Interview

Michael Romberg: „Der erste Schritt“

Michael Romberg
Michael Romberg

Recyceltes PET ist in aller Munde. Es gibt zahlreiche Anbieter, Recycling-Konzepte, Labels und Zertifikate. schuhkurier sprach mit Jana-Geschäftsführer Michael Romberg, dessen Unternehmen ebenfalls recyceltes PET verwendet.

Herr Romberg: Welches PET verwendet Jana ganz konkret?

Jana nutzt „post-consumer“-PET-Material – dies bedeutet, dass es aus von Verbrauchern genutzten Kunststoffflaschen hergestellt wurde. Hier handelt es sich nicht um Industrieabfälle, welche als „post-industrial“ bezeichnet werden. Wir konzentrieren uns nicht auf „ocean“-PET, sondern nutzen alle Möglichkeiten, um das PET-Material wieder in den Stoffkreislauf einzuführen. Um die Herkunft des Materials genau zu dokumentieren und sicherzustellen, dass es sich um benutzte Flaschen handelt, arbeiten wir nur mit Materialzulieferern zusammen, welche dies durch ein GRS-Zertifikat garantieren können.

Wofür wird das recycelte Material bei Ihren Schuhen eingesetzt?

Die beste Möglichkeit, das Material einzusetzen, ist in den Futterstoffen. Hier haben wir die Möglichkeit, weiche Meshlinings einzusetzen oder jetzt ganz neu zur Herbst/Winter Kollektion „wonderful lining“, welches allein schon beim Fühlen mit der Hand einen ausgesprochen weichen Griff hat. Dies gepaart mit unserer Jana Relax-Technologie garantiert einen super soften Auftritt. Zusätzlich sind auch schon viele textile Obermaterialien, Nähte und Schnürsenkel mit recyceltem PET hergestellt – da dies aber noch nicht in allen Artikeln enthalten ist, werden wir es nicht separat ausloben, sondern einfach machen.

Wie hoch ist in der Jana-Kollektion der Anteil an Schuhen, die mit recyceltem PET ausgestattet sind?

Wir haben zur Kollektion F/S 2020 mit 65 Artikeln/Farben begonnen, um auch erst einmal sicherzustellen, dass die Lieferkette zu 100% rund läuft und die Materialien unseren Ansprüchen genügen. Zur Kollektion H/W 20/21 haben wir nun den großen Schritt unternommen und statten zu 100% alle Artikel aus der Jana-Kollektion mit recyceltem PET-Futter aus. Hier möchte ich noch einmal betonen, dass dies alle Preislagen von 24,95 Euro bis 130 Euro VK betrifft! Wir machen hier keinen Unterschied und wollen der Endverbraucherin in allen Preislagen diesen Vorteil anbieten. Das Thema darf sich nicht nur in höheren Preislagen abspielen, sondern muss ganz bewusst auch in den Konsum- und Mengenpreislagen eine Rolle spielen, denn nur so kann auch eine signifikante Menge des recycelten Materials eingesetzt werden.

Stellen Sie fest, dass Verbraucher gezielt nach recycelten Materialien fragen?

Es ist noch etwas früh, um hier eine klare Aussage treffen zu können. Im Vordergrund stehen immer der Look des Schuhs und das Preis/Leistungsverhältnis. Der Einsatz von recycelten Materialien darf immer nur einen Zusatznutzen darstellen, wodurch die Endverbraucherin noch einmal in der Kaufentscheidung bestärkt wird. Es ist für viele vielleicht noch Neuland, jedoch bin ich fest davon überzeugt, dass dies nur der erste Schritt ist. Kurz- und mittelfristig wird der Einsatz solcher Materialien zum Standard gehören.

Wie stellen Sie sicher, dass der Handel die Informationen zu Ihren Schuhen und Materialien optimal an den Verbraucher weitergibt?

Wir haben hierfür extra spezielle POS-Materialien entwickelt, welche den Endverbraucherinnen auf einfache Weise erklären, was wir tun. Dies wird entsprechend zur Auslieferung F/S 2020 dem Handel zur Verfügung gestellt. Natürlich haben wir auch digital gedacht und zusätzlich ein kurzes Video erstellt, in dem das Thema kurz und knapp erklärt wird. Ich möchte hier noch einmal betonen, dass uns das Thema Nachhaltigkeit nicht neu ist! Wir haben schon 2013 begonnen, mit vegetabil bzw. chromfrei gegerbten Futterledern zu arbeiten. Das ist immer noch der Fall – jedes Lederfutter in der Jana-Kollektion ist vegetabil gegerbt. Zusätzlich arbeiten wir seit zweieinhalb Jahren zum Großteil mit Gerbereien zusammen, welche LWG-zertifiziert sind. Dort wird speziell bei der Herstellung des Leders auf soziale und umweltfreundliche Standards geachtet. Auch hier halten wir es nach dem Motto – nicht viel reden, sondern einfach machen!

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Laura Klesper / 12.02.2020 - 12:28 Uhr

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