Einzelhandel

Mieten bleiben unter Druck

Die Mieten für Ladenlokale in Deutschland sinken auf breiter Front. Zu dieser Einschätzung kommen die Einzelhandels-Spezialisten von Comfort.

Der Handelsimmobilienspezialist Comfort hat die Mietpreisentwicklung in 132 deutschen Einkaufsstädten im Jahr 2019 analysiert. Demnach bleiben die Mieten unter Druck, wenn auch mit starken regionalen Unterschieden.

Mieten: Steigerungen nur in Berlin und Düsseldorf

Nur in zwei der durch Comfort analysierten 132 Städten ist die Höchstmiete für Ladenlokale in den 1a-Lagen noch gestiegen, nämlich in Berlin und in Düsseldorf. In 30 Städten ist die Miete konstant geblieben, wie beispielsweise in Hamburg, Leipzig, Freiburg, Potsdam oder in Flensburg. „Aber in 100 Städten“, berichtet Olaf Petersen, Geschäftsführer und Chefresearcher von Comfort, „haben die High Streets-Mieten erneut nachgegeben. Bei dem Gros dieser Städte sogar um mehr als 5%. Und auch zweistellige prozentuale Rückgänge wie Stuttgart, Karlsruhe, Krefeld, Koblenz, Gera sind zu verzeichnen.“ Insgesamt seien die Mieten im Mittel aller 132 Städte um rund 5% gesunken.

Flexibilität der Eigentümer nimmt zu

„Mittlerweile beginnen sich die Eigentümer und damit die Vermieter von Verkaufsflächen auf die neue Situation einzustellen und agieren bei der Mietvertragsgestaltung in jeder Hinsicht deutlich flexibler als noch vor zehn Jahren“, erläutert Petersen die Konsequenzen aus dieser Entwicklung. Auch die geringere Nachfrage der Retailer nach vertikalen Mietflächen bzw. Großflächen, werde auf der Eigentümerseite zunehmend zur Kenntnis genommen. Dessen ungeachtet ließen sich weiterhin attraktive Retailmieter finden. Anders als in der Vergangenheit, die durch Vermietungen an Labels aus den Bereichen Textil und Schuhe dominiert wurde, sei das Branchenspektrum der Mieter heute deutlich vielfältiger geworden. „Diese steigende Branchen-, Nutzungs- und Mietervielfalt kommt der Attraktivität unsere Innenstädte zugute“, so Petersen. „Weniger Monotonie, mehr Aufenthaltsqualität. Also genau die Entwicklungen, die benötigt werden, um Attraktivität und Frequenz zu sichern“. Ebenfalls zeige sich dieser Umbruch in der aktuell wachsenden Bedeutung von Mixed-Use-Objekten und dem konstant steigenden City-Anteilen von Gastronomie. „Unsere Innenstädte kehren so langsam wieder zu ihrer ursprünglichen Funktion als sozialer Treffpunkt und Marktplatz zurück“.

Langfristige Perspektive gesund

Vor diesem Hintergrund geht man bei Comfort davon aus, dass die Retail-Mieten für moderne und marktgerechte Flächen in den urbanen Toplagen der attraktiven Innenstädte spätestens auf mittlere Sicht wieder ein Mindestniveau finden und hiervon ausgehend auch wieder zulegen können. Olaf Petersen: „Aktuell befinden wir uns in einer Phase der umfassenden Neujustierung der Einzelhandelsmieten sowie einer deutlichen Flexibilisierung der Mietvertragsverhältnisse, in der die alten tradierten Gewohnheiten aufgebrochen werden. Die Zeiten des unkomplizierten Nach- und Neuvermietens sind vorbei.“

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Helge Neumann / 21.01.2020 - 16:18 Uhr

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