Schuhbranche diskutiert über Maskenpflicht

„Masken für alle – auf unsere Kosten?“

Die Maskenpflicht beschäftigt den Handel. (Foto: Mika Baumeister/Unsplash)
Die Maskenpflicht beschäftigt den Handel. (Foto: Mika Baumeister/Unsplash)

Die Maskenpflicht kommt. Ab Montag muss jeder Verbraucher beim Einkaufen oder auch im ÖPNV eine Maske tragen. schuhkurier wollte von Händlern und Verbundgruppen wissen, wie sie das Thema einschätzen. Eine erste Bilanz.

Die ersten Tage seit Öffnung der Geschäfte zeigten: Verbraucher nutzen zunehmend Mund-Nasen-Masken, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen und insbesondere auch beim Einkaufen. In vielen Geschäften liegen gleich im Eingangsbereich Masken bereit für denjenigen, der vielleicht keine dabei hat. Wie mit der Maskenpflicht umzugehen ist, das wurde und wird auch in der Schuhbranche diskutiert. „Eben noch standen wir alle am Abgrund, nun haben wir Riesendarlehen aufgenommen – was aber nicht heißen sollte, dass das (geliehene) Geld locker sitzt. Wenn wir jetzt noch jedem Kunden, halt: falsch!, jedem Laden-"Besucher" eine Einwegmaske sponsern – wo soll denn das Geld noch herkommen?“, diese Frage richtete ein besorgter Händler an die Redaktion. Er sehe einen erheblichen Kostenblock auf sich zukommen, der zusätzlich zu allen anderen Belastungen nur noch mehr die ohnehin kleine Rendite belastet: „Masken für alle – auf unsere Kosten?“

Eine Umfrage der schuhkurier-Redaktion ergab, dass Händler sehr unterschiedlich mit dem Thema umgehen. Er halte eine Maskenpflicht für „absolut richtig“, erklärt Schuhhändler Rudolf Berg aus Trier gegenüber schuhkurier. Es sei eine überfällige Entscheidung der Politik, diese einzuführen und „eine Frage des Respekts.“ Berg hat festgestellt, dass die meisten Kunden eine Maske dabei haben. „Und wenn nicht, sind wir selbstverständlich bereit, ihnen eine Maske zur Verfügung zu stellen“, so der Händler. „Ich sehe aber nicht, dass das Problem auf den Handel zukommt, Masken in großen Mengen bereitzustellen.“

Aus Sicht des Schuhhändlers Bernd Krümpelmann aus Georgsmarienhütte ist die Maskenpflicht „unumgänglich, da die Kunden durch die Lockerung glauben, das Virus wäre besiegt. Ansonsten kriegen wir eine neue Welle und wir haben den nächsten Lockdown.“ Allen Kunden kostenlos eine Maske zur Verfügung zu stellen, das sieht der Händler für sein Unternehmen nicht: „Das kann ich nicht leisten. Kunden ohne Maske können wir nicht bedienen; sie müssen draußen bleiben. Der Kunde muss seinen Beitrag selber leisten wie wir auch!“  Wenn überhaupt, sei er für eine kostenpflichtige Abgabe von Masken - oder eine Finanzierung mit Valuta der Lieferanten.

Der Schweizer Schuhhändler Samuel Schneider positioniert sich klar gegen eine Maskenpflicht: „Wir erachten eine generelle Maskenpflicht als nicht sinnvoll“, so der Unternehmer. Vielmehr sollen Risikogruppen aus Eigeninitiative nach eigenem Wunsch mit Maske unterwegs sein, sich diese jedoch selber besorgen. „Die Geschäfte können keineswegs dazu verpflichtet werden, der Kundschaft Masken abzugeben. In der Schweiz kosten Masken bis zu 1 CHF pro Stück. Das würde dann mehrere hundert Schweizer Franken pro Monat ausmachen“, so Schneider. „Wir finden es sinnvoll, das Verkaufsteam auf Wunsch mit langlebigen Masken aus Textil auszustatten. Wir sind auch bereits in Kontakt mit einem Lernenden-Atelier, welche uns Stoffe mit Schuhdrucken und fröhlichen floralen Motiven besorgen und daraus Masken nähen kann.“
Eine kostenpflichtige Abgabe an Kunden erachtet Schneider ebenfalls nicht als sinnvoll. „Jeder Mensch, der es für nötig und für richtig hält, soll eine Maske tragen, diese jedoch auch selber besorgen und bezahlen.“ Eine Branchenlösung könnte aus Sicht des Händlers sinnvoll sein.
 

Verbundgruppen: „Eigenverantwortung des Verbrauchers“


Bei den Verbundgruppen herrscht Einigkeit: Die Maskenpflicht ist gut und sinnvoll – aber der Händler entscheidet selbst, ob er Masken kostenlos an Kunden abgibt. So bewertet die ANWR das Thema grundsätzlich positiv, „dient die Maske doch, bei richtiger Anwendung, der Verlangsamung der Virusverbreitung. Zudem haben unsere Händler auch die Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, heißt es in einem Statement der Verbundgruppe auf schuhkurier-Nachfrage.
„Wir sehen hier die Eigenverantwortung eines jeden Verbrauchers, sich zunächst selbst um seine Maske zu kümmern. Gleichzeitig glauben wir auch, dass sich das, angesichts der nun vorgegebenen Verpflichtung, schnell einspielen wird und die meisten Kunden entsprechend vorbereitet zum Einkaufen gehen. Natürlich bleibt es den Händlern überlassen, inwiefern sie die Bereitstellung von Masken als Kundenbindungsaktion nutzen. Wir empfehlen auf jeden Fall diese entsprechend vorzuhalten.“
Die ANWR unterstütze ihre Händler schon seit knapp zwei Wochen mit attraktiven, zentralen Angeboten zur Umsetzung der Hygienekonzepte, die z.T. auch über den Großhandel der Verbundgruppe zu beziehen sind.
Eine Branchenlösung sieht man zu dem Thema indes nicht. „Die Maskenpflicht gilt ja schließlich für alle Handelsunternehmen, in sämtlichen Branchen“, so die ANWR.

SABU-Geschäftsführer Stephan Krug erklärt gegenüber schuhkurier: „Die Maskenpflicht macht aus unserer Sicht durchaus Sinn. Durch die Lockerungen bzw. Wiedereröffnungen besteht natürlich das Risiko, dass sich die Reproduktionsrate wieder sprunghaft erhöht und das Gesundheitsrisiko entsprechend ansteigt.“ Dies könne dann zwangsweise zu einer Verschärfung der Auflagen und eventuell als Konsequenz auch zu einer nochmaligen Schließung der Geschäfte führen. „Dies gilt es zu vermeiden, und die Maske ist ein probates Mittel dafür“, so Krug.
Der SABU versorgt die Mitgliedsunternehmen mit umfangreichen Angeboten verschiedener Hersteller. Es bleibe den Händlern überlassen, ob sie die Masken zur Verfügung stellen oder einen kleinen Obolus hierfür vom Kunden verlangen, so Stephan Krug.

Seitens GMS gibt es keine zentrale Lösung für die Beschaffung von Schutzmasken. „Das regelt jeder Händler individuell. Die meisten uns angeschlossenen Unternehmen haben Masken bevorratet, allerdings in erster Linie für die eigenen Mitarbeiter. Diese sollen geschützt sein; zugleich geht davon das Signal an die Kunden aus: Wir achten auf Hygiene. Du kannst Dich bei uns sicher fühlen. Die ab Montag geltende Maskenpflicht sagt aus, dass jeder Bürger sich selbst um eine Maske kümmern und diese dabei haben muss. Wir sind davon überzeugt, dass das auch geschehen wird. Eine Branchenlösung im Hinblick auf die Bereitstellung von Schutzmasken sehen wir nicht“, erklärt die Kölner Verbundgruppe.

Petra Steinke / 24.04.2020 - 08:47 Uhr

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