Corona-Maßnahmen

Lockerungen im Handel: Das sagt die Schuhbranche

"Offen", egal wie groß das Geschäft ist: Die umstrittene 800 qm-Begrenzung wurde gekippt. (Foto: Unsplash)
"Offen", egal wie groß das Geschäft ist: Die umstrittene 800 qm-Begrenzung wurde gekippt. (Foto: Unsplash)

Nachdem es in den Bundesländern zunächst unterschiedliche Regelungen für den Handel gegeben hatte, soll jetzt die umstrittene 800 qm-Regelung wegfallen. Aus der Schuhbranche gibt es dazu positive Reaktionen.

Stephan Krug, Geschäftsführer der SABU Schuh & Marketing GmbH, betont gegenüber schuhkurier: „Wir begrüßen ausdrücklich die längst fälligen Änderungen bzw. Lockerungen und hier auch speziell die Aufhebung der Begrenzung der Verkaufsfläche. Diese machte aus unserer Sicht als alleiniges Ausschlusskriterium eh noch nie wirklich Sinn.“ Für Krug ist klar, dass „die strengen, aber auch notwendigen Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen erfüllt werden.“ Wesentlich sei außerdem, dass die maximale Anzahl von Personen (Kunden und Personal) bezogen auf die Verkaufsfläche vorgegeben sei und auch eingehalten werde – unabhängig von der Größe des Ladens. „Jetzt macht das Ganze auch wieder mehr Sinn“, so Krug.

Auch aus Mainhausen kommt ein positives Signal: „Die ANWR Group begrüßt die Entscheidung, die umstrittene und nicht nachvollziehbare Begrenzung der Verkaufsfläche auf 800 qm nun aufzugeben und allen Geschäften die Möglichkeit zu geben, unter Einhaltung der verständlichen Vorgaben zu öffnen“, teilt die Verbundgruppe auf schuhkurier-Anfrage mit. „Der Handel setzt die Hygienevorgaben verantwortungsvoll um – ob für kleine oder große Flächen. Und das kann auf Flächen über 800 Quadratmetern genauso geschehen“, heißt es seitens der ANWR Group.

Der Kölner GMS-Verbund reagiert mit einem klaren Statement auf die schuhkurier-Anfrage: „Die Entscheidung, Geschäfte nur bis 800 qm zu öffnen, hat einerseits möglicherweise dazu beigetragen, die Frequenz in den Innenstädten gering zu halten und somit das Virus einzudämmen. Andererseits war die Grenze willkürlich, diskriminierend und wie von Gerichten mehrfach bestätigt, unangemessen. Der Handel lebt von der Lust am Erleben, von der Vielfalt, von der Möglichkeit der sozialen Interaktion. Insofern freuen wir uns, dass nunmehr alle Geschäfte mit Auflagen öffnen dürfen und auch die Gastronomie wieder öffnet. So kommt das Leben wieder zurück in die Städte – und in die Geschäfte.“

Die Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) begrüßen die Lockerungsempfehlungen der Bundesregierungen ebenfalls: „Damit ist die sachlich nicht nachvollziehbare Diskriminierung von großen Textil-, Schuh- und Warenhäusern endlich vorbei“, freut sich BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels. Ganz zufrieden mit der Umsetzung ist Pangels allerdings nicht. „Wir hätten uns die Freigaben bundesweit schon zu diesem Wochenende gewünscht“, kritisiert der BTE-Chef. Schließlich türmen sich in den Lagern des Handels riesige Mengen unverkaufter Hosen, Jacken und Schuhe aus der Frühjahrssaison. Und zusätzlich wird aktuell auch noch die neue Sommerware ausgeliefert. „Deshalb zählt momentan jeder Tag, damit das immense Warenproblem der Modebranche nicht noch dramatischer wird.“

Mit einem Ansturm der Kunden rechnet der BTE-Hauptgeschäftsführer allerdings auch nicht: „Wir haben in den Bundesländern, in denen bereits größere Modehäuser komplett öffnen durften, eine deutlich unterdurchschnittliche Kundenfrequenz registriert.“ Abstands- und Hygieneregeln konnten so problemlos eingehalten werden.

BTE, BDSE und BLE gehen davon aus, dass die Kundenfrequenzen und die Umsätze auch in den nächsten Wochen nicht die Vorjahreswerte erreichen. Schließlich fehlt vielen Kunden nach wie vor der Anlass, sich ein neues Outfit zuzulegen. „So lange größere Feiern und Feste eingeschränkt oder sogar verboten sind und Millionen Menschen im Homeoffice arbeiten oder sogar in Kurzarbeit sind, rechnen wir mit deutlichen Einbußen“, berichtet Pangels. „Wir hoffen, dass mit Öffnung der Gastronomie aber wieder ein Stück weit Normalität und ‚Shopping-Erlebnis‘ in die Städte einzieht.“

Schuhhändler Timo Leinweber bleibt skeptisch: „Die nun geplanten Lockerungen haben für unsere Häuser zunächst keinen großen Effekt, bilden aber in Summe hoffentlich einen Impuls für unser Umfeld bzw. alle Innenstädte und dann wiederum auch für alle Geschäfte.“ Für den Berliner Unternehmer ist vor allem die weiterhin geschlossene Gastronomie ein Problem – und: In unserem Fall fehlt auch der internationale Tourismus, und selbst wenn der nationale Tourismus wieder etwas anzieht, reicht das in Städten wie Berlin vorne und hinten nicht.“

In Bayern ist eine Öffnung aller Handelsflächen ab dem 11. Mai geplant. 

   
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Petra Steinke / 07.05.2020 - 11:35 Uhr

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