sich alle Hoffnungen des Handels auf einen Schlussspurt zum Jahresende in Luft aufgelöst. Die kommenden Wochen dürften für die Unternehmen unserer Branchen rabenschwarz verlaufen. Oder besser: tiefrot. Damit wird Wirklichkeit, was der Modehandelsverband BTE kürzlich als „Horror-Saison“ bezeichnete. Die Ware liegt wie Blei in den Lägern und Regalen, aufgrund der niedrigen Frequenz fließt viel zu wenig ab. Die Abverkaufsquoten verharren auf einem bislang nahezu unbekannten Niveau. Das hat auch Folgen für die kommende Orderrunde, in welcher Form diese auch immer stattfinden wird. Eines dürfte bereits klar sein: Die Industrie wird die Folgen des Teil-Lockdowns zu spüren bekommen. Zwar zeitversetzt, aber dennoch schmerzhaft. Die Corona-Krise kennt viele Verlierer. 

Was aktuell bleibt, sind zunehmend verzweifelte Hilferufe in Richtung der politisch Verantwortlichen in Berlin. Mit dem Handel sterbe auch das Kulturgut Innenstadt, so die dramatische Warnung. Im Frühjahr wurde den Interessensvertretern des Handels überwiegend ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Hoffentlich machen die Lobbyisten diesmal einen besseren Job. Der Handel könnte es wahrlich gebrauchen. 

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Helge Neumann / 26.11.2020 - 09:58 Uhr

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