Fashion 4.0

Met Gala meets Twitter

Twitter-Nutzerin @thearchivists1 präsentiert ihre Ideen zur Brand Challenge unter dem Hashtag #HFMetGala2020. (Foto: Twitter/@thearchivists1)
Twitter-Nutzerin @thearchivists1 präsentiert ihre Ideen zur Brand Challenge unter dem Hashtag #HFMetGala2020. (Foto: Twitter/@thearchivists1)

Ursprünglich war es von einigen Twitter-Nutzern dazu gedacht, die Met Gala, das jährlich stattfindende Schaulaufen des Who-is-who der Fashionwelt, aufzubrechen und somit in einen egalitären Kontext zu setzen. Nun findet sich das Twitter-Phänomen #HFMetGala2020 Dank Corona in einem völlig neuen Licht wieder.

Im November vergangenen Jahres startete die Twitter-Nutzerin Aria Olson den Aufruf, der innerhalb weniger Stunden auf großen Zuspruch treffen sollte. Met Gala, aber für alle. Und aus kostensparenden und logistischen Gründen ausschließlich Online. Gemeinsam mit einem kleinen Team an Twitter-Nutzern aus sieben unterschiedlichen Ländern stellte sie das Konzept für #HFMetGala2020 zusammen: Am 4. Mai, dem geplanten Datum der eigentlichen Met Gala, sollten die Teilnehmer 24 Stunden lang ihre selbst gestalteten Outfits bei Twitter posten. Eine Anmeldung dazu erfolgte über eine Google-Anwendung, die Interessierten bekamen so Zugriff auf das visuelle Konzept der Aktion, der Austausch erfolgte über Twitter. Laut der US-Zeitung New York Times meldeten sich in kürzester Zeit über 900 Personen zu der virtuellen Met Gala an.

Der Dresscode der Veranstaltung orientiert sich an dem der tatsächlichen Gala, die jährlich im Metropolitan Museum of Arts stattfindet: About Time: Fashion and Duration. Die zugelassenen Teilnehmer konnten sich aussuchen, ob sie in einer Brand Challenge zu einer vorgegebenen Marke etwas Kreatives gestalten, ob sie etwas aus ihrem eigenen Fundus nutzten oder einen völlig neuen Look erfinden wollten. Einziges No-Go: Kleidung einfach neu kaufen. Laut der Veranstalter nehmen über 60 Marken an der Aktion teil, einige Modehäuser und -Schöpfer wie Jean Paul Gaultier wurden jedoch aufgrund von Kontroversen in der Vergangenheit von der Teilnahme ausgenommen. Auch wird es – anders als beim realen Vorbild – keine Best- und Worst-Dressed-Listen geben. Gefragt seien Kreativität und der Wille, sich mit der Materie Mode auseinanderzusetzen. Damit erklären die Veranstalter auch die Entscheidung, Twitter als Plattform für die Aktion zu nutzen. Mode-affiniere Plattformen wie Instagram sind in ihren Augen zu oberflächlich und setzten sich nicht mit der Schaffenskraft hinter den Stücken auseinander.

Ähnlich wie die Met Gala sammelt die Aktion auch Spenden für einen guten Zweck. Mindestens 5 Dollar fordert #HFMetGala2020 für die Teilnahme, die gesamte Summe wird an das International Medical Corps gespendet, eine humanitäre Organisation mit dem Schwerpunkt Gesundheitsversorgung. Eine im von Corona gebeutelten Amerika verständliche Entscheidung. Im Gegenzug sollen die Spender ein E-Book mit den aufregendsten Looks der Aktion bekommen.

Und so bietet #HFMetGala2020 ein Gegengewicht zu den bisherigen Fashion Weeks und Galas, indem Kreativität in den Fokus gestellt und materielle Interessen nebensächlich geworden sind. Man wolle die High Fashion wieder einer breiteren Masse zugänglich machen und zeigen, welche kreativen Energien dabei freigesetzt werden, so die Veranstalter gegenüber der New York Times. Und auch die traditionelle Modebranche ist auf das Internet-Phänomen aufmerksam geworden: pünktlich zum breit kritisierten Online-Ableger der eigentlichen Met-Gala auf Instagram unter dem Hashtag #MetGalaChallenge brachte auch die US-amerikanische Redaktion der Vogue einen Artikel über die Mode-Revoluzzer.

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Laura Klesper / 04.05.2020 - 17:20 Uhr

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