Statistisches Bundesamt

März-Umsätze im Schuhhandel brechen ein

Im März sind die Umsätze in vielen Einzelhandelsbranchen stark eingebrochen. Besonders betroffen waren der Schuh- und Modehandel.

Insgesamt setzten die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland im März 2020 nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) real (preisbereinigt) 2,8% und nominal (nicht preisbereinigt) 1,5% weniger um als im März 2019. Beide Monate hatten jeweils 26 Verkaufstage. Kalender- und saisonbereinigt war der Umsatz im März 2020 im Vergleich zum Februar 2020 real um 5,6% und nominal um 5,7% niedriger. Das ist laut Destatis der stärkste Umsatzrückgang gegenüber einem Vormonat seit dem Januar 2007.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln fielen die Umsätze im März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 10,1% und nominal um 9,8%, nachdem sie im Februar 2020 noch um real 5,6% und nominal um 5,9% zum Vorjahresmonat gestiegen waren. Dies ist der stärkste Umsatzrückgang im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994. Den größten seit 1994 gemessenen Umsatzeinbruch in einer Branche des Einzelhandels verzeichnete der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren mit real -52,6% und nominal -51,4% gegenüber März 2019. 

Aufgelaufen seit Jahresbeginn wurde für den Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren ein Minus von 20,1% (real) bzw. 19,0% (nominal) verzeichnet. 

Handelsverband fordert Unterstützung

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert mit Blick auf die sehr geringen Umsätze der wiedereröffneten kleinen Geschäfte und die enormen Umsatzausfälle im März und April dringend direkte finanzielle Hilfen für die durch die Schließung betroffenen Unternehmen und konsumbelebende Maßnahmen wie die Ausgabe von Coronaschecks. „Die Zahlen machen deutlich, dass die Welt im Einzelhandel zweigeteilt ist. Die Non-Food-Unternehmen litten unter den Schließungen, während die Lebensmittelhändler zu Beginn der Coronakrise einmalige Mehrumsätze verzeichnen konnten“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Die verlorenen Umsätze sind in den meisten Fällen nicht mehr aufzuholen. Das reißt eine Riesenlücke in die Finanzen vieler Einzelhändler, das geht an die Existenz. Der Handel braucht einen Rettungsfonds mit nicht rückzahlpflichtigen Soforthilfen.“

Dazu komme, dass die Umsätze im Einzelhandel auch in den Tagen nach Wiedereröffnung der Geschäfte nur bis zu 40% des normalerweise üblichen Maßes erreichen konnten. „Die Kunden sind nicht in Kauflaune. Zu groß sind die Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt, viele haben Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und wissen nicht, wieviel Geld sie morgen noch zur Verfügung haben werden“, so Genth weiter. Die schlechte Verbraucherstimmung zeigt sich auch im eher mäßigen Wachstum der Onlineumsätze im März. Obwohl viele Geschäfte geschlossen waren, konnte der E-Commerce nicht in größerem Maße profitieren. Für den Einzelhandel sind deshalb starke Kaufimpulse unverzichtbar.

„Die Bundesregierung muss die Kaufkraft stärken. Verbraucher und Unternehmen brauchen ein starkes positives Signal. Deshalb fordern wir die Ausgabe von Coronaschecks in Höhe von 500 Euro an jeden Einwohner“, so Genth. Gehe es so weiter wie bisher, summierten sich die Umsatzausfälle der Einzelhändler ansonsten schnell in existenzbedrohender Höhe. Dann seien direkte Hilfsprogramme gefordert. Ansonsten drohten verödende Innenstädte und der Verlust vieler Arbeitsplätze.

   
Helge Neumann / 30.04.2020 - 10:04 Uhr

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