Interview Danilo Georg von BLG Logistics

„Online wächst weiter“

Danilo Georg, BLG (Foto: BLG)
Danilo Georg, BLG (Foto: BLG)

Herausforderung Logistik. Worauf kommt es besonders an, wo liegen Chancen? schuhkurier sprach mit Danilo Georg, Director Operations und Prokurist bei BLG Logistics aus Bremen.

Logistik ist ein sensibles Thema. In der Corona-Pandemie umso mehr. Dass bestellte Ware schnell und reibungslos von A nach B kommt, entscheidet über den Erfolg oder  Misserfolg eines Geschäfts. Produktionsstörungen in Produktionsländern sorgten in den zurückliegenden Monaten für Engpässe bei den Lieferungen von Ware vom Hersteller zum Händler. Und angesichts steigender Zahlen von Onlinebestellungen ist die Logistik zum Verbraucher noch mehr im Fokus als ohnehin schon. Das Unternehmen BLG Logistics aus Bremen verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Logistikbereich. Neben Automotive und anderen technischen Branchen fokussiert sich BLG Logistics auch auf das Sport- und Fashion-Segment. So realisiert der Logistiker das europäische Distributionslager des Sportartikelanbieters Puma und organisiert die Vertriebswege Retail, Wholesale und B2C. In Hörsel unterhält BLG zudem einen Multi-User-Standort, über den auch der Transport von Zalando, Hallhuber, Marc O’Polo und AppelrathCüpper läuft. schuhkurier sprach mit Danilo Georg, Director Operations und Prokurist bei BLG.
 

schuhkurier: Herr Georg, Sie sind Logistik-Spezialist und verfügen über Expertise in verschiedenen Branchen. Die Modebranche bringt besondere Herausforderungen mit sich. Welches sind aus Ihrer Sicht die größten?

Bedingt durch eine Überdistribution des gesamten Marktes sowie sich schnell verändernden Absatzkanälen wird die Flexibilität in der Logistikabwicklung immer relevanter. In den letzten Jahren wurde es immer wichtiger, den gesamten Warenbestand zu optimieren und Abschriften zu reduzieren. Das wurde von den meisten Marken und Händlern in den letzten Jahren auch in Angriff genommen und realisiert. Dennoch reichten diese Maßnahmen bei weitem nicht aus, um die Dynamik der veränderten Absatzkanäle bestmöglich zu optimieren. Wir haben uns darauf spezialisiert, dass wir wie ein Logistikarchitekt die gesamte Marktentwicklung frühzeitig erkennen, um flexibel und robust unsere Kunden zu beraten und eine flexible Logistiklösung anbieten zu können. Mit so wenig Ware wie möglich im Gesamtkreislauf so viel Nachfrage wie möglich zu bedienen, muss in der Logistik und der gesamten Supply Chain abgebildet werden können. Durch die Erfahrung von über 25 Auftraggebern und mehr als 200 Mio. bewegten Artikeln pro Jahr im Bereich der Fashionlogistik versuchen wir, immer die bestmögliche Logistikstruktur für unsere Auftraggeber abzubilden. Corona hat den Veränderungsprozess bei der notwendigen Flexibilisierung der Absatzkanäle nur beschleunigt.  
 


Wo liegen Hürden speziell im Schuhbereich?

Aus meinem Blickwinkel als Logistikdienstleister für den Bereich Sports & Fashion inklusive Schuhe und Workwear sind Schuhe immer ein fester Sortimentsbestandteil der gesamten Warenvolumina, die wir bewegen. Für den Einzelhandel ist die Marktentwicklung besonders herausfordernd, da sich der Onlinekanal mittlerweile fest etabliert hat. Vor mehr als zehn Jahren hat man das noch unterschätzt und niemals damit gerechnet, wie schnell dieses Segment wachsen wird. 

 

Inwieweit hat die Corona-Krise Auswirkung auf das Logistik-Segment?

Die Absatzkanäle haben sich sofort verändert. Wir konnten in der Krise schnell und pragmatisch bei unseren Auftraggebern Abhilfe schaffen. Durch die Tatsache, dass vorübergehend keine Ware mehr in den Handel geliefert werden konnte, mussten wir zusätzlichen Lagerraum schaffen. Wir haben diverse Bypass-Lösungen kreiert, um den Mengenstau entsprechend zu puffern. Teilweise haben wir auch Langsamdreher in Außenläger geschafft, damit wir mehr Raum für die E-Commerce Abwicklung gewinnen konnten. Das E-Commerce Geschäft hat sich schlagartig erhöht.

 

In Ihrer Präsentation erwähnen Sie „Rückläufer umgehend wiederverkäuflich machen“. Was ist darunter zu verstehen und welche Bedeutung hat dieses Segment mengenmäßig in der Fashionbranche?

Die umgehende und schnelle Retourenbearbeitung im Bereich Fashion und Schuhe ist extrem wichtig. Die Retourenquoten liegen oftmals deutlich über 40%. Je schneller wir die Retouren bearbeiten und umgehend wieder in den verfügbaren Warenbestand einbuchen, desto weniger Ware müssen wir im Warenkreislauf halten. In der Regel werden Retouren nach dem Eintreffen in unseren Retourencentern taggleich bearbeitet. 

 

Unternehmen in der Schuhbranche setzen teilweise auf Logistik-Dienstleister, teilweise auf Lösungen in Eigenregie. Ab wann lohnt es sich, mit einem Dienstleister zusammenzuarbeiten?

Generell bin ich ein Fan von Outsourcing, da man hierdurch die Flexibilität behält, sich auf verändernde Geschäftsmodelle, Absatzkanäle und Volumenschwankungen einstellen zu können. Zumindest ein Teilbereich der Logistikabwicklung sollte flexibel gehalten werden. Unsere Auftraggeber partizipieren von unserem übergreifenden Know-how und wir sind gleichzeitig besser auf Volumenschwankungen eingestellt, indem wir einige Multi-User-Logistikcentren betreiben.  



Der Onlinehandel hat bedingt durch Corona deutlichen Schwung erfahren. Das ist nachvollziehbar, speziell in Phasen des Lockdown. Glauben Sie, dass es nach Abklingen der Pandemie wieder ein gewisses Abebben des Online-Booms geben wird?

Nein, der Trend, dass sich das Absatzvolumen des gesamten Handels in Richtung Online verschiebt, ist stetig und unumkehrbar. Ob der eigene Retail, Whole-
sale, Marktplätze oder der eigene Onlineshop, der Trend in Richtung Online und Multichannel wird immer bestehen bleiben. Genau hier bestätigt sich die Notwendigkeit, dass man die Logistikstrukturen flexibel halten muss, unabhängig davon, ob die Logistik in Eigenregie oder durch einen Dienstleister betrieben wird.

 

Viele Unternehmen im Schuhhandel und auch in der Schuhindustrie müssen aufgrund der aktuellen Lage sehr kostensensibel agieren. Manche fürchten, dass ein Logistik-Dienstleister vielleicht Prozesse optimieren, dafür aber hohe Kosten verursachen kann. Ihre Antwort?

Eine eigene Logistik stellt Fixkosten dar. Logistikdienstleister bieten in einem definierten Rahmen die Flexibilität und auch das Know-how, die Prozesse an die sich verändernden Absatzkanäle schneller anzupassen. Sowohl die Inbound-Warenströme ändern sich, aber insbesondere die Absatzkanäle. Jeder Absatzkanal muss systemtechnisch anders bedient werden. Teilweise ist die Ware anders zu labeln und zu verpacken. In den aktuellen Zeiten ist es umso wichtiger, dass man einen flexiblen und robusten Dienstleister ausgewählt hat, der die Veränderungsprozesse für seine Kunden und für sich selbst auch beherzigt und vorlebt. Durch Innovation, den richtigen Mix zwischen intelligenter Automatisierung und Personaleinsatz in der Logistikabwicklung gelingt uns das sehr gut. Wir haben einen starken Fokus auf den Markt, treiben die Innovation und Transformation für uns und unsere Auftraggeber. Unsere Vision ist dabei immer: Wir machen die Logistik für unsere Kunden einfacher und dadurch unsere Kunden am Markt erfolgreicher. 
 

Zur Person: Danilo Georg ist seit 2013 verantwortlich für den Ausbau der Geschäfte der BLG Handelslogistik mit Schwerpunkt in den Branchen Sports & Fashion. Bis 2006 war Georg Manager und Geschäftsführer bei Walter Services in Karlsruhe. Von 2007 bis 2012 baute er als Sprecher der Geschäftsführung die BFS Baur Fulfillment Solutions auf – einen Fulfillment-Dienstleister innerhalb der Otto Group mit 1.700 Mitarbeitern in den Bereichen Logistik, Call-Center und Debitoren-Management.

Logistik ist ein sensibles Thema. In der Corona-Pandemie umso mehr. Dass bestellte Ware schnell und reibungslos von A nach B kommt, entscheidet über den Erfolg oder  Misserfolg eines Geschäfts. Produktionsstörungen in Produktionsländern sorgten in den zurückliegenden Monaten für Engpässe bei den Lieferungen von Ware vom Hersteller zum Händler. Und angesichts steigender Zahlen von Onlinebestellungen ist die Logistik zum Verbraucher noch mehr im Fokus als ohnehin schon. Das Unternehmen BLG Logistics aus Bremen verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Logistikbereich. Neben Automotive und anderen technischen Branchen fokussiert sich BLG Logistics auch auf das Sport- und Fashion-Segment. So realisiert der Logistiker das europäische Distributionslager des Sportartikelanbieters Puma und organisiert die Vertriebswege Retail, Wholesale und B2C. In Hörsel unterhält BLG zudem einen Multi-User-Standort, über den auch der Transport von Zalando, Hallhuber, Marc O’Polo und AppelrathCüpper läuft. schuhkurier sprach mit Danilo Georg, Director Operations und Prokurist bei BLG.
 

schuhkurier: Herr Georg, Sie sind Logistik-Spezialist und verfügen über Expertise in verschiedenen Branchen. Die Modebranche bringt besondere Herausforderungen mit sich. Welches sind aus Ihrer Sicht die größten?

Bedingt durch eine Überdistribution des gesamten Marktes sowie sich schnell verändernden Absatzkanälen wird die Flexibilität in der Logistikabwicklung immer relevanter. In den letzten Jahren wurde es immer wichtiger, den gesamten Warenbestand zu optimieren und Abschriften zu reduzieren. Das wurde von den meisten Marken und Händlern in den letzten Jahren auch in Angriff genommen und realisiert. Dennoch reichten diese Maßnahmen bei weitem nicht aus, um die Dynamik der veränderten Absatzkanäle bestmöglich zu optimieren. Wir haben uns darauf spezialisiert, dass wir wie ein Logistikarchitekt die gesamte Marktentwicklung frühzeitig erkennen, um flexibel und robust unsere Kunden zu beraten und eine flexible Logistiklösung anbieten zu können. Mit so wenig Ware wie möglich im Gesamtkreislauf so viel Nachfrage wie möglich zu bedienen, muss in der Logistik und der gesamten Supply Chain abgebildet werden können. Durch die Erfahrung von über 25 Auftraggebern und mehr als 200 Mio. bewegten Artikeln pro Jahr im Bereich der Fashionlogistik versuchen wir, immer die bestmögliche Logistikstruktur für unsere Auftraggeber abzubilden. Corona hat den Veränderungsprozess bei der notwendigen Flexibilisierung der Absatzkanäle nur beschleunigt.  
 


Wo liegen Hürden speziell im Schuhbereich?

Aus meinem Blickwinkel als Logistikdienstleister für den Bereich Sports & Fashion inklusive Schuhe und Workwear sind Schuhe immer ein fester Sortimentsbestandteil der gesamten Warenvolumina, die wir bewegen. Für den Einzelhandel ist die Marktentwicklung besonders herausfordernd, da sich der Onlinekanal mittlerweile fest etabliert hat. Vor mehr als zehn Jahren hat man das noch unterschätzt und niemals damit gerechnet, wie schnell dieses Segment wachsen wird. 

 

Inwieweit hat die Corona-Krise Auswirkung auf das Logistik-Segment?

Die Absatzkanäle haben sich sofort verändert. Wir konnten in der Krise schnell und pragmatisch bei unseren Auftraggebern Abhilfe schaffen. Durch die Tatsache, dass vorübergehend keine Ware mehr in den Handel geliefert werden konnte, mussten wir zusätzlichen Lagerraum schaffen. Wir haben diverse Bypass-Lösungen kreiert, um den Mengenstau entsprechend zu puffern. Teilweise haben wir auch Langsamdreher in Außenläger geschafft, damit wir mehr Raum für die E-Commerce Abwicklung gewinnen konnten. Das E-Commerce Geschäft hat sich schlagartig erhöht.

 

In Ihrer Präsentation erwähnen Sie „Rückläufer umgehend wiederverkäuflich machen“. Was ist darunter zu verstehen und welche Bedeutung hat dieses Segment mengenmäßig in der Fashionbranche?

Die umgehende und schnelle Retourenbearbeitung im Bereich Fashion und Schuhe ist extrem wichtig. Die Retourenquoten liegen oftmals deutlich über 40%. Je schneller wir die Retouren bearbeiten und umgehend wieder in den verfügbaren Warenbestand einbuchen, desto weniger Ware müssen wir im Warenkreislauf halten. In der Regel werden Retouren nach dem Eintreffen in unseren Retourencentern taggleich bearbeitet. 

 

Unternehmen in der Schuhbranche setzen teilweise auf Logistik-Dienstleister, teilweise auf Lösungen in Eigenregie. Ab wann lohnt es sich, mit einem Dienstleister zusammenzuarbeiten?

Generell bin ich ein Fan von Outsourcing, da man hierdurch die Flexibilität behält, sich auf verändernde Geschäftsmodelle, Absatzkanäle und Volumenschwankungen einstellen zu können. Zumindest ein Teilbereich der Logistikabwicklung sollte flexibel gehalten werden. Unsere Auftraggeber partizipieren von unserem übergreifenden Know-how und wir sind gleichzeitig besser auf Volumenschwankungen eingestellt, indem wir einige Multi-User-Logistikcentren betreiben.  



Der Onlinehandel hat bedingt durch Corona deutlichen Schwung erfahren. Das ist nachvollziehbar, speziell in Phasen des Lockdown. Glauben Sie, dass es nach Abklingen der Pandemie wieder ein gewisses Abebben des Online-Booms geben wird?

Nein, der Trend, dass sich das Absatzvolumen des gesamten Handels in Richtung Online verschiebt, ist stetig und unumkehrbar. Ob der eigene Retail, Whole-
sale, Marktplätze oder der eigene Onlineshop, der Trend in Richtung Online und Multichannel wird immer bestehen bleiben. Genau hier bestätigt sich die Notwendigkeit, dass man die Logistikstrukturen flexibel halten muss, unabhängig davon, ob die Logistik in Eigenregie oder durch einen Dienstleister betrieben wird.

 

Viele Unternehmen im Schuhhandel und auch in der Schuhindustrie müssen aufgrund der aktuellen Lage sehr kostensensibel agieren. Manche fürchten, dass ein Logistik-Dienstleister vielleicht Prozesse optimieren, dafür aber hohe Kosten verursachen kann. Ihre Antwort?

Eine eigene Logistik stellt Fixkosten dar. Logistikdienstleister bieten in einem definierten Rahmen die Flexibilität und auch das Know-how, die Prozesse an die sich verändernden Absatzkanäle schneller anzupassen. Sowohl die Inbound-Warenströme ändern sich, aber insbesondere die Absatzkanäle. Jeder Absatzkanal muss systemtechnisch anders bedient werden. Teilweise ist die Ware anders zu labeln und zu verpacken. In den aktuellen Zeiten ist es umso wichtiger, dass man einen flexiblen und robusten Dienstleister ausgewählt hat, der die Veränderungsprozesse für seine Kunden und für sich selbst auch beherzigt und vorlebt. Durch Innovation, den richtigen Mix zwischen intelligenter Automatisierung und Personaleinsatz in der Logistikabwicklung gelingt uns das sehr gut. Wir haben einen starken Fokus auf den Markt, treiben die Innovation und Transformation für uns und unsere Auftraggeber. Unsere Vision ist dabei immer: Wir machen die Logistik für unsere Kunden einfacher und dadurch unsere Kunden am Markt erfolgreicher. 
 

Zur Person: Danilo Georg ist seit 2013 verantwortlich für den Ausbau der Geschäfte der BLG Handelslogistik mit Schwerpunkt in den Branchen Sports & Fashion. Bis 2006 war Georg Manager und Geschäftsführer bei Walter Services in Karlsruhe. Von 2007 bis 2012 baute er als Sprecher der Geschäftsführung die BFS Baur Fulfillment Solutions auf – einen Fulfillment-Dienstleister innerhalb der Otto Group mit 1.700 Mitarbeitern in den Bereichen Logistik, Call-Center und Debitoren-Management.

Petra Steinke / 03.12.2020 - 15:39 Uhr

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