HDS/L

Lederwarenindustrie verzeichnet kleines Minus

Manfred Junkert, Axel Augustin, Arnd Hinrich Kappe und Martin Wuttke  auf der Pressekonferenz vor der ILM in Offenbach am 28. Februar 2020. (v.l.n.r., Foto: Redaktion)
Manfred Junkert, Axel Augustin, Arnd Hinrich Kappe und Martin Wuttke auf der Pressekonferenz vor der ILM in Offenbach am 28. Februar 2020. (v.l.n.r., Foto: Redaktion)

Die deutsche Lederwaren- und Kofferindustrie hat 2019 eine geringe Umsatzeinbuße verzeichnet. Das gab HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert im Vorfeld der ILM in Offenbach bekannt. Die Corona-Krise trifft die Branche. Allein das Ausmaß ist Spekulation.

Manfred Junkert neigt bei seinen Presseauftritten nicht zur übertriebenen Wortwahl. Am Vortag der Internationalen Lederwaren Messe ILM in Offenbach machte er keine Ausnahme: Die Corona-Virus treffe die deutsche Lederwarenindustrie „ziemlich stark“, stellte er sachlich fest.

Kein Wunder bei einem Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres: China ist nach wie vor das wichtigste Lieferland für Lederwaren und Koffer für den deutschen Markt. Im vergangenen Jahr wurden Lederwaren im Wert von 1,51 Mrd. Euro nach Deutschland eingeführt. Dies entspricht einem Anstieg von 6,3 Prozent. Der Anteil des chinesischen Importwertes am gesamten Importwert von Lederwaren und Koffern ist von 40,0 auf 40,3 Prozent gestiegen. Und: „Asien wird immer wichtiger für den Export“, führte Junkert aus. Die Ausfuhr von Lederwaren und Koffern nach China ist 2019 um 7,4% auf 78 Mio. Euro gestiegen. „Die Kaufzurückhaltung auf dem chinesischen Markt werden wir daher merken.“ Stark zugenommen hat auch die Ausfuhr nach Japan um 41,7 Prozent auf 42 Mio. Euro.

Lederwarenindustrie im Jahr 2019

Zum Gesamtmarkt: Die Verkaufserlöse der deutschen Lederwarenindustrie gingen im letzten Jahr um 2,5 Prozent auf 597,7 Mio. Euro zurück. Fast 70 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Industrie dabei in Deutschland. Der Inlandsumsatz ist 2019 im Vergleich zu 2018 um 1,1 Prozent auf 410,6 Mio. Euro gesunken. Schlechter lief es im Ausland. Dort ging der Umsatz um 5,4 Prozent auf 187,1 Mio. Euro zurück. Die Hersteller hätten mit sinkenden Margen zu kämpfen, investierten aber gleichwohl in Digitalisierung und Nachhaltigkeit, führte Junkert aus.

In 2019 ist die Beschäftigung im Vergleich zu 2018 um 2,7 Prozent auf 1.472 Beschäftigte zurückgegangen. Die Angaben beziehen sich auf Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Viele Unternehmen suchten und stellten Mitarbeiter in den Bereichen IT und E-Commerce ein, um die verschiedenen Vertriebswege bespielen zu können. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie liegt mit schätzungsweise 3.000 Personen weitaus höher. 

Im letzten Jahr wurden Lederwaren und Koffer im Wert von rund 2,1 Mrd. Euro aus Deutschland exportiert (+ 3,7%). Die wichtigsten Abnehmerländer waren die Schweiz (216,9 Mio. Euro), Frankreich (208,0 Mio. Euro) und Polen (198,9 Mio. Euro). 

Wie in den Vorjahren wird die Mehrheit der aus Deutschland ausgeführten Lederwaren und Koffer von den Ländern der Europäischen Union abgenommen. Ihr Anteil betrug in 2019 64,8 Prozent an der gesamten Ausfuhr (+2,8%). Die Ausfuhr von Lederwaren und Koffer von Deutschland in das Vereinigte Königreich ging um 6,3 Prozent auf 130,8 Mio. Euro zurück.
Im Jahr 2019 wurden 18,8 Mio. Handtaschen mit einem Gesamtwert von 379,2 Mio. Euro aus Deutschland ausgeführt (+5,7%). Wertmäßig bedeutet dies einen Zuwachs um 4,7 Prozent auf 379,2 Mio. Euro. Der Durchschnittspreis einer exportierten Handtasche betrug 20,11 Euro.

Lederwarenindsutrie: Importe

Der Wert der Einfuhren von Lederwaren, Koffern und Reisegepäck stieg 2019 um 5,5 Prozent auf 3,75 Mrd. Euro. Nach wie vor haben Handtaschen aus Leder die größte Bedeutung am gesamten Importwert von Lederwaren mit einem Anteil von 14,0 Prozent. 
Der Importanteil von Lederwaren und Reiseartikeln aus Italien ist von 14,5 auf 14,1 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig ist der Wert der importierten Lederwaren aus Italien um 2,7 Prozent auf 529,7 Mio. Euro gestiegen.

In 2019 wurden in Deutschland 48,4 Mio. Handtaschen eingeführt (+2,1%). Der wertmäßige Zuwachs fällt mit 4,0 Prozent deutlicher aus: Der Importwert ist von 877,9 auf 913,4 Mio. Euro gestiegen. Der Durchschnittspreis einer importierten Handtasche betrug 18,85 Euro. 

Ausblick

Eine große Mehrheit der Hersteller erwartet eine gleichbleibende bzw. sinkende Entwicklung der Erlöse für 2020 im Vergleich zu 2019, so Junkert weiter. Positive Impulse aus dem Exportgeschäft seien in 2020 nicht zu erwarten. Dies zeigt die aktuelle HDS/L-Konjunkturumfrage unter den deutschen Lederwaren- und Kofferherstellern. Fast zwei Drittel der Unternehmen prognostiziert eine gleichbleibende Ertragslage für 2020. Die zunehmende Digitalisierung beeinflusst die Vertriebswege der Hersteller: Durchschnittlich erlösen sie fast 8 Prozent ihres Absatzes über E-Commerce. Der stationäre Handel ist mit einem durchschnittlichen Anteil von 75 Prozent nach wie vor von größter Bedeutung für die deutschen Lederwaren- und Kofferhersteller.

Wie sich das Corona-Virus auf die deutsche wie die chinesische Wirtschaft auswirken wird, sei derzeit nicht einzuschätzen. Junkert: „Wir befürchten, dass die Epidemie den Konsum in China beeinflussen wird und sich damit in 2020 auf einem deutlich geringeren Niveau im Vergleich zu 2019 darstellen wird.“

Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Tobias Kurtz / 28.02.2020 - 17:39 Uhr

Weitere Nachrichten