Corona-Krise

Reynier van Bommel: „Wir können einen Unterschied machen“

Reynier van Bommel (Foto: Van Bommel)
Reynier van Bommel (Foto: Van Bommel)

In der Krise Stärke zeigen. Das ist die Maxime von Reynier van Bommel. Der CEO von Floris van Bommel erläutert im Gespräch mit schuhkurier, warum die unternehmerischen Entscheidungen der kommenden Tage und Wochen besonders wichtig sind. 

Herr van Bommel, wie haben Sie die vergangenen Wochen der Corona-Krise erlebt? 

Für meine eigene mentale Fitness sage ich mir selbst, dass auch eine Megakrise wie diese Teil von Unternehmertum ist. Wir waren sehr erfolgreich in den vergangenen Jahren. Meine tägliche Routine war entsprechend davon geprägt, unser Unternehmen unter diesen Umständen zu führen. Wir haben stets daran gearbeitet, so kreativ und originell wie möglich zu sein. Wir haben investiert und aufgebaut, um immer besser und stärker zu werden. Jetzt plötzlich haben wir einen komplett neuen Horizont. Es geht um Überleben, Schadensbegrenzung und das Wohlergehen unserer eigenen Leute hier und jene in unserer Lieferkette. Sehr schnell ist das zu unserem „neuen normal“ geworden. Mittlerweile gehen wir damit genauso um, wie wir mit allen Situationen vor der Krise umgegangen sind. Wir versuchen so smart, sozial und kreativ wie möglich zu sein. Mehr denn je werden die Entscheidungen, die wir in diesen Tagen und Wochen treffen, unsere Zukunft definieren. Ich sehe keinen positiven Aspekt in dieser Krise, aber ich glaube, dass wir als Unternehmen einen Unterschied machen können. 

Welche Maßnahmen haben Sie in Ihrem Unternehmen ergriffen?

Eine Woche nach Beginn der Krise haben wir einen Brief an alle unsere Händler versendet. Wir haben sie über erste Maßnahmen informiert und ihnen temporär bessere Zahlungsbedingungen angeboten. Wir fahren damit fort, den Markt zu analysieren und auf die Bedürfnisse unserer Händler zu hören. In einigen Tagen werden wir ein zweites Mailing versenden, in dem wir über zusätzliche entgegenkommende Maßnahmen informieren. 

Wie kann van Bommel aktuell den Handel unterstützen?

Neben der finanziellen Unterstützung unserer Händler besteht ein großer Aspekt darin, sicher zu stellen, dass wir bereit sind, neue Kollektionen zu präsentieren und zu liefern, sobald die Wirtschaft wieder anspringt. Ich weiß, dass dies gerade nicht die Top-Priorität unserer Händler ist. Aber wenn es soweit ist, wird es sehr wichtig sein, dem Konsumenten neue Kollektionen zu zeigen. Daher sind wir jeden Tag in engem Kontakt mit all unseren Geschäftspartnern unserer Lieferkette. Wir bieten unseren Gerbern, Fabriken und anderen Lieferanten Zahlungsgarantien an, damit sie wissen, dass sobald sich die Dinge wieder bewegen, sie wieder sicher für uns produzieren können. Nochmals: Gerade in Zeiten wie diesen muss man zeigen, dass man ein solider Geschäftspartner ist. 

Die Krise trifft auch die Industrie…

Diese Krise ist für die Industrie genauso dramatisch wie für den Handel. Ich kann Ihnen versichern, dass wir als Vertreter der Industrie und Produzent vom ersten Tag an betroffen waren. Der einzige Grund, warum ich davon sprechen kann, unseren Händlern Maßnahmen anzubieten, ist der, dass wir ein solides Familienunternehmen sind, das Reserven aufgebaut hat. Es zahlt sich jetzt aus, dass wir nicht der Typ Unternehmen sind, dessen erstes Ziel darin besteht, die Kosten bis zum Maximum zu kürzen, Ausschüttungen für Aktionäre zu optimieren, riesige Boni zu zahlen oder sich mit vielen Schulden zu finanzieren. Das Kapital der Familie ist im Unternehmen und wir werden es dafür nutzen, wieder aus dieser Krise herauszukommen und damit fortfahren zu können, ein gutes und originelles Familienunternehmen zu sein.   

Wie ist die Situation in den Niederlanden? Mussten dort auch alle Geschäfte schließen?

Die Regierung hat nicht angeordnet, alle Geschäfte zu schließen. Aber es war unmöglich, unsere eigenen Geschäfte geöffnet zu halten. Neben den gesundheitlichen Risiken für unsere Mitarbeiter, hat auch die nachfolgende Anordnung der Regierung zu ’social distancing‘ zu leeren Einkaufsstraßen geführt. Der Verkauf ist bis zu 90% eingebrochen, was dazu geführt hat, dass der Modehandel zum kompletten Stillstand gekommen ist. 

Wie lange wird die Corona-Krise unsere Branche noch beschäftigen?

Das weiß ich nicht und ich möchte auch nicht Teil dieser Diskussion sein. Wir agieren und reagieren auf was auch immer passieren mag – und versuchen so stark wie möglich zu sein. Intern analysieren wir für die kommenden Monate und Jahre unterschiedliche Szenarien im Hinblick auf Liquidität. Aber das ist alles sehr hypothetisch. Es geht vor allem darum, auf möglichst alle Szenarien vorbereitet zu sein. 

Helge Neumann / 08.04.2020 - 16:11 Uhr

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