Ecostra-Studie

Outlet Center erholen sich vom Lockdown

Fashion Outlet Zweibrücken (Foto: VIA Outlets)
Fashion Outlet Zweibrücken (Foto: VIA Outlets)

Die Outlet Center in Europa haben sich sehr viel schneller wieder den Vorjahreswerten an Frequenz und Umsatz angenähert als Shoppingcenter oder innerstädtische Geschäftslagen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Ecostra.

„Während die meisten Einkaufszentren noch nicht einmal bei 70% des Vorjahres angekommen sind, liegen uns Informationen vor, dass die meisten Outlet Center den Vergleichswert des Vorjahresmonats bereits erreicht haben. Manche liegen sogar schon bei über 100 %“, erklärt Dr. Joachim Will, Geschäftsführer des Wiesbadener Forschungsinstituts Ecostra. Dabei tobe die Rabattschlacht im innerstädtischen Einzelhandel sogar noch stärker als in den Schnäppchentempeln auf der grünen Wiese. Will: „Die unverkaufte Frühjahrsware und der wirtschaftliche Druck zur Verbesserung der Liquidität der Handelsunternehmen hat dazu geführt, dass alle Schwüre bei der Rabattierung Zurückhaltung zu üben, schnell Makulatur wurden. Preisreduzierungen von 50% und mehr sind so eher die Regel als die Ausnahme. Die besseren Rabatte gibt es im Moment daher in der Innenstadt!“

Das halte die Schnäppchenjäger aber nicht davon ab, in Massen wieder in die Outlet Center zu strömen. Nach der Wiedereröffnung des Outlet Centers im britischen Bicester Mitte Juni war der Besucherandrang so stark, dass in der Öffentlichkeit umgehend wieder Forderungen nach einer erneuten Schließung des Centers aufkamen, um keinen neuen Corona-Hotspot zu schaffen. Beim gleich hinter der deutsch-niederländischen Grenze gelegenen Designer Outlet Roermond bildete sich auf der zuführenden Autobahn am Nachmittag des 12. Juli 2020 ein sechs km langer Stau, nachdem die zulässige Aufnahmekapazität an Besuchern im Center erreicht war. Zu diesem Zeitpunkt der längste Verkehrsstau in ganz Nordrhein-Westfalen. Insofern habe sich der Besucher- und Kundenzuspruch bei den Outlet Centern wieder vergleichsweise schnell von dem Corona-Lockdown erholt. Allerdings nicht überall und in identischem Umfang. Will: „Outlet-Standorte, welche bisher über hohe touristische Kundenanteile aus anderen Ländern und hier vor allem China oder Russland verfügten, sind noch ein gutes Stück vom Vorjahresniveau entfernt. Denn diese Klientel unterliegt nach wie vor sehr restriktiven Reisebeschränkungen und fällt derzeit fast komplett aus. Besucher aus diesen Ländern trugen aber bislang in wesentlichem Umfang zu den Umsätzen v.a. der Premium-Marken in den Outlets bei. Center mit einem überwiegend mittelpreisigen oder gehobenen Markenbild und einem einwohnerstarken regionalen Einzugsgebiet sind dagegen bisher weitaus besser aus der Krise gekommen.“

Zahl der Outlet-Standorte und -Flächen in Europa wächst weiter

Dabei ist die Zahl der Outlet Center in Europa und deren Verkaufsfläche auch in den vergangenen zwölf Monaten wieder kräftig gewachsen. Wie die jährlich von Ecostra im Rahmen der Marktbeobachtung vorgenommene Auswertung der Standortdaten für alle europäischen Länder zeigt, gibt es dort zwischenzeitlich 188 in Betrieb befindliche Outlet Center (+ 7 im Vergleich zum Vorjahr), welche eine gesamte Verkaufsfläche von knapp 3,1 Mio. qm (+ 0,1 Mio. qm) auf sich vereinen. Die meisten dieser Center befinden sich im Vereinigten Königreich (37), gefolgt von Italien (26), Frankreich (23), Spanien (18), Deutschland (16) und Polen (14). Outlet-Standorte wurden in letzter Zeit u.a. in Finnland (Helsinki Outlet in Vantaa), in Italien (The Mall San Remo) und in Deutschland (Mein Outlet Bremerhaven) neu eröffnet. Gleich zwei neue Center starteten im vergangenen Jahr in Russland mit dem Fashion House Outlet Center St. Petersburg und dem Novaya Riga Outlet Village in einem westlichen Vorort von Moskau.

 
Login für Abonnenten
Sie möchten alle Inhalte lesen?
  • Website-Login
  • E-Paper-Zugang
  • Alle Newsletter
Helge Neumann / 27.07.2020 - 09:03 Uhr

Weitere Nachrichten