Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Neuanfang

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Es gibt Situationen, an die man sich sein ganzes Leben erinnert. Besonders Schönes, das man erleben durfte. Und schlimme Ereignisse, die Angst machten und schmerzten.

Die Tage um den Lockdown während der Corona-Krise gehören zweifelsfrei in letztere Kategorie. Jeder von uns erinnert sich noch genau daran, wie er die Zeit erlebt hat, in der Corona auf einmal nicht mehr nur auf andere Länder, einzelne Fälle oder bestimmte Regionen beschränkt war, sondern von der weitgehenden Stillegung des öffentlichen Lebens zunächst gerüchteweise die Rede war, bis schließlich die Bundesregierung ebendiese Entscheidung verkündete.

Die Läden zu, die Städte verwaist, die Menschen, wo immer möglich, zu Hause. Und jeder einzelne war betroffen. An niemandem ging diese Situation spurlos vorbei. Im Rückblick auf das erste Halbjahr 2020 schildern Unternehmer aus Handel und Industrie, wie sie die akute Phase der Corona-Krise wahrnahmen. Als „intensivste, prägendste Zeit“ wird die Situation umschrieben, als „beängstigend“ und „extrem“. Man hatte sich „ohnmächtig“ gefühlt und eine „gespenstische Ruhe“ wahrgenommen. Es war ein Horror-Szenario, auf das niemand vorbereitet war. Und das zu verarbeiten lange dauern wird – wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Das ist allen, die in unserem Rückblick zu Wort kommen, vollkommen klar. Prognosen dahingehend, ob und wann das schlimmste überstanden ist, sind vor diesem Hintergrund schwierig. Viele fürchten, dass die Krise noch längst nicht ausgestanden ist, dass vielmehr das „dicke Ende“ noch kommt, in Form einer Insolvenzwelle oder – weitaus schlimmer noch – eines erneuten unkontrollierbaren Ausbruchs von Covid-19. Die Befragten aus Handel und Industrie belassen es aber keineswegs bei der Umschreibung der Katastrophe. Erstaunlich und ermutigend ist, dass neben allen Schrecknissen auch (wieder) Raum ist für Hoffnung und Dankbarkeit. Loyalität und Teamgeist haben in der Krise Großes bewirkt. Menschen sind zusammengerückt und haben angepackt, um gemeinsam durch den Sturm zu kommen.  

Jetzt gelte es, weiter alle Kräfte zu mobilisieren und sich für die noch kommenden Herausforderungen zu wappnen. Wie das funktionieren kann? Indem man sich von der Idee verabschiedet, „nach Corona“ würde irgendwie wieder alles so werden wie vorher. Er höre aus vielen Gesprächen heraus, man würde gern wieder zum alten Trott zurückkehren, schildert ein Händler. Dabei sei es doch jetzt zwingend erforderlich, die Krise als echte Chance zu begreifen, endlich die Dinge anzupacken, die bislang nur diskutiert wurden. Der Mann hat Recht: Nur so kann es gelingen, irgendwann einmal auf 2020 zurückzublicken und es nicht als „Ende“ zu betrachten, sondern als echten Neuanfang. 

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Laura Klesper / 14.07.2020 - 09:17 Uhr

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