Empfehlung der Leopoldina

Kommt der harte Lockdown?

Die Leopoldina fordert einen harten Lockdown ab Weihnachten. (Foto: Unsplash)
Die Leopoldina fordert einen harten Lockdown ab Weihnachten. (Foto: Unsplash)

Die Akademie der Wissenschaften empfiehlt einen harten Lockdown über den Jahreswechsel. Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt die Vorschläge, die auch den Einzelhandel betreffen.

Die aktuelle Entwicklung der Coronavirus-Pandemie gebe Anlass zu großer Sorge, heißt es in einer Stellungnahme der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, vom 8. Dezember. Trotz des seit Anfang November geltenden Teil-Lockdowns seien die Infektionszahlen noch immer auf einem viel zu hohen Niveau. Immer mehr Ältere würden infiziert. In den letzten 7 Tagen starben mehr Menschen mit dem Coronavirus als 2019 im Straßenverkehr, heißt es weiter. Trotz Aussicht auf einen baldigen Beginn der Impfkampagne sei es aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig, die weiterhin deutlich zu hohe Anzahl von Neuinfektionen durch einen harten Lockdown schnell und drastisch zu verringern. Die Einführung des Lockdowns sollte bundesweit einheitlich in zwei Schritten erfolgen. Ab dem 14. Dezember 2020 sollte die Schulpflicht aufgehoben und nachdrücklich zur Arbeit im Homeoffice aufgefordert werden. Ab dem 24. Dezember 2020 bis mindestens zum 10. Januar 2021 sollten zusätzlich alle Geschäfte schließen, die nicht der Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Waren dienen. Soziale Kontakte sollten auf einen sehr eng begrenzten Kreis reduziert werden.

Die Erfahrungen aus vielen anderen Ländern wie z.B. Irland im Umgang mit der Pandemie zeigen laut den Experten der Leopoldina: schnell eingesetzte, strenge Maßnahmen über einen kurzen Zeitraum tragen erheblich dazu bei, die Infektionszahlen deutlich zu senken. „Verschärfte Maßnahmen sind auch aus wirtschaftlicher Perspektive sinnvoll: Zwar erhöhen sich durch einen strengeren Lockdown kurzfristig die Wertschöpfungsverluste, aber zugleich verkürzt sich der Zeitraum, bis die Neuinfektionen so weit gesunken sind, dass Lockerungen möglich werden. Ohne verschärften Lockdown in der Weihnachtspause besteht die Gefahr, dass der aktuelle Teil-Lockdown mit seinen Beschränkungen für Monate aufrechterhalten werden muss. Dies würde neben ausfallender Wertschöpfung auch zu hoher Belastung der öffentlichen Haushalte führen, weil die geschlossenen Unternehmen Überbrückungshilfen benötigen“, heißt es in der Stellungnahme.

Wenn jetzt Maßnahmen konsequent umgesetzt würden, könnten viele zusätzliche Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe vermieden werden. Dann gebe es am Ende dieses Pandemiejahres gute Gründe, hoffnungsvoll auf das kommende Jahr zu blicken, in dem Impfstoffe helfen werden, bei der Eindämmung der Pandemie ein großes Stück weiterzukommen. „Es gilt, entschlossen und solidarisch zu handeln“, so der Appell der Akademie der Wissenschaften.

Merkel fordert Lockdown

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte in einer Rede im Deutschen Bundestag dazu auf, die Empfehlungen der Leopoldina sehr ernst zu nehmen. „Wir haben zu viele Kontakte“, so Merkel. Zugleich warb sie für einen harten Lockdown mit Geschäftsschließungen nach Weihnachten bis zum 10. Januar. Zudem sollte der Beginn der Weihnachtsferien auf den 16. Dezember vorgezogen werden. „Bund und Länder müssen etwas gemeinsam tun. Ich kenne meine Verantwortung“, sagte die Bundeskanzlerin.

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Helge Neumann / 08.12.2020 - 11:31 Uhr

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