HDS/L

Lederwarenindustrie leidet unter der Corona-Krise

Hauptgeschäftsführer HDS/L Manfred Junkert (Foto: HDS/L)
Hauptgeschäftsführer HDS/L Manfred Junkert (Foto: HDS/L)

Unmissverständliche Worte: Die Corona-Pandemie wirke sich laut einer Mitteilung des HDS/L „auf dramatische Weise“ auf die deutsche Lederwaren- und Kofferindustrie aus.

Traditionell blickt Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie, im Vorfeld der Lederwarenmesse ILM auf die Geschäftsentwicklung der vergangenen Monate zurück. Auch für die abgesagte Veranstaltung vom 5. bis 7. September in Offenbach hatte er seinen Bericht schon vorbereitet.

Junkert hätte alarmierende Worte gewählt. Denn die Verkaufserlöse der deutschen Lederwarenindustrie gingen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 um 14,9 Prozent auf 283 Mio. Euro zurück. Der Inlandsumsatz betrug 204,3 Mio. Euro (-14,7%), der Auslandsumsatz 78,8 Mio. Euro (-17,8%).

Die Beschäftigungssituation in der Lederwaren- und Kofferindustrie sei „stabil“. Der Grund dafür sei unter anderem die Möglichkeit der Kurzarbeit. In den Betrieben mit 50 oder mehr Beschäftigten waren laut amtlicher Statistik im Monatsdurchschnitt 1.064 Personen beschäftigt. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie beläuft sich laut Schätzungen des HDS/L auf rund 2.800 Personen.

m ersten Halbjahr 2020 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 860 Mio. Euro aus Deutschland exportiert. Dies entspricht einem Rückgang von 17,1 Prozent. Die wichtigsten Abnehmerländer waren im ersten Halbjahr 2020 die Schweiz (-7,2% auf 97 Mio. Euro), Frankreich (-19,6% auf 81 Mio. Euro) und Österreich (-20,7% auf 69 Mio. Euro).

 

Lederwarenimporte

 

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 ist im ersten Halbjahr 2020 der Wert der gesamten Einfuhren von Lederwaren, Koffern und Reisegepäck um 18,2 Prozent auf 1,49 Mrd. Euro gesunken. China war wie im Vorjahreszeitraum das wichtigste Lieferland Deutschlands, obwohl der Einfuhrwert um 17,9 Prozent auf 624 Mio. Euro gesunken ist. Der Anteil des chinesischen Importwertes am gesamten Importwert von Lederwaren und Koffern in Deutschland blieb mit 41,8 Prozent stabil.

 

Lederwarenindustrie blickt skeptisch in die Zukunft

 

Die Schließung der stationären Verkaufsstellen des Fachhandels verursachte „einen nachhaltigen Schock“ sowohl für Fachhandel wie Industrie, fasst der HDS/L die Situation zusammen. Für die Lederwarenbranche sei der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof von großer Bedeutung. Die Industrie hoffe, dasssich die Innenstädte mit ihren Warenhäusern und Fachhandelsgeschäften erholen können.

Neben der Schließung der stationären Verkaufsstellen habe auch die Einstellung des Personenverkehrs für einen abrupten Stop des Reisefiebers in Deutschland gesorgt. Damit sei die Nachfrage nach Koffern und Reisegepäck eingebrochen. Nach den ersten Grenzöffnungen und Möglichkeiten zu Reisen werde nun wieder vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland gewarnt.

Der HDS/L bangt daher: „Wir befürchten, dass der unsichere Ausblick der gesamtwirtschaftlichen Situation das Konsumentenvertrauen und die Nachfrage nach Reisen verschlechtern wird. Dies wird auch die Nachfrage nach Koffern und Reisegepäck beeinflussen.“ Der HDS/L fordert daher nicht nur ein Konjunkturpaket, sondern auch ein Belastungsmoratorium für Handel und Industrie.

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Tobias Kurtz / 07.09.2020 - 09:04 Uhr

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