Konjunkturprogramm

Mehrwertsteuer-Reduzierung: Schuhhandel ist verunsichert

Die Bundesregierung hat als Bestandteil des Konjunkturprogramms eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer beschlossen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass insbesondere im Schuhhandel Unsicherheit im Umgang mit dem Thema Mehrwertsteuer-Reduzierung herrscht.

Die Bundesregierung hat beschlossen, die Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli von aktuell 19 % bis zum Ende des Jahres um drei Prozentpunkte auf 16 % zu senken. Das Hauptziel dieser Maßnahme besteht darin, den privaten Konsum anzuregen. Laut einer aktuellen Umfrage der BBE-Handelsberatung besteht derzeit jedoch vor allem in der Schuhbranche noch Informationsbedarf. Auf die Frage „Inwieweit werden Sie den Steuervorteil im Rahmen der Mehrwertsteuersenkung durch Preisanpassungen an Ihre Kunden weitergeben?“ antworteten 62% der befragten Schuhhändler mit „Weiß nicht“. 25% gaben an, die Steuervorteile nicht weiterzugeben und 12,5% haben vor, die Vorteile vollumfänglich bzw. anteilig weiterzugeben. Zum Vergleich: Im Bereich Sport planen rund 45% der Unternehmen eine Weiterreichung, im Segment Textilien sind es sogar über 50%.  

Max Becker von der BBE Handelsberatung empfiehlt dem Schuhhandel, eine Strategie für den Umgang mit der Mehrwertsteuersenkung zu entwickeln. „Wir werden in den nächsten Monaten diverse Endkundenkommunikation von Seiten der Unternehmen im Bezug auf das Thema Mehrwertsteuer-Reduzierung sehen. Wichtig ist jetzt hierzu klare Position zu beziehen. Konsumenten werden bei täglichen Erledigungen wie z.B. dem Besuch im Lebensmittelhandel feststellen, dass die Preise gesunken sind. Zusätzlich kommunizieren auch große Marktteilnehmer wie Deichmann die Weitergabe von Steuervorteilen. All das trägt dazu bei, die Erwartungshaltung der Konsumenten zu formen.“ Die Empfehlung des Experten: „Reichen Sie die Steuervorteile in Höhe von 2,52% aus Unternehmenssicht weiter und verknüpfen Sie den Rabatt in der Sale-Phase intelligent mit weiteren Preisänderungen mit dem Ziel, dem Konsumenten einen Mehrwert darzustellen, ohne die Spanne zusätzlich zu belasten.“

Eine Strategie sei aus seiner Sicht insbesondere aufgrund der sechsmonatigen Gültigkeit des Themas entscheidend, so Max Becker. „Auf der einen Seite drohen Imageschäden bei schlechter Kommunikation mit Konsumenten. Auf der anderen Seite bietet die Mehrwertsteuer-Reduzierung auch eine spannende Gelegenheit durch Anreize, wie zusätzliche Rabatte über Loyalty-Systeme, den Anreiz zur Wiederkehr zu setzen und Kunden nachhaltig zu binden. Unabhängig davon welchen Weg man hier geht: Entscheidend ist, dass der Mehrwert beim Konsumenten wahrgenommen wird und im lokalen Wettbewerb attraktiv bleibt.“

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Helge Neumann / 29.06.2020 - 11:16 Uhr

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