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Ranzenfee & Koffertroll: „Großteil aufgefangen“

Monika und Markus Stratmann (Foto: Ranzenfee & Koffertroll)
Monika und Markus Stratmann (Foto: Ranzenfee & Koffertroll)

Stationär top, online flop: Ranzenfee & Koffertroll verzeichnet seit der Wiedereröffnung der Geschäfte Top-Zahlen – aber nur in seinen drei Geschäften. Geschäftsführer Markus Stratmann berichtet über die Entwicklung und die aktuelle Stimmung in Ostwestfalen.

Hinter Markus Stratmann und seinem Team liegen „ganz bittere“ Wochen. Das Schulranzengeschäft habe nur eine Saison, und der Lockdown sei genau auf die traditionell stärksten Wochen seines Unternehmens gefallen. Immerhin: „Seit der Wiedereröffnung der Geschäfte haben wir einen Großteil der Einbußen wiederaufgeholt.“ An seinen drei stationären Standorten in Rheda-Widerbrück, Düsseldorf und Berlin verzeichne er seit dem Re-Start ein Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Es läuft gigantisch gut,“ sagt Stratmann.

Der Fachhändler entwickelte ein umfassendes Hygienekonzept für seine Standorte. Aus den Geschäften in Berlin und Düsseldorf räumte er den gesamten Gepäckbereich frei und schuf so Platz für Beratungsinseln. Bis auf Freitag und Samstag arbeitet er strikt mit Terminvergaben im Vorfeld. Pro Termin werden maximal zwei Erwachsene und das Kind beraten. „Das führt dann schon manchmal zu den Diskussionen, wenn weitere Angehörige nicht mitkommen dürfen.“ Die Eingänge sind abgesperrt. Die Kunden warten, bis sie hereingelassen werden.

 

Preisverfall im Onlinehandel

 

So gut die stationären Geschäfte laufen, so sehr schwächelt der Online-Handel. Im März belief sich das Minus auf 40 Prozent, im April auf 60 Prozent und im Mai immerhin noch auf -25 Prozent. Die allgemein fehlende Konsumlaune ist nicht der einzige Grund für die Entwicklung. „Nach dem Lockdown beobachten wir einen massiven Preisverfall. Kaum ein Onlinehändler verzeichnete in den letzten Monaten ein Plus“, so Markus Stratmann. Ein Problem, den die Kosten steigen online im Unterschied zum stationären Geschäft prozentual zu den Umsätzen an. Erst im Juni scheint sich das Online-Business mit einem aufgelaufenen Plus von 34 Prozent zu erholen.

Rheda-Wiedenbrück liegt bei Gütersloh – und Ranzenfee & Koffertroll gerade einmal 2 Kilometer entfernt vom aktuellen „Corona-Hotspot“ der Tönnies-Fabrik. „Wir haben Glück, dass die Geschäfte weiter öffnen dürfen“, sagt Markus Stratmann. Doch die verschärften Kontaktregeln vermiesen gleichwohl die Geschäfte. Seit Donnerstag, den 18. Juni, brachen die Umsätze um 60 Prozent ein.

Was Markus Stratmann aber mehr Sorgen bereitet, ist der Stimmungsumschwung in seiner Heimat. „Jeder schimpft über jeden. Von Solidarität und Gemeinschaftssinn ist nichts mehr zu spüren. Erst richtete sich der Hass gegen asiatische Mitbürger, jetzt gegen polnische und rumänische Mitbürger.“

 

Ranzenfee & Koffertroll: Einkaufsstop bis März 2021

 

„Wir haben durch die Corona-Pandemie einen siebenstelligen Betrag verloren“, fasst Markus Stratmann die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen zum aktuellen Zeitpunkt zusammen. Dank Kurzarbeit und flexibler Zeitkonten seiner Mitarbeiter habe er niemanden entlassen müssen. Auch KfW-Kredite habe er nicht in aufnehmen müssen. „Und wir zahlen noch in erster Kondition.“

Gleichwohl sorgt sich Markus Stratmann um die Entwicklung bei den Lieferanten. „Wir werden bis März 2021 keine Koffer einkaufen. Auch haben wir nicht vor, zum ILM nach Offenbach zu fahren. Wir werden nichts einkaufen.“

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Tobias Kurtz / 26.06.2020 - 12:29 Uhr

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