Kommentar von Petra Steinke

Kommentar: Was bleibt?

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Unsere Branche wird „nach Corona“ nicht mehr so sein wie vorher. Wir haben es früh geahnt und oft verdrängt – und allmählich manifestiert sich die Erkenntnis: Das ist nicht einfach ein markiger Spruch, den man so daher sagt, weil das schlau klingt. Es ist schlicht die Realität. Was bleibt, wenn die Krise vorbei ist?

Den Veränderungsprozess in unserem Markt kann man derzeit am Beispiel eines Darmstädter Schuhfilialisten verfolgen, der auf Jahrzehnte Erfolgsgeschichte, Wachstum und eine mutige Expansionspolitik zurückblickt und sich nun in einem umfassenden Transformationsprozess befindet. Von den 27 zu Dielmann gehörenden Fachgeschäften werden 13 geschlossen. Spätestens Ende des Jahres ist in Kaiserslautern, Neu-Isenburg, Offenbach und weiteren Städten Schluss; 84 Mitarbeitende müssen gehen. Ein Teil der derzeit noch 13 Fach- und Mixmärkte wechselt darüber hinaus zum 1. Dezember den Besitzer: Myshoes, das Fachmarkt-Konzept von Deichmann, übernimmt acht dieser Standorte. Es bleiben noch an die 20 Fachgeschäfte und -märkte, darunter die Zentrale in Darmstadt, sowie weitere acht Läden mit Sportsortiment. Für diese müssen in nächster Zeit tragfähige Konzepte gefunden werden. 

Der Restrukturierungsexperte Dr. Georg Bernsau von der Kanzlei K&L Gates, derzeit Geschäftsführer von Dielmann, macht keinen Hehl daraus, dass er sich eine „größere“ Lösung für den Schuhfilialisten gewünscht hätte. Man hätte das Unternehmen „sehr gerne  in seiner Gesamtheit erhalten und an einen Investor übertragen“, so Bernsau. Die Aufteilung des Filialbestands und eine Übertragung von acht Standorten an Myshoes sei aber nun für die Gläubiger die wirtschaftlich beste Lösung. Für die verbliebenen Standorte sei man nun in „sehr konkreten Gesprächen mit weiteren Interessenten“ und habe die große Hoffnung, „dass wir die meisten Geschäfte, nach Möglichkeit auch unter Einschluss der Zentralfunktionen von Dielmann, an einen neuen Inhaber werden verkaufen können.“

Was die laut Geschäftsführung beste Lösung für die Gläubiger ist, ergibt auch aus Sicht der möglichen Käufer Sinn. Kosten und Nutzen ins richtige Verhältnis zu setzen, das ist gerade in der aktuellen Krise wichtiger denn je. In einer derart unklaren Lage verbieten sich Experimente. Schließlich weiß niemand, was unserer Branche in den kommenden Monaten noch bevorsteht, wann das Schlimmste überstanden ist und wie es im Markt aussieht, wenn sich der Staub erst einmal gelegt hat. Was bleibt also? Ernüchterung in vielen Bereichen. Statt „groß Denken“ wohl eher pragmatische und kleinteiligere Lösungen. Aber auch die Hoffnung, dass es weitergeht. Wenn auch anders als vor Corona. 

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Laura Klesper / 22.10.2020 - 09:41 Uhr

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